NSU-Opferanwalt kritisiert Landesjustizprüfungsamt: "Ausländerfeindliche Klischees in Examensklausur"

13.12.2012

Der Anwalt von zwei Hinterbliebenen-Familien des NSU-Terrors hat dem nordrhein-westfälischen Landesjustizprüfungsamt vorgeworfen, in einer Examensklausur aus dem Jahr 2010 ausländerfeindliche Klischees verbreitet zu haben. Das Prüfungsamt weist die Vorwürfe zurück.

 

In dem Sachverhalt der kritisierten Klausur geht es um eine türkische Betreiberin eines Obst- und Gemüseladens, die den türkischen Nachbarimbiss übernehmen will. In dem Imbiss namens "Dönerparadies" soll der Sohn der Frau mitarbeiten. Die Stadtverwaltung verweigert die Genehmigung, da der Sohn als Drogendealer auffällig geworden sein soll. Sie befürchtet, der Imbiss könne zur Anlaufstelle für Dealer und Drogenkonsumenten werden.

Der Anwalt Mehmet Daimagüler hält den Sachverhalt für eine Aufreihung ausländerfeindlicher Klischees. Er fürchtet, dass sich bei Nachwuchsjuristen so ein bestimmtes Migrantenbild verfestigen könne.

Das Justizministerium, dem das Landesjustizprüfungsamt untersteht, wies darauf hin, dass es sich um einen realen Fall handele, der sich ähnlich in Darmstadt zugetragen habe. Ein Sprecher des Ministeriums kündigte eine Überprüfung der Angelegenheit an.

age/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

NSU-Opferanwalt kritisiert Landesjustizprüfungsamt: "Ausländerfeindliche Klischees in Examensklausur". In: Legal Tribune Online, 13.12.2012, https://www.lto.de/persistent/a_id/7781/ (abgerufen am: 22.11.2017)

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Kommentare
  • 13.12.2012 17:01, McSchreck

    Ich fühle mich erst Recht diskriminiert, weil in meinen Examensklausuren und den Übungsaufgaben die Gangster alle nur deutsche Namen hatte, was ihrem Anteil an de Kriminalsstatistik nicht entspricht (einen Anteil von 100 % deutschen Straftäter hat es nie gegeben und wird es wohl auch nie).

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  • 19.12.2012 17:33, shrimps

    Dann sollten doch bitte die "deutschen" Namen in den KLausuren auch so gestaltet werden, dass sie nur im "Lederhosen- und Trachtenshop" oder in der Fischbude spielen, und die Personen sollen bitte nur Hans, Helga oder ähnliche klingende Namen haben. Und der eine Nachbar sollte den anderen niederschlagen, weil er sich über den nicht kurz genug geschnittenen Rasen des anderen aufregt. Türkische Mitbürger betreiben nicht nur "Dönerparadiese". Also wenn Vorurteile, dann bitte für alle.

    Auch in bayerischen Examensklausuren ist mir schon aufgefallen, dass das Opfer einer (vermeintlichen) Körperverletzung im Amt Türkin war - eh klar, das Opfer war ja Putzfrau, und das kann nichts anderes sein als eine Türkin, die zudem noch einen schön erfundenen - sprich in realiter nicht existenten - Namen trug: schön viele ö und ü....

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