Druckversion
Samstag, 10.10.2026, 03:14 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/nsa-untersuchungsausschuss-ueberwachung-geheimdienste-bnd-abschlussbericht
Fenster schließen
Artikel drucken
23318

NSA-Untersuchungsausschuss: Oppo­si­tion wirft Regie­rung Lüge und Rechts­bruch vor

29.06.2017

Überwachung (Symbol)

© Bits and Splits - stock.adobe.com

Hoch her geht es zum Ende des NSA-Untersuchungsausschusses. Wer hat was falsch gemacht, so dass der BND millionenfach Daten ausspähen konnte? Die Linke bezichtigt die Geheimdienste, die Bürger weiterhin auszuspionieren.

Anzeige

Die Opposition hat der Regierung zum Abschluss der jahrelangen Aufklärungsarbeit im NSA-Untersuchungsausschuss Lügen und Rechtsbruch vorgeworfen. In einem hitzigen Schlagabtausch im Bundestag verdächtigte die Linke den Bundesnachrichtendienst (BND), bis heute unbescholtene Bürger auszuspionieren. Union und SPD betonten, angesichts von Terrorgefahren seien Geheimdienste weiter nötig - sie müssten sich aber an Recht und Gesetz halten. Der Bundestagsausschuss hatte mehr als dreieinhalb Jahre die Datenspionage des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) und des BND untersucht.

Der BND habe der NSA in nichts nachgestanden und Presse, Zivilgesellschaft und Parlamente abgehört - "und vermutlich tut er das noch heute", sagte die Linken-Politikerin Martina Renner. Ihr Fraktionskollege André Hahn stellte infrage, dass es überhaupt eine europäische Regierung gibt, die der BND nicht ausgespäht hat.

Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele sagte: "Das Kanzleramt hat in der Kette der Aufsicht versagt, das Kanzleramt wusste, was der BND treibt, das Kanzleramt hat das alles gedeckt." Dem damaligen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) warf Ströbele vor, im Wahlkampf 2013 die Öffentlichkeit getäuscht zu haben, als er die Affäre für beendet erklärte. "Er hat erklärt, es sei alles gut, es sei alles vom Tisch. Nichts davon war wahr." Damals war der Skandal massiver Datenausspähung durch die NSA durch Veröffentlichungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden bekannt geworden. Der Grünen-Parlamentarier und Jurist Dr. Konstantin von Notz attestierte BND und Regierung Verfassungsbruch: "Das sind schwerwiegende Verstöße."

Schiedsstelle für Bewertung von Dokumenten?

Auch der SPD-Vertreter Christian Flisek warf dem Kanzleramt, das die Aufsicht über den BND hat, Versagen vor. Er sagte aber auch, der Ausschuss habe nicht den behaupteten millionenfachen Grundrechtsbruch an deutschen Staatsbürgern durch deutsche Dienste feststellen können.

Der Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg (CDU) machte deutlich, dass aus seiner Sicht lediglich dem BND Fehler beim Einsatz von Suchbegriffen zur Datenspionage vorzuwerfen sind. "Da ist einiges schief gelaufen", sagte Sensburg der Deutschen Presse-Agentur. Dass der Ausschuss ertragreich gewesen sei, betonten alle Fraktionen - laut Sensburg 153 Sitzungen, 581 Stunden Zeugenvernehmungen und dem Studium von 2401 Akten.

Zuvor hatte Sensburg den 1822-seitigen Abschlussberichts an Bundestagspräsident Norbert Lammert übergeben - überschattet von Streit zwischen Koalition und Opposition. Lammert erhielt überraschend noch ein zweites Dokument. Von Notz übergab ihm ein Sondervotum der Opposition. Dieses ist zwar auch im Abschlussbericht enthalten, aber mit zahlreicheren Schwärzungen als sie die Opposition für nötig gehalten hatte.

Lammert forderte einen neuen Umgang mit geheimen Dokumenten im Bundestag. "Ich glaube, dass wir ein anderes Verfahren zur Einstufung von Dokumenten brauchen", sagte er. Die Ausschussmitglieder hatten viele tausend Seiten Akten aus dem Bundeskanzleramt und anderen Behörden erhalten. Viele waren großteils geschwärzt oder als geheim eingestuft. Lammert sagte, es reiche nicht aus, dass die Regierung selbst definiere, welche Dokumente sie für einen Ausschuss als geheim einstufe. "Das, finde ich, ist kein angemessener Zustand." Lammert schlug die Einrichtung einer von beiden Seiten akzeptierten Schiedsstelle vor, die die Einstufung von Dokumenten klärt - und zwar für beide Seiten verbindlich.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

NSA-Untersuchungsausschuss: . In: Legal Tribune Online, 29.06.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/23318 (abgerufen am: 11.10.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Öffentliches Recht
    • Geheimdienste
    • NSA
    • Überwachung
    • Untersuchungsausschuss
Christina Block steht im Gerichtssaal. Im Hintergrund sind die Richter:innen zu sehen 07.10.2026
Christina Block

Block-Prozess Tag 81:

Ein Tag, den es nicht gebraucht hätte

Nach über 80 Verhandlungstagen hätte man sich den 81. wohl sparen können: Kaum eine halbe Stunde geht er, Beweisprogramm gibt es keins. Für Unruhe sorgen Entwicklungen bei den IT-Asservaten – und die Verhaftung von Ex-BND-Chef Hanning.

Artikel lesen
Marc Henrichmann bei einer Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages. 07.10.2026
Bundesnachrichtendienst

Ex-BND-Chef muss in Untersuchungshaft:

CDU-Poli­tiker Hen­rich­mann for­dert stren­gere Regeln für Schlüs­sel­po­si­tionen

Die Haftbefehle gegen Ex-BND-Chef August Hanning und seinen früheren Büroleiter Manfred D. sind in Vollzug. Im Bundestag werden nun strengere Regeln für Geheimnisträger und deren Tätigkeiten nach dem Ausscheiden aus dem Dienst gefordert.

Artikel lesen
Soldaten haben sich aufgestellt, sie tragen Gewehre G36. 29.09.2026
Bundeswehr

Bundeswehr im Visier ausländischer Nachrichtendienste:

Deut­sche Sol­daten auf Urlaub in Russ­land – kann man das ver­bieten?

Manche Soldaten reisen im Urlaub nach Russland oder Belarus – und geraten dort ins Visier fremder Geheimdienste, warnt der MAD. Verboten ist das bislang nicht. Könnte der Dienstherr solche Reisen untersagen?

Artikel lesen
Scheuer am ersten Tag vor dem Gerichtssaal im Landgericht Berlin I 21.09.2026
Maut

Scheuer-Prozess Tag 1:

"Meinen Kopf hätte es nicht gekostet"

Vorwärtsverteidigung heißt die Strategie zu Prozessbeginn: In umfassenden Aussagen wecken Scheuer und Schulz Zweifel an einem Maut-Verschiebungsangebot der Betreiber bis zum EuGH-Urteil und weisen jedes Motiv für eine Lüge darüber zurück.

Artikel lesen
Ex-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer 2021 21.09.2026
Untersuchungsausschuss

Anlässlich des Strafprozesses gegen Scheuer:

Darum gibt es häufig Anklagen wegen Fal­sch­aus­sagen in U-Aus­schüssen

Ein Skandal, ein Ausschuss, eine Anklage: Nicht selten folgt ein Strafverfahren, nachdem ein Untersuchungsgremium Missständen nachgegangen ist. Das liegt an den Besonderheiten des Untersuchungsausschusses, zeigt Max Schwerdtfeger.

Artikel lesen
Andreas Scheuer (CSU) verlässt nach seiner Befragung den Saal des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses „Brückendesaster und Infrastrukturstau“ im Landtag.  Aufnahmedatum 15.12.2025 20.09.2026
Strafverfahren

Vorwurf der Falschaussage gegen Ex-Bundesverkehrsminister:

Straf­ver­fahren gegen And­reas Scheuer beginnt

Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer muss sich wegen seiner Aussage vor dem Maut-Untersuchungsausschuss ab Montag strafrechtlich verantworten. Die Staatsanwaltschaft hält seine Erinnerungslücken zum teuren Maut-Fiasko für eine strafbare Lüge.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb)
JU­RIS­TI­SCHE*R RE­FE­RENT*IN

Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb), Pots­dam und 1 wei­te­re

Logo von becker bohn rechtsanwälte
Rechts­an­walts­fach­an­ge­s­tell­te (m/w/d)

becker bohn rechtsanwälte, Stutt­gart

Logo von Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen
Ju­ris­ti­sche Re­fe­ren­tin | Ju­ris­ti­scher Re­fe­rent (m/w/d)

Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen, Düs­sel­dorf

Logo von Wolters Kluwer
Mit­ar­bei­ter An­zei­gen­dis­po­si­ti­on & Ver­triebs­un­ter­stüt­zung (m/w/d)

Wolters Kluwer, Hürth

Logo von Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern
Ju­ris­ti­sche Mit­ar­beit (m/w/d) | Öf­f­ent­li­ches Recht / Ver­ga­be­recht |...

Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern, Ber­lin

Logo von Generali Investments Holding S.p.A.
Stu­den­ti­sche Aus­hil­fe (m/w/d) In­vest­ments Le­gal

Generali Investments Holding S.p.A., Köln

Logo von Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen
Rich­ter/Rich­te­rin (m/w/d) in der Ver­wal­tungs­ge­richts­bar­keit des Lan­des...

Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Müns­ter

Logo von Wolters Kluwer
Me­dia Sa­les Ma­na­ger (m/w/d) für Le­gal Tri­bu­ne On­li­ne - re­mo­te

Wolters Kluwer, Hürth und 6 wei­te­re

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Freshfields
Freshfields NextGen AI

06.11.2026, Brüssel

Logo von Freshfields
Smart Challenge – Frühjahrspraktikumsprogramm 2027

15.02.2027, Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, München, Brüssel

Logo von FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG
Praktikantenprogramm FPS in Practice - Frühjahr 2027, Frankfurt

18.02.2027, Frankfurt am Main

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH