Druckversion
Samstag, 5.09.2026, 17:14 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/ruehe-kommission-abschlussbericht-nato-buendnis-parlament
Fenster schließen
Artikel drucken
15885

Rühe-Kommission legt Abschlussbericht vor: Bundes­tag gibt weiter Marsch­befehle

16.06.2015

Soldaten im Auslandseinsatz

© dougg - Fotolia.com

Sie zählen zu den folgenschwersten Entscheidungen des Bundestags: die Abstimmungen über Auslandseinsätze der Bundeswehr. Der Umweg über das nationale Parlament ist in der Nato umstritten.

Anzeige

Ob nach Afghanistan, Mali oder in den Irak: Der Bundestag hat in den vergangenen 20 Jahren Zehntausende Soldaten in bewaffnete Auslandseinsätze geschickt. Oft wurde heftig darüber gestritten, 2001 stellte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sogar die Vertrauensfrage, um einen Einsatz durchzusetzen. Am Ende sagte das Parlament aber immer Ja. 140 Mal entschieden die Abgeordneten über Auslandseinsätze. 140 Mal stimmte sie zu - oft mit großer Mehrheit.

Das deutsche System der Parlamentsbeteiligung ist bei den Bündnispartnern allerdings umstritten. Das liegt vor allem daran, dass der Bundestag in der Lage ist, ganze Nato- oder EU-Einsätze zu behindern oder sogar zu blockieren. Die Bundeswehr stellt 15 Prozent der 7.000 Dienstposten in den Nato-Kommandostrukturen. Ein Rückruf der Soldaten könnte kaum kompensiert werden.

Noch deutlicher wird das Problem bei den Nato-Aufklärungsflugzeugen vom Typ Awacs. Deutschland ist an den Besatzungen zu einem Drittel beteiligt. Wenn die Bundeswehrsoldaten abgezogen werden, sind längere Awacs-Einsätze kaum möglich. Da die Kooperation zwischen Nato-Partnern in Zeiten knapper Kassen und wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen zunimmt, wird auch das deutsche Zustimmungsverfahren zunehmend skeptisch betrachtet. 14 Monate lang befasste sich deswegen eine Bundestags-Kommission unter Leitung des früheren Verteidigungsministers Volker Rühe (CDU) mit dem Thema.

Die große Reform wird es nicht geben

Jetzt liegt das Ergebnis vor. Die Experten schlagen eine kleine Lösung vor: Das sogenannte Parlamentsbeteiligungsgesetz wird nachjustiert, eine große Reform gibt es aber nicht. Der Kernpunkt des Berichts: Vorratsbeschlüsse, wie sie aus den Reihen der Union gefordert wurden, wird es weiterhin nicht geben. Mit der SPD war das nicht zu machen.

Der Unions-Vorschlag betraf die Awacs-Problematik. Zwei Mal scherte Deutschland aus Einsätzen der Aufklärungsflugzeuge aus: Anfang 2011, als die Nato die Flieger nach Afghanistan schickte, und wenige Monate später, als das Bündnis mit Luftangriffen in den libyschen Bürgerkrieg eingriff. In beiden Fällen war das aber eine Entscheidung der schwarz-gelben Regierung. Der Bundestag war gar nicht daran beteiligt - weil es ja nicht um eine Entsendung ging. Er hätte noch nicht einmal sagen
können: Wir wollen das jetzt anders entscheiden.

Eine Ergänzung des Gesetzes empfiehlt die Kommission allerdings für die Hauptquartiere und Stäbe der Nato. Die Entsendung von Nato-Führungspersonal soll nicht als Auslandseinsatz betrachtet werden - es sei denn, das Hauptquartier befindet sich mitten im Krisengebiet.

Parlament soll Informationen bekommen

An mehreren Stellen sollen die Parlamentsrechte sogar gestärkt werden. Einmal im Jahr soll die Regierung über die sogenannten "Verbundfähigkeiten" informiert werden. Das sind beispielsweise die Waffensysteme, die sich Bündnispartner teilen. Außerdem soll das Parlament künftig die zuständigen Ausschüsse über die Einsätze der Spezialkräfte unterrichten.

Ab September soll sich der Bundestag mit den Vorschlägen befassen. Rühe warb für einen breiten Konsens. "Das ist genauso wichtig wie gute Gewehre, wie funktionierende Panzer und Hubschrauber", sagte er.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Rühe-Kommission legt Abschlussbericht vor: . In: Legal Tribune Online, 16.06.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15885 (abgerufen am: 05.09.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Staatsrecht und Staatsorganisationsrecht
    • Bundeswehr
    • NATO
    • Parlament
Ein Mann schießt auf einem Schießplatz auf sein Ziel. 03.09.2026
Straftaten

LG Schwerin zum sächsischen "Munitionsskandal":

Schieß­platz­be­sitzer muss fast 6.000 Euro Strafe zahlen

Ein Schießplatzbetreiber nahm 7.000 Schuss Dienstmunition als Bezahlung für Schießtrainings an. Dafür hat ihn das LG Schwerin jetzt wegen Anstiftung zur veruntreuenden Unterschlagung und Bestechung verurteilt.

Artikel lesen
Eine Person auf unebenem Terrain fasst sich an den Fuß. 31.08.2026
Dienstrecht

VG Aachen auf Klage eines Bundeswehr-Bediensteten:

Fuß­sch­merzen nach Zwölf-Kilo­meter-Marsch sind kein Dien­st­un­fall

Zwölf Kilometer Marsch, 15 Kilogramm Gepäck und anschließend Schmerzen im Fuß: Die stellen nach dem VG Aachen keinen Dienstunfall dar. Das Gericht sah die Ursache in einer bestehenden Vorschädigung.

Artikel lesen
Ein Soldat mit Deutschlandflagge auf seinem Tarnanzug schaut in die Ferne 28.08.2026
Bundeswehr

BVerwG erkennt Ex-Soldaten das Ruhegehalt ab:

Befehle ver­wei­gert, Vor­ge­setzten geschlagen, Cry­stal Meth gekauft

Auf einer Kompaniefeier eskalierte es vollends, auch nach seiner Suspendierung schlug ein Ex-Soldat krass über die Stränge. In der Gesamtschau reiche eine Degradierung nicht mehr aus, entschied das BVerwG und strich dem Mann das Ruhegehalt.

Artikel lesen
Soldat der Bundeswehr in Nahaufnahme (Symbolbild) 10.08.2026
Antisemitismus

BVerwG verneint Verfassungstreue:

Vor­zei­ge­soldat zurecht aus der Bun­des­wehr geworfen

Er galt als "unangefochtene Nummer eins" und trug das Ehrenkreuz in Silber. Doch wegen Holocaust-Verharmlosung sowie rassistischen und antisemitischen Äußerungen muss ein Soldat die Bundeswehr verlassen, bestätigte nun das BVerwG.

Artikel lesen
Eine Drohne vom Typ Falke A1 Argus Interceptor der Heimatschutzdivision der Bundeswehr, fliegt am Himmel. Im Vordergrund steht ein Bundeswehrsoldat. 10.08.2026
Drohnen

Nach Vorfall am Leipziger Flughafen:

Wer ver­tei­digt Deut­sch­land gegen Drohnen?

Wer ist zuständig? Wer hat überhaupt die technischen Fähigkeiten? Und sollte die Bundeswehr im Inneren mehr unterstützen dürfen? Die kontroverse Debatte um die Luftverteidigung ist trotz neuer Regelungen wieder in vollem Gange. Der Überblick.

Artikel lesen
Einsatzkräfte der Polizei durchsuchen das Gelände abseits der Landebahn Nord auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle, 06.08.2026
Völkerrecht

Bewaffneter Angriff am Leipziger Flughafen?:

Wie Deut­sch­land auf den Droh­nen­vor­fall rea­gieren kann

Am Flughafen Leipzig wird eine sprengstoffgeladene Drohne gefunden. Ein bewaffneter Angriff ist das nicht. Dennoch geben Völkerrecht und Grundgesetz der Bundesregierung Reaktionsmöglichkeiten an die Hand, analysiert Patrick Heinemann.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen
Rich­ter/Rich­te­rin (m/w/d) in der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit des Lan­des...

Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Müns­ter

Logo von Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern
Ju­nior / Mid-Le­vel As­so­cia­tes (m/w/d) | Kar­tell­recht | Düs­sel­dorf

Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern, Düs­sel­dorf

Logo von Becker Büttner Held
Rechts­an­walt (m/w/d) für En­er­gie­steu­ern, Emis­si­ons­han­del und...

Becker Büttner Held, Ham­burg

Logo von Paul-Ehrlich-Institut
Voll­ju­ris­tin / Voll­ju­ris­ten (m/w/d)

Paul-Ehrlich-Institut, Lan­gen

Logo von Becker Büttner Held
Wirt­schafts- bzw. Di­p­lom­ju­rist (m/w/d)

Becker Büttner Held, Ham­burg

Logo von Redeker Sellner Dahs
Rechts­an­wäl­tin / Rechts­an­walt im Ar­beits­recht (m/w/d) – Stand­ort...

Redeker Sellner Dahs, Bonn

Logo von Noerr
(Se­nior) As­so­cia­te In­tel­lec­tual Pro­per­ty (w/m/d)

Noerr, Mün­chen

Logo von GvW Graf von Westphalen
Re­fe­ren­da­riat - Kar­tell- und Wett­be­werbs­recht

GvW Graf von Westphalen, Düs­sel­dorf

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von KIRKLAND & ELLIS
Restructuring Workshop 2026 - Kirkland & Ellis

23.10.2026, München

KI-gestütztes Kanzleimarketing–so gewinnen Sie über KI-Suchergebnisse von Google lukrative Mandate

07.09.2026

Logo von Noerr
Wiesn Special 2026

28.09.2026, München

Sozialrecht und Familienrecht: die familienrechtliche Praxis – Bürgergeld besser verstehen

07.09.2026

RVG 2026: Abrechnung in Verkehrssachen – Gebührenpotentiale nutzen!

07.09.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH