Berufungsgericht zu Fußballskandal um Luis Rubiales: Unge­wollter Kuss war sexu­elle Agres­sion

26.06.2025

Im spanischen Kussskandal war Ex-Fußballchef Rubiales zu einer Geldstrafe und einem Kontaktverbot zur Spielerin Hermoso verurteilt worden. Das Berufungsgericht bestätigt: Der ungewollte Kuss war eine sexuelle Aggression.

Der frühere Präsident des spanischen Fußballverbandes RFEF, Luis Rubiales, ist mit seiner Berufung gegen die Verurteilung im Kussskandal gescheitert. Der Staatsgerichtshof in Madrid entschied, dass der Kuss, den Rubiales 2023 der Spielerin Jennifer Hermoso ohne deren Einverständnis auf den Mund gab, als sexueller Übergriff zu bewerten ist. Das Berufungsgericht bestätigte damit die im Februar verhängte Geldstrafe von rund 10.800 Euro sowie ein einjähriges Kontaktverbot gegenüber Hermoso. Laut Angaben seiner Verteidigung plant Rubiales, auch gegen diese Entscheidung weitere Rechtsmittel einzulegen, berichtete die spanische Sportzeitung "AS".

Der Vorfall ereignete sich am 20. August 2023 während der Siegerehrung nach dem WM-Triumph der spanischen Nationalmannschaft in Sydney. Rubiales hatte Hermoso im Moment der Gratulation auf den Mund geküsst, ohne deren Zustimmung. Die Spielerin betonte später, dass sie mit dem Kuss nicht einverstanden gewesen sei.

Rubiales hatte im Verfahren argumentiert, der Kuss sei Ausdruck spontaner Freude gewesen und habe keine sexuelle Absicht verfolgt. Die Richter machten jedoch deutlich, dass für den Tatbestand der "sexuellen Aggression" keine libidinöse Absicht erforderlich ist – entscheidend sei das Fehlen eines klaren Einverständnisses.

Das Gericht stellte zudem fest, dass Rubiales keine andere Spielerin auf ähnliche Weise begrüßt hatte, was auf einen persönlichen Kontext des Kusses schließen lasse. Auch die unmittelbare Reaktion Hermosos und Aussagen ihrer Teamkolleginnen unterstrichen, dass keine Zustimmung vorlag.

Heftiger Kritik folgten Rücktritt und Sperre

Das Berufungsgericht bestätigte die Einschätzung der Vorinstanz, dass es sich um eine "abgeschwächte Form" sexueller Aggression handelte. Dieses vergleichsweise milde Urteil vom Februar hatte zuvor scharfe Kritik von Frauenrechtlerinnen, Politikern und Medien hervorgerufen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren gefordert. Das Gericht begründete die Entscheidung als differenzierte Anwendung des Strafrechts, die der tatsächlichen Tragweite des Vorfalls entspreche.

Rubiales war im September 2023 vor dem Hintergrund der öffentlichen und juristischen Reaktionen von seinem Amt zurückgetreten. Die FIFA verhängte eine dreijährige Sperre gegen ihn.

dpa/xp/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Berufungsgericht zu Fußballskandal um Luis Rubiales: . In: Legal Tribune Online, 26.06.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/57507 (abgerufen am: 11.02.2026 )

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