Wechsel an der Spitze: Sinan Selen soll Ver­fas­sungs­schutz-Prä­si­dent werden

15.09.2025

Der bisherige Vizepräsident Sinan Selen übernimmt das Ruder beim Verfassungsschutz. Bundesinnenminister Dobrindt hat sich für den Kandidaten entschieden, der schon seit Monaten als Nachfolger von Haldenwang gehandelt wurde.

Sinan Selen, bislang Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), soll künftig an der Spitze des Inlandsnachrichtendienstes stehen. Das hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) entschieden. Der Posten gehört zu jenen Spitzenämtern, über deren Besetzung Union und SPD im Vorfeld enger abstimmen wollten – vakant war er bereits seit Herbst des vergangenen Jahres. Die Personalie soll voraussichtlich in der nächsten Kabinettssitzung beschlossen werden. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Seit 2019 ist Selen Vizepräsident des Verfassungsschutzes, seit November 2024 leitet der 53-jährige die Behörde kommissarisch gemeinsam mit seiner Kollegin Silke Willems.

Die Nachfolgefrage war aufgekommen, nachdem Selens Vorgänger Thomas Haldenwang im November überraschend angekündigt hatte, bei der Bundestagswahl für die CDU kandidieren zu wollen. Dessen Versuch, ins Parlament einzuziehen, verlief letztlich aber erfolglos.

Seit mehr als 20 Jahren im Sicherheitsapparat tätig

Mit Selen übernimmt nun ein erfahrener Sicherheitsexperte die Leitung des Verfassungsschutzes, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten in verschiedenen Behörden zentrale Aufgaben in der Sicherheitsarchitektur Deutschlands verantwortet hat. Geboren 1972 in Istanbul, studierte er Rechtswissenschaften mit dem Schwerpunkt Innen- und Justizpolitik in Europa/Europarecht an der Universität Köln und sammelte anschließend umfangreiche Erfahrungen unter anderem im Bundeskriminalamt und im Bundesinnenministerium. 

Ab 2000 war er im Bundeskriminalamt tätig, wo er sich unter anderem mit polizeilichem Staatsschutz und Personenschutz befasste. Später arbeitete er im Bundespolizeipräsidium, bevor er in der Abteilung Öffentliche Sicherheit des Innenministeriums zentrale Fragen der Terrorismusbekämpfung übernahm. Zwischen 2016 und 2019 wechselte er kurz in die Privatwirtschaft und baute beim Reisekonzern TUI eine konzernweite Sicherheitsstruktur auf. Mit seiner Ernennung wäre Selen der erste Präsident des BfV, der nicht in Deutschland geboren wurde.

Breite Zustimmung in der Politik

Laut Berichten des Handelsblatts stößt die Entscheidung auf breite Zustimmung. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter nannte Selen eine hervorragende Wahl: Er bringe sowohl tiefgehende Expertise als auch die nötige Erfahrung für die Leitung der Behörde mit. Auch SPD-Mann Ralf Stegner äußerte sich gegenüber dem Handelsblatt: Sollte die Meldung zutreffen, sei dies ohne Zweifel eine Personalentscheidung, die eine qualifizierte Persönlichkeit an die Spitze des Verfassungsschutzes bringe. Gerade in Zeiten wachsender Bedrohungen für die Demokratie sei dies besonders wichtig. 

Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums der Nachrichtendienste und Grünen-Politiker, betonte, Selen verfüge über viel Kompetenz und Erfahrung. Er freue sich, dass die Verantwortung für den Verfassungsschutz nun in sicherheitspolitisch schwierigen Zeiten in seine Hände gelegt werde.

Nach Informationen des Handelsblatts will Innenminister Dobrindt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BfV bereits an diesem Montag über die Personalentscheidung informieren.

dpa/xp/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Wechsel an der Spitze: . In: Legal Tribune Online, 15.09.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58143 (abgerufen am: 21.01.2026 )

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