StA stellt Ermittlungen ein: Ver­käufer des "Merkel-Gal­gens" begeht keine Straftat

06.12.2017

Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat das Ermittlungsverfahren gegen einen Verkäufer kleiner Galgen mit den Namen von Angela Merkel und Sigmar Gabriel eingestellt. Politiker reagierten mit deutlichen Worten auf diese Nachricht.

 

Die Chemnitzer Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Verkäufer kleiner Galgen mit den Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) eingestellt, "da im konkreten Fall kein Straftatbestand als erfüllt angesehen wird", hieß es am Mittwochnachmittag in einer Mitteilung der Behörde. Zuerst hatte darüber die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Die Staatsanwälte erachten weder den Tatbestand der "öffentlichen Aufforderung zu Straftaten" noch eine Störung des "öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten" für erfüllt. Dies setze voraus, dass der Beschuldigte "die Tötung der beiden Politiker in Aussicht gestellt und vorgegeben hätte, dies läge in seinem Einflussbereich". Bei objektiver Betrachtung könne das Verhalten auch dahingehend verstanden werden, "den genannten Politikern symbolisch den politischen Tod zu wünschen".

Strafbarkeit "für den konkreten Fall verneint"

"Da keine Straftat vorliegt, können die Miniaturgalgen durch die Staatsanwaltschaft auch nicht beschlagnahmt oder deren Verkauf unterbunden werden", hieß es weiter. Die Strafbarkeit sei "ausschließlich für den konkreten Fall verneint" und somit das Ergebnis einer Einzelfallprüfung. Daher könne in ähnlichen oder gleichartigen Fallkonstellationen durchaus ein strafrechtlich relevantes Verhalten erfüllt sein. Die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber Amts- und Mandatsträgern werde auch zukünftig bei zu treffenden Entscheidungen Berücksichtigung finden.

Bereits im Frühjahr hatte die Staatsanwaltschaft Dresden einen ähnlichen Fall nicht weiter verfolgt. Dabei ging es praktisch um das Original der jetzt zum Verkauf angebotenen Duplikate. Dessen Produzent hatte den Galgen 2015 auf einer Kundgebung der Pegida-Bewegung in die Höhe gehalten. Die Dresdner Staatsanwälte führten die gleichen Gründe für die Einstellung des Verfahrens an wie jetzt die Kollegen in Chemnitz.

Künast: Generalstaatsanwaltschaft soll Fall prüfen

Politiker fanden am Mittwoch dazu klare Worte. Sachsens designierter Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) verwies bei Twitter zwar auf die Unabhängigkeit der Justiz, stellte zugleich aber klar: "Auch wenn die Staatsanwaltschaft keine Strafbarkeit sieht, halte ich es nicht nur für geschmacklos, Galgen mit Namen von Personen zu verkaufen. Diese Grenzüberschreitung vergiftet das Klima in unserem Land."

Grünen-Politikerin Renate Künast forderte die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden auf, die Galgen-Entscheidung zu prüfen: "Staatsanwälte dürfen sich nicht durch abgrundtiefe Naivität zum Steigbügelhalter von Rechtsextremen machen lassen", sagte sie der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung (Donnerstag).

Auch die Initiative "Gesicht Zeigen!" befürchtet, dass die Entscheidung Nachahmer motiviert. "In Zeiten von hate speech und der Zunahme rechter Gewalttaten, des Mobbings gegen Geflüchtete und Andersdenkende ist das ein Fauxpas der deutschen Justiz", hieß es in einer Mitteilung der Organisation.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

StA stellt Ermittlungen ein: Verkäufer des "Merkel-Galgens" begeht keine Straftat. In: Legal Tribune Online, 06.12.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25881/ (abgerufen am: 15.12.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 06.12.2017 20:28, plumpaquatsch

    Ich zitiere mal Prof.Liesching aus dem beck-blog:
    "Das Wort "Kunst" ist in der gesamten Einstellungsverfügung nicht zu finden. Geschweige denn vertritt die Staatsanwaltschaft Chemnitz - wie von Sueddeutsche.de und anderen behauptet - als "zentrales Argument", dass die hergestellten Miniatur-Galgen "Kunst" seien. Es handelt sich um eine unwahre Tatsachenbehauptung, welche dem Grunde nach einen Anspruch auf Gegendarstellung gemäß § 56 RStV zur Folge hat."

    Sehr viel mehr ist dazu nicht zu sagen, abgesehen davon, dass das die Qualitätsjournaille der SZ nicht die Bohne interessieren wird.

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    • 07.12.2017 08:52, RA Würdinger

      Ach, die Süddeutsche Zeitung: Es steht schon seit Monaten in meinem Profil zu lesen, welche Geschichte ich zum Thema "Süddeutsche Zeitung" zu erzählen habe:

      "VIII. Der Heinz Grattler vom Bayern-Blatt
      Das ist eine Figur aus meinem Buchprojekt (siehe sogleich). Sie werden nie im Leben darauf kommen, wer aus dem richtigen Leben sich dahinter verbergen mag. Der reale Heinz Grattler schreibt jeden Tag im Bayern-Blatt irgendwas zu juristischen Themen. Denn der Heinz Grattler ist ja schließlich der Kronjurist des Bayern-Blatts. Allerdings kapriziert sich der reale Heinz Grattler mehr und mehr darauf, jeden Tag, aber auch wirklich jeden Tag, irgendwas zu schreiben, immer mehr mit dem Akzent auf "irgendwas". Aber das Publikum scheint schlichtweg begeistert zu sein. Es hört sich halt immer ganz großartig an, was der Heinz Grattler so schreibt. Dass kein Inhalt drin ist oder besser gesagt, dass der Inhalt so ein bisschen beliebig ist, merkt das begeisterte Publikum halt nicht so auf Anhieb. Es klingt halt immer so schön, was da im Bayern-Blatt steht und es tut auch garantiert niemandem wirklich weh. Ideales Zeitungs-Geplätscher also. Ich könnte mich z.B. auch nicht zusammen mit Heinz Grattler in irgendein Fernsehstudio setzen und über irgendwas parlieren, ganz einfach weil ich nicht dafür garantieren könnte, allfällige Übelkeitsattacken jederzeit zuverlässig unter Kontrolle halten zu können. 

      Eine kleine Anekdote über Heinz Grattler, die sich erst neulich im Radio zugetragen hat, wollte ich Ihnen noch erzählen: Heinz Grattler war am 16. Mai 2017 der Gast in "Eins zu Eins. Der Talk" in Bayern 2. Läuft immer zwischen 16.00 Uhr und 17.00 Uhr. Heinz Grattler sagte über den Politiker XY, XY sei "blasiert und überheblich". Als ich das im Radio aus dem Munde von Heinz Grattler hörte, dachte ich mir, ach, das mit dem "blasiert und überheblich" passt eigentlich auch ganz gut als Beschreibung auf Heinz Grattler.  

      Das Bayern-Blatt - und manchmal sogar auch einen Artikel aus der Feder von Heinz Grattler - lese ich immer samstags zum Frühstück, das reicht dann aber auch. Besonders beliebt beim Publikum sind die wahnsinnig lustigen Wortspiel-Überschriften des Bayern-Blatts. Das "Buch Zwei" vom 14./15.1.2017 war z.B. überschrieben mit "Alles in Luther". Ist das nicht wahnsinnig lustig? Außerdem lese ich gern im Bayern-Blatt, was der "Rechercheverbund aus WDR, NDR und Bayern-Blatt" wieder ebenso Interessantes wie Neues herausgefunden hat. Und, das muss man dem Bayern-Blatt wirklich lassen, das Bayern-Blatt hat ein sagenhaftes Gespür für die wirklich grundlegenden gesellschaftlichen Fragestellungen. So hat das Bayern-Blatt z.B. seine Titelseite vom 3. Juni 2017 mit folgenden drei Themen aufgemacht: Erstens mit Helene Fischer, zweitens mit dem TSV 1860 München und drittens mit einem Schenkelklopfer über den Berliner Flughafen.

      Das Bayern-Blatt kennt meinen Fall. Ich habe das Bayern-Blatt zwei Jahre lang, von Anfang 2012 bis Anfang 2014, fortlaufend über die weitere Entwicklung meines Falles informiert. Als auch nach zwei Jahren nicht die kleinste Veröffentlichung im Bayern-Blatt zu sehen war, verklagte ich das Bayern-Blatt auf Rückgabe meiner dort eingereichten Unterlagen. Es stellte sich heraus, dass das Bayern-Blatt die Unterlagen zu meinem Fall zwei Jahre lang brav gesammelt und aufbewahrt hatte. Indes verweigerte das Bayern-Blatt die Herausgabe meiner Unterlagen. Stattdessen stellte mich das Bayern-Blatt lieber als lästigen Querulanten hin. Das Amtsgericht München wies schließlich mit Urteil vom 22.7.2014 meine Herausgabeklage gegen das Bayern-Blatt ab (Az. 274 C 9708/14).  ​... Zuletzt habe ich die Figur des Hubert Halbhirn, seines Zeichens bekannter und beliebter Gerichtsreporter des Bayern-Blatts, in das Manuskript eingebaut. Im übrigen habe ich mit dem real existierenden Hubert Halbhirn vom Bayern-Blatt erst neulich wieder in einer anderen brisanten juristischen Angelegenheit äußerst angeregt, allerdings auch etwas kontrovers, korrespondiert. Hubert Halbhirn imponierte mir dabei insbesondere durch seine Mischung aus Feigheit und Ignoranz. Er passt wirklich ganz hervorrragend zum Bayern-Blatt."   

    • 07.12.2017 09:24, RA Würdinger

      Bei der Diskussion auf beck-blog geht es um den eigentlichen Skandal, nämlich um die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung, der Link:
      https://community.beck.de/2017/12/06/justiz-erlaubt-verkauf-von-merkel-galgen-weil-galgen-kunst-seien-wirklich

  • 06.12.2017 20:32, grün-rotes Gender Gift

    Frau Künast!

    Wie wäre es wenn Sie sich erst mal von ihresgleichen, die Parolen wie "Deutschland verrecke" oder "Deutschland Du Stück Scheiße" und "Wir lieben Volkstod" propagieren, verabschieden?

    Ach, und wie war das mit dem Kindersex und der Abschaffung vom Strafrecht?
    Alles für das Wohl des rot-grünen Genderwahnsinns auf Kosten des Volkes?
    Strafen für die Sklaven, Absolution für die Bessermenschen?

    „Renate Künast hat offensichtlich, wie nahezu die gesamte grüne Partei, damals die fatale Unterscheidung von einvernehmlicher Sexualität mit Kindern und Sexualität, bei der Gewalt eine Rolle spielt, gemacht. Diese Unterscheidung wirkte wie eine Beruhigungspille und hinderte uns daran, unsere Positionen zu hinterfragen.“

    Laut Bettina Jarasch, siehe hier:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article141406874/Gruenen-Politikerin-Kuenast-geraet-in-Erklaerungsnot.html

    Aber Grüne fast Frau hatten ja schon immer was für animalische Fremdkulturen oder zu mindesten für nicht-deutschen Lebensstil mit Axthieben, Türkischsprechen und Silvesteranfassen auch im jüngeren Altar über....

    Einfach mal googeln...

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    • 06.12.2017 21:41, Ui

      Sie vermischen einfach alles was Ihnen nicht passt und projezieren das auf Frau Künast. Ziemlich begrenzter Horizont. Außerdem geht es hier wenig darum. Nehmen Sie Mal eine Beruhigungspille.

      Letztlich ist die Aussage von Künast dennoch verfehlt : Die StA sieht keinen Anhaltspunkt für einen Strafttatbestand und Ende Gelände. Es ist wünschenswert, wenn das Strafrecht eben als ultima ratio gesehen wird.
      Es gäbe natürlich zivilrechtliche Ansprüche gegen diesen Mann. Aber als Politiker wertet man solche Personen mit sowas nur auf.

    • 06.12.2017 22:31, grün-rotes Gender Gift

      @ui,

      Solche wie Sie und andere grün-rote projizieren ihre einsame-verlorene Kindheit und daraus resultierenden menschlichen Mängel auf das Volk, von dem sie doch leben und zerstören es dabei.

      Was Sie anrichten ist ihnen egal.
      Sie glauben das es für ihre Lebenspanne schon noch einen Wirt für ihr parasitenhaftes Leben geben wird.
      Nach ihnen die Sintflut, denn Nachwuchs können und wollen sie nicht zeugen dazu sind sie viel zu egozentrisch.

      Nun, den wirklichen Herren gefällt es, darum lassen sie Sie gewähren bis "es zu spät ist" und dann machen sie einfach weiter.

      Ziel der "Vereinigte Bonzen Staat von Europa".
      Entdemokratisieren, volksbefreit. Nur Machtmenschen mit genügen Kapital und ohne Skrupel, dafür mit genügend Homunculi jederzeit, für jeden Zweck zur freien Verwendung.

      Ach noch etwas, Bessermenschen sind auch nicht vorgesehen. Die müffeln so penetrant nach bornierter Dummheit, gut das sie sich nicht in freier Wildbahn vermehren.
      Von der Nachzucht im Reagenzglas werden sie ausgeschlossen, da nur zur Volkszerstörung geeignet und das gibt es ja bekanntlich dann nicht mehr...

  • 06.12.2017 21:28, @genderangsthase

    Und auch hier beweist er wir flach die Pfütze der mangelnden Erkenntnis sein kann...

    @topic: Hatte aus Chemnitz (tiefster Osten) jemand wirklich mehr Qualität erwartet? Ich nicht.

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    • 06.12.2017 22:53, grün-rotes Gender+Gift

      He @genderangsthase,

      sind wir heute mal wieder rassistisch?

      Aber das geht schon, oder?
      Sind ja nur die Kartoffeln aus der Köterrasse, das Pack aus Dunkeldeutschland und die mit den Eltern und Großeltern, alles Nazis oder?
      Da geht das schon, das Pack kann ruhig merken das Du noch Kohle brauchst?

      Wenn Du dann demnächst die Dhimma Steuer zahlst und die Scharia am eigenen Leibe spürst wirst Du Dich nach der Köterrasse sehnen.

      Kleiner Ausblick in Deine Zukunft, wenn es nach dir geht:
      http://www.zeit.de/2014/32/christen-verteibung-irak-tradition

      Oder bist Du am Ende schon beschnitten, als Ausdruck der Verbindung zum allein seligmachenden Allah?
      Also so ein bischen Taqiyya: Krieg, Frieden und Täuschung im Islam nach dem Motto:
      "Laß uns ins Gesicht mancher Nicht-Muslime lächeln, währenddessen unsere Herzen sie verfluchen." nach Ibn Kathir.

      http://derprophet.info/inhalt/taqiyya-htm/

  • 06.12.2017 22:30, Kausalität

    "Diese Grenzüberschreitung vergiftet das Klima in unserem Land."

    Das ist mal wieder so typisch Politiker.
    Die Reaktion des Pöbels vergiftet die Kultur, nicht die Zustände welche durch die Politik(er) geschaffen wurden.

    Als nächstes fragen sie dann: "Hey Pöbel, wieso schlägst du dich selbst?:D"

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  • 07.12.2017 08:07, @topic

    Wenn das deutsche Volk nur aus den tumben Idioten bestünde, die sein Aussterben befürchten, wünschte man sich, ihre Sorge sei berechtigt.

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  • 07.12.2017 08:10, tüdelütütü

    Bei einer strafrechlichen Bewertung eines eventuellen Beleidigunsdeliktes soll für das Verständnis grundsätzlich die für den Äußernden günstigst mögliche inhaltliche Auslegung maßgeblich sein. Wenn also eine straffreie inhaltliche Auslegung möglich ist, soll grundsätzlich diese maßgeblich sein. Andererseits soll eine inhaltlich möglich straffrei zulässige Aussage grundsätzlich noch nach den Umständen der Form der Äußerung nach Beleidigung sein können.
    Ein Galgen mit Politikern kann inhaltlich grundsätzlich noch günstigst möglich eine straffrei zulässige Bedeutung zukommen, nur symbolisch politisch gemeint zu sein.
    Andererseits kann dies den Umständen der Form der Äußerung nach eine in der politischen Auseinandersetzung klar radikalisierend zuspitzende Herabwürdigung von Vertretern anderer politischer Überzeugung sein. In solcher klar radikalisierend zuspitzenden Herabwürdigung im Prozess politischer Auseiandersetzung kann der Form der Äußerung nach trotzdem noch ein Beleidigungsdelikt denkbar bleiben.
    Strafrelevante, politische Inhalte können weniger auseinandersetzend mit der Idee einer Ästhetik als Ideal im Sinne eines Grundrechtes auf Kunstfreiheit betreffen.
    Angesichts der übergroßen, kaum kontrollierbaren und einigermaßen einfach möglichen Zahl von Grenzüberscheitungen in politischen Auseinandersetzungen kann bei Annahme einer Beleidung jedenfalls allein der Form nach eine Strafverfahrenseinstellung gegen Auflagen, wie Geldbuße erwägbar bleiben.

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    • 07.12.2017 09:01, Bernd

      Für die Verfolgung als Beleidigung fehlt der erforderliche Strafantrag. Und zumindest bei Herrn G. ging die Eskalation erstmal von ihm aus, er muss sich daher auch eine heftigere Reaktion gefallen lassen.

    • 07.12.2017 10:58, Tüdelütütü

      Angegriffen können vertreter bestimmter organsisierter politischer Überzeugung als Gruppe sein. Entsprechende Kommentare von solcher Seite können darauf hindeuten, dass ein Antragserfordernis hier kein dauerhaft unüberwindbares Hindernis sein muss.
      Ein Verdacht, die Justiz könne manchmal dazu neigen, auf dem rechtem Auge eher mal ein wenig nachsichtig blind zu sein, muss nicht völlig aus der Luft gegriffen erscheinen.

    • 07.12.2017 11:12, Tüdelütütü

      Wer ein Strafgesetzt verwirklicht, überschreitet grundsätzlich eine einen Kausalitätszusammenhang unterbrechende Grenze. In der Regel kann sich derjenige nicht auf Mitverschulden des Opfers berufen. Es sei denn, in dem Opferverhalten scheint etwa eine Straftat bei natürlichem Fortgang bereits angelgt o.ä. Dass im Wirken von Herrn G. bei natürlichem Fortgang ohne Hinzutreten anderer bereits eine Beleidigung von ihm selbst durch ihn selbst angelegt wäre, kann wenig begündbar scheinen.

  • 07.12.2017 08:38, M.D.

    Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, es fehlt die Prüfung des § 130a Abs. 2 Nr. 2 StGB.

    § 130a Anleitung zu Straftaten
    (1) Wer eine Schrift (§ 11 Abs. 3), die geeignet ist, als Anleitung zu einer in § 126 Abs. 1 genannten rechtswidrigen Tat zu dienen, und nach ihrem Inhalt bestimmt ist, die Bereitschaft anderer zu fördern oder zu wecken, eine solche Tat zu begehen, verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
    (2) Ebenso wird bestraft, wer
    2. öffentlich oder in einer Versammlung zu einer in § 126 Abs. 1 genannten rechtswidrigen Tat eine Anleitung gibt, um die Bereitschaft anderer zu fördern oder zu wecken, eine solche Tat zu begehen.

    Einen "Merkel-Galgen" zu zeigen, stellt eine Anleitung dar, wie man Frau Merkel umbringen kann. So etwas zeigt man auf einer Demo auch nicht einfach so aus einen sonderbaren Verständnis von Spaß, sondern, weil man andere auf die Idee bringen möchte. Offensichtlicher - im wahrsten Sinne des Wortes - geht es kaum.

    Beim objektiven Tatbestand gibt es überhaupt keine Probleme. Beim subjektiven Tatbestand könnte ein Verteidiger natürlich wundervolle Schutzbehauptungen vorbringen, was damit alles harmloses beabsichtigt war, aber dafür gibt es die richterliche Beweiswürdigung. Der Vorsitzende steht am Ende auf und verkündet das Urteil mit vollem Brustton der Überzeugung "Ich habe keine Zweifel, dass....." und fertig. Revision (-), weil Beweiswürdigung die ureigenste Aufgabe des Tatgerichts ist.

    Einzig problematisch, wie auch schon vorher erwähnt, ist die Geschichte mit der Kunst. Die mit der 1848/49-Revolution geforderte Pressefreiheit gibt dem politischen Gegner die Möglichkeit, offen in Zeitungsartikeln Kritik zu üben. Die Kunstfreiheit deckt die entsprechenden politischen Zeichnungen ab. Dies forderte man, weil man sich noch an die Karlsbader Beschlüsse von 1819 erinnerte, einer systematischen Zensur in Deutschland. So war das zumindest ursprünglich mal gemeint. Dass damit auch Aktionismus, bis hin zum verdreckten Aufruf zu Lynchmorden, gemeint ist, dürfte zumindest nach der historischen Auslegung sehr fraglich sein. Gut, die Zeiten ändern sich und darüber könnte man sicherlich promovieren, vielleicht sogar habilitieren, wenn man noch weitere 300 Seiten mit Fußnoten anfügt.

    Der Fall Böhmermann stellt übrigens insoweit einen Sonderfall dar, weil er faktisch unter die mittelalterliche Narrenfreiheit fällt. Der Hofnarr durfte Sachen sagen, für denen anderen der Prozess gemacht wurde. Das war sein Privileg.

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    • 07.12.2017 09:15, M.D.

      "verdreckt" sollte natürlich "verdeckt" heißen. Freud lässt grüßen.

  • 11.12.2017 10:53, @topic

    Fischer hat gestern in der Zeit alles zu dem Thema erklärt, was man wissen muss und wovor man sich nicht verschließen kann. Die StA hat keine Ahnung und der Galgenbauer gehört bestraft. Nicht ganz so martialisch, wie in seinem geschnitzten Beispiel vielleicht. Weil eben auch Deppen gegenüber der Rechtsstaat gilt.

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    • 11.12.2017 12:58, Lüge ist+Wahrheit

      Der Fischer dessen Geburt wir zum 2017 mal bald wieder feiern ist doch sicherlich nicht gemeint oder?

      Oder was zeichnet diesen von Ihnen genannten Fischer, vor allen anderen Menschen aus, das sie ihm als Jünger folgen?

      Wächst ihm Gras aus den Ohren oder kann er über Wasser gehen?

      Ach ich hab's, er hat für Sie die richtige Gesinnung!
      Er nimmt ihnen das Denken ab!
      Ach sie Armer!

      Hat der Alte aus Königsberg immer noch Recht:

      "Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperrten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen droht, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeinhin von allen ferneren Versuchen ab."

      Zur Vertiefung des Zitats: http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3505/1

    • 12.12.2017 19:52, @Lügner

      Und ein weiterer armseliger Versuch, sich am Diskurs zu beteiligen. Der natürlich scheitert. Wie immer. Ist es Dir eigentlich nicht peinlich, diese Grütze zu tippen? Kannst Du nicht was sinnvolles mit Deiner Zeit anfangen? Auf der Autobahn spielen? Blumendünger trinken? Mal Ausprobieren wie Crystal Meth wirkt? AfD wählen?

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