Neue Vorwürfe gegen Christina Block: Mit Agenten gegen die Fami­li­en­rich­terin?

09.12.2025

Immer weitere Wendungen und neue Vorwürfe im Block-Prozess: Nun berichtet Bild von brisanten Chat-Protokollen, wonach Agenten gegen eine Richterin eingesetzt wurden. Auch das Strafverfahren geht weiter.

Der Prozess gegen Christina Block ist fast jeden Tag für eine Überraschung gut. Laut einem Bericht der Bild haben Ermittlungen des Hamburger Landeskriminalamtes (LKA) ergeben, dass Block Agenten auf die aus ihrer Sicht "furchtbare" Familienrichterin angesetzt habe. Laut dem Bericht sorgte dies seitens der Hamburger Justiz für große Aufregung.

Gegen die Steakhouse-Erbin Christina Block läuft derzeit ein Strafverfahren, LTO berichtet hierzu umfassend. In der Sache geht es um die Entführung von zwei Kindern, die in der Silvesternacht 2023/24 von ihrem in Dänemark lebenden Vater zur Mutter nach Hamburg verbracht wurden. Block bestreitet die Vorwürfe. 

Doch nicht erst das Strafverfahren brachte den auf dem Rücken der Kinder ausgetragenen Sorgerechtsstreit zwischen Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel vor die Justiz. Seit Jahren sind deutsche und dänische Gerichte mit dem Fall befasst, auch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) war bereits beteiligt. Seitens der dänischen und deutschen Gerichte ergingen unterschiedliche Entscheidungen in Bezug auf das Sorgerecht und auch um Zuständigkeiten wurde gestritten. Schließlich eskalierte der Streit mit der Entführung.

"Ihr müsst sie überprüfen"

Nun berichtet Bild, diese sei "generalstabsmäßig geplant" gewesen. Für die Aktion unter dem Namen "Operation Golden Ice" habe es am Rande der Hamburger Speicherstadt im Bürohaus des Familienanwalts der Blocks, Dr. Andreas Costard, einen "War Room" gegeben. Aus dieser Kommandozentrale heraus hätten israelische Ex-Agenten die Entführung monatelang geplant.

Block betonte im laufenden Strafverfahren bisher stets, die Entführung nicht beauftragt zu haben. Laut dem Bericht werde dies nunmehr erschüttert durch die Übergabe von Fotos und Dokumenten inklusive Chat-Protokollen an das LKA seitens David Barkay, der mutmaßliche Chef der Entführer.

Von Bild.de veröffentlichtes Foto der Kommandozentrale.

In einer "Signal"-Gruppe mit dem Namen "BKH" (= Bring Kids Home) habe Block konkrete Aufträge an eine Gruppe von Ex-Agenten gegeben. Von Barkay habe sie demnach gefordert, er solle eine in dem Sorgerechtsstreit zuständige Familienrichterin überprüfen. Diese sei "furchtbar" und verzögere alles. “Sie ist schuld daran, dass alles so lange gedauert hat". Weil sie herausfinden wolle, ob der Sorgerechtsstreit um die in Dänemark lebenden Block-Kinder ”überhaupt noch ein deutscher Fall" sei. "Ihr müsst sie überprüfen: Dr. Kristina Groth, Amtsgericht Hamburg", heiße es in dem Chat. Dies alarmierte laut dem Bericht auch das Präsidium der Hamburger Gerichte. 

Laut "Bild" wollten sich weder Christina Block noch ihr Anwalt zu den Vorwürfen äußern. LTO wollte von Christina Block wissen: stimmen die Zitate und wenn ja, was genau meinte sie mit der Formulierung, die Agenten müssten die Richterin "überprüfen". Die presserechtliche Vertretung von Frau Block, die Kanzlei LHR Rechtsanwälte, kündigte gegenüber LTO eine Beantwortung der Fragen für Mittwochnachmittag an. Die am Mittwoch dann eingegangene Stellungnahme geht auf die aufgeworfenen Fragen allerdings mit keinem Wort ein.*

Fortsetzung der strafrechtlichen Hauptverhandlung in dieser Woche

Das Strafverfahren soll nunmehr am Mittwoch fortgesetzt werden, nachdem es einige Zeit unterbrochen war.

Zwischenzeitlich hat die Staatsanwaltschaft zwei weitere Beschuldigte vernommen. "Sie stehen im Verdacht, zusammen mit der Kindesmutter und weiteren Personen die Entführung von zwei Kindern aus Dänemark in der Silvesternacht 2023/2024 vorgenommen zu haben", teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Mia Sperling-Karstens, mit. Nach den beiden Beschuldigten war seit Frühjahr 2024 international gefahndet worden.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in einem ähnlichen Schritt bereits den Chef einer israelischen Sicherheitsfirma vernommen. Die Firma soll die damals zehn und 13 Jahre alten Kinder im Auftrag von Christina Block entführt haben. Die viertägige Befragung außerhalb der Hauptverhandlung gegen Block und sechs Mitangeklagte sorgte für Verärgerung bei den Verteidigern, es kam deshalb schließlich zur Unterbrechung.

Es wird erwartet, dass der Geschäftsführer auch vor Gericht aussagen soll. Ob und gegebenenfalls wann das geschieht, könne mit Rücksicht auf die Sicherheitslage des Zeugen öffentlich nicht mitgeteilt werden, erklärte eine Gerichtssprecherin. Ebenso unklar ist, ob und wann die beiden weiteren Beschuldigten vor Gericht erscheinen.

Unter den sechs Mitangeklagten ist ein 36-jähriger Israeli, der seine Beteiligung an der Rückholaktion umfassend gestanden hatte. Bei seiner Aussage hatte er auch die Namen der mutmaßlichen Mittäter aus Israel genannt.

* Satz ergänzt am 10.12.2025

jb/LTO-Redaktion

Mit Materialien der dpa

Zitiervorschlag

Neue Vorwürfe gegen Christina Block: . In: Legal Tribune Online, 09.12.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58819 (abgerufen am: 15.01.2026 )

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