OVG verbietet Vergnügungsstätte in Gewerbegebiet: Lasertag kein Sport, son­dern nur ein Spiel

17.10.2016

Eine Lasertag-Anlage ist in einem Gewerbegebiet nicht zulässig, entschied das OVG Rheinland-Pfalz. Es handle sich dabei nämlich um eine Vergnügungsstätte und keine Anlage für sportliche Zwecke.

 

Lasertag-Anlagen sind Vergnügungsstätten und keine Anlagen für sportliche Zwecke, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Rheinland-Pfalz in Koblenz in einem am Montag veröffentlichten Urteil. Sie seien damit in einem Gewerbegebiet nicht zulässig (Urt. v. 28.09.2016, Az. 8 A 10338/16.OVG).

Geklagt hatte eine Frau, die in einem Gewerbegebiet eine ehemalige Lagerhalle als "Sportanlage für Lasertag und Fitness" betreiben möchte. Sie beantragte die baurechtliche Genehmigung der Nutzungsänderung und vertrat die Auffassung, bei Lasertag-Anlagen handele es sich um Einrichtungen für sportliche Zwecke, die in einem Gewerbegebiet allgemein zulässig seien. Lasertag ist ein Spiel, bei dem mehrere Spieler versuchen, mit einem Infrarotsignalgeber ("Phaser") andere Mitspieler zu treffen, um so Punkte zu sammeln.

OVG: Unterhaltung steht im Vordergrund

Das OVG folgte jedoch der Ansicht der Vorinstanz und wies die Berufung der Klägerin zurück, die Richter ordneten die Anlage als Vergnügungsstätte ein. Selbst wenn je nach Ausgestaltung des Spiels und individuellem Engagement das Lasertag-Spiel mit schnellen Bewegungen und körperlicher Anstrengung verbunden sein könne, stehe die Unterhaltung im Vordergrund.

Bei der Indoor-Variante finde das Spiel in einer Phantasiekulisse statt, zu der die Abdunklung des Raumes und der Einsatz von Lichteffekten beitrügen. Es werde eine virtuelle Atmosphäre geschaffen, so das OVG - und diese sei auch maßgeblich für den Spieleindruck. Die Ausgestaltung erinnere an ein Computerspiel mit der Besonderheit, dass sich der Spieler selbst auf der Spielfläche bewege.

Bei der geplanten Anlage handle es sich um eine kerngebietstypische Vergnügungsstätte, nach Ansicht der Richter soll sie daher für ein größeres und allgemeines Publikum erreichbar sein. In der Nähe des geplanten Standortes im Gewerbegebiet befinde sich allerdings nur in geringem Umfang Wohnbebauung, weshalb die Lasertag-Anlage letzten Endes nur in einem Kerngebiet allgemein zulässig sei.

nas/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

OVG verbietet Vergnügungsstätte in Gewerbegebiet: Lasertag kein Sport, sondern nur ein Spiel. In: Legal Tribune Online, 17.10.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/20882/ (abgerufen am: 24.11.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 17.10.2016 16:33, Horst Meerhofer

    Ohje. Richter, die sich nicht ansatzweise mit Lasertag beschäftigt haben, fällen ein Urteil.

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  • 17.10.2016 17:34, Links

    Das Reservoir linksgerichteter Richter scheint unerschöpflich zu sein...

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    • 18.10.2016 00:16, Julian

      *rechtsgerichteter

    • 18.10.2016 14:02, Reibert

      *verblödeter

  • 18.10.2016 08:28, oh wunder

    Es gibt nun also einen baurechtlichen Sportbegriff: Sport ist eine körperliche Aktivität, die kein Vergnügen bereitet.
    Smiley!

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    • 18.10.2016 13:45, Jemand_NRW

      Wohl wahr.

      "Selbst wenn je nach Ausgestaltung des Spiels und individuellem Engagement das Lasertag-Spiel mit schnellen Bewegungen und körperlicher Anstrengung verbunden sein könne, stehe die Unterhaltung im Vordergrund."

      Nach der Definition betreibe ich auch keinen Sport, wenn ich zum Tennis gehe - das tue ich nämlich, weil für mich der Spaß, die Unterhaltung im Vordergrund steht.

  • 18.10.2016 10:09, Ex_Referendar

    Also ich bin links, Lasertag macht mir trotzdem Spaß, Sport hingegen nicht. Als Sport im eigentlichen Sinne würde ich Lasertag tatsächlich nicht einordnen. Aber wo ist das Problem? Als ob ein bisschen Vergnügen im Gewerbegebiet stört?! Im Kerngebiet wird sich wohl kaum eine geeignete Halle finden lassen, in der man eine solche Arena errichten könnte, ohne dass die Preise miethöhenbedingt einfach viel zu hoch sind.

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    • 18.10.2016 10:58, oh wunder

      Tatsächlich stellt sich auch bei Einordnung als Vergnügungsstätte die Frage, ob die Nutzungsänderung ausnahmsweise zulässig ist. Laut Pressemitteilung soll die "im Bebauungsplan vorgesehene Ausnahme für nicht kerngebietstypische Vergnügungsstätten keine Anwendung finde[n]". Ist § 8 Abs. 3 Nr. 3 BauNVO wirklich so auszulegen, dass nur "kerngebietsuntypische" Vergnügungsstätten zugelassen werden können oder wurde in dem Fall eine von der BauNVO abweichende Regelung getroffen (was die Frage nach ihrer Wirksamkeit aufwirft)?

  • 18.10.2016 20:52, Rüdiger

    Ich betreibe selbst eine kleine Halle in der ich Lasertag anbiete. Es ist sehr bedauerlich, dass das Urteil so ausgefallen ist. Meiner Meinung nach macht dieser Auszug hier überhaupt keinen Sinn: "Selbst wenn je nach Ausgestaltung des Spiels und individuellem Engagement das Lasertag-Spiel mit schnellen Bewegungen und körperlicher Anstrengung verbunden sein könne, stehe die Unterhaltung im Vordergrund." Nehmen wir Fußball, hier werden die Spieler, anhand eines Balls motiviert zu rennen und sich körperlich anzustrengen. Beim Lasertag ist es eben, die Laserwaffe in der Hand, welche die Spieler motiviert zu rennen und sich körperlich anzustrengen. Das oben Zitierte ist für mich keine legitime Begründung. Die Hallenmieten für Lasertag sind teuer vor allem, wenn sie im Kerngebiet stehen. Die teure Miete kann man den Kunden auch nicht unbedingt 1:1 weitergeben, weil Lasertag an für sich schon teuer ist. Selbst, wenn man bezahlbare Räumlichkeiten findet, heißt das noch lange nicht, dass sie für Lasertag geeignet sind. In Industrie- und Gewerbegebieten sind eben häufiger bezahlbare Räumlichkeiten anzutreffen. Bei <a href="https://online-games-4-free.com/">online games</a> habe ich einen interessanten Artikel gelesen zu Lasertag und VR Brillen. Kurzum, es geht um die Möglichkeit Lasertag(waffen) durch VR Brillen als Alternative zu ersetzen. Für mich ist die Idee ganz interessant und für die Frau aus dem Bericht hier könnte es auch ein Lichtblick sein. Die VR (Virtuelle Realitäts) Brillen wurden vor Kurzem von Sony präsentiert. Ein Videospiel wird auf einer Brille abgespielt und bietet dem Spieler einen 360° Spielerlebnis. Diese VR Brillen könnte ich mir in ein paar Jahren, auch gut ergänzend oder als alternative zum herkömmlichen Lasertag vorstellen. Bis dahin gibt es bestimmt auch noch weitere Rechtssprechungen zu dem Thema, die eventuell günstiger für die Frau und unsere Branche ausfallen.

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