OLG Hamm zu vom Baum erschlagenem Radfahrer: Land soll Witwe 70.000 Euro zahlen

22.06.2018

Das OLG Hamm hat im Streit zwischen einer Witwe und dem Land NRW einen Vergleich vorgeschlagen. Weil ihr Mann beim Fahrradfahren von einem Baum erschlagen wurde, soll ihr das Land 70.000 Euro zahlen.

Vier Jahre nach dem Tod eines Radfahrers auf dem Wenne-Radweg im Sauerland soll das Land NRW laut einem Vergleichsvorschlag 70.000 Euro an die Witwe zahlen. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm stellte in einer Verhandlung am Freitag fest, dass der Landesbetrieb Straßen.NRW auf dem Fuß- und Radweg im Hochsauerlandkreis für die Sicherung des Weges verantwortlich ist.

Dafür sei aber die reine Beobachtung der Bäume zwischen Wennemen und Eslohe nicht ausreichend gewesen. Erst bei einer genaueren Kontrolle der rund 20 Kilometer langen Strecke hätte die umsturzgefährdete Eiche entdeckt werden können (Az. 11 U 101/17).

Im Juli 2014 war ein Radfahrer auf dem Weg von einem umknickenden Baum erschlagen worden. Die Erben des über 70 Jahre alten Mannes hatten das Land daraufhin unter anderem auf Schadensersatz und Schmerzensgeld für die Ehefrau des Verstorbenen verklagt. Das Gericht schlug nun den Vergleich über 70.000 Euro vor. Beide Seiten stimmten vorerst zu, können aber noch bis Ende Juli widerrufen. Dann müsste das OLG neu entscheiden, wie der Fall weiter verhandelt wird.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

OLG Hamm zu vom Baum erschlagenem Radfahrer: Land soll Witwe 70.000 Euro zahlen . In: Legal Tribune Online, 22.06.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/29335/ (abgerufen am: 21.07.2018 )

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Kommentare
  • 22.06.2018 16:46, M.D.

    Das ist wieder mal so ein Fall, bei dem es um die totale Sicherheit vor Naturereignissen geht. Im Mittelalter hätte man gesagt, der Herr hat ihn genommen, und einen Sündenbock geopfert. Heute bekommt die Witwe 70.000 €.

    Es war ein Freak-Ereignis, also kann man auch mal ein Auge zudrücken. Es wird sich vermutlich nicht so schnell wiederholen und letztlich geht es auch nur um Steuergelder. Mit Jura hat das nichts mehr zu tun, deshalb auch der Vergleich.

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    • 22.06.2018 20:25, N1

      ...haben Sie nach intensivem Studium der Akte entschieden. Ach nee, ist nur eine völlig substanzlose Pauschalbehauptung.

    • 23.06.2018 07:58, M.D.

      Diese Einschätzung stand natürlich unter dem Vorbehalt, dass sich aus der Akte keine weiteren erheblichen Details ergeben. Die Akte dürfte im Übrigen nicht sonderlich dick gewesen sein. Mann, tot, Baum, was noch? Ganz wichtig natürlich: Gutachten eines "Sachverständigen" für 3.000 € zu Erkennbarkeit.

      Bemerkenswert ist im Übrigen die Schadenshöhe. § 287 Abs. 1 ZPO?

    • 23.06.2018 10:12, M.D.

      Mal was zum eigentlichen Hintergrund einer solchen Lösung. Nach dem Tod ihres Ehemannes ging die Frau offensichtlich zu einem Anwalt. Das Ergebnis war, dass man Klage erhob, wegen Schmerzensgeld und Schadenersatz(!!!). Jetzt wissen wir natürlich nicht, wie hoch die ursprüngliche Klageforderung war. Sie lag jedoch mit Sicherheit oberhalb von 70.000 €. Das heißt, es fielen mindestens Prozesskosten in Höhe von 10.000 € an, und das nur in erster Instanz. Hier hat der Anwalt sogar noch erreicht, dass man in Berufung geht. Wäre die Klage abgewiesen worden, so wäre die Witwe auf den Kosten der Niederlage in zwei Instanzen sitzengeblieben und hätte im Zweifel ein ungewisses Haftungsverfahren gegen den Anwalt führen müssen. Insoweit ist der Prozessausgang in Ordnung.

    • 23.06.2018 11:08, M.D.

      P.S.: § 844 Abs. 3 BGB wurde im Jahre 2017 eingeführt. Zur Rückwirkung vgl. Art. 229 und dort § 43 EGBGB. Ergebnis: (-).

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