Druckversion
Samstag, 12.09.2026, 12:27 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/mutmasslicher-is-unterstuetzer-anschlag-israel-botschaft-haftbefehl
Fenster schließen
Artikel drucken
55677

Geplanter Terroranschlag?: Haft­be­fehl wegen geplanten Anschlags auf Israels Bot­schaft

21.10.2024

Botschaft des Staates Israel

Ein Fahrzeug der Polizei steht am Abend vor der Botschaft des Staates Israel. Foto: picture alliance/dpa | Maximilian Specht

Durchgriff der Bundesanwaltschaft: Ein Libyer mit IS-Kontakten soll einen Anschlag auf die israelische Botschaft in Berlin geplant haben. Nun wurde der Haftbefehl gegen ihn in Vollzug gesetzt.

Anzeige

Ein mutmaßlicher Unterstützer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) steht im Verdacht, einen Anschlag auf die israelische Botschaft in Deutschland geplant zu haben. Am vergangenen Sonntag setzte der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof (BGH) den Haftbefehl gegen ihn in Vollzug, nachdem er am Samstag festgenommen worden war. Laut einer Sprecherin des Generalbundesanwalts befindet sich der Beschuldigte nun in Untersuchungshaft, die nach § 112 Abs. 1 S. 1 Strafprozessordnung (StPO) angeordnet werden kann, wenn ein dringender Tatverdacht besteht und ein Haftgrund vorliegt.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach von einem "feigen Anschlagsplan", der verhindert worden sei. Innenministerin Nancy Faeser wies auf die hohe Terrorgefahr in Deutschland hin und betonte die Bedeutung des Schutzes jüdischer und israelischer Einrichtungen. "Wir handeln mit höchster Wachsamkeit und Aufmerksamkeit angesichts der hohen Bedrohungslage durch islamistische, antisemitische und israelfeindliche Gewalt", sagte die SPD-Politikerin. 

Der Fall heizt die Debatte über die Maßnahmen zum Schutz vor Terror in Deutschland neu an. Politiker von CDU und Grünen forderten mehr Mittel für die Sicherheitsbehörden. Die SPD rief die Union dazu auf, ihre Ablehnung des sogenannten Sicherheitspakets der Ampel-Regierung aufzugeben.

Der tatverdächtige Libyer wurde am Samstag in Bernau bei Berlin festgenommen. Zur Planung des Anschlags hatte er sich in einem Messenger-Chat mit einem IS-Mitglied ausgetauscht, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. In der Folge wurden sowohl seine Wohnung als auch die eines nicht tatverdächtigen Komplizen im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis durchsucht. Am Sonntag wurde der Mann dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

Asylantrag des Verdächtigen abgelehnt

Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen abgelehnten Asylbewerber, der laut Informationen der Bild-Zeitung 28 Jahre alt ist und im November 2022 nach Deutschland eingereist sein soll. Im Januar 2023 stellte er einen Asylantrag, dessen Ablehnung acht Monate später erfolgte. Gegen diese Ablehnung legte er jedoch keine Klage ein.

Für Libyen gilt bundesweit kein genereller Abschiebestopp. Sollte ein Asylbewerber nicht freiwillig ausreisen, gestaltet sich eine Abschiebung jedoch schwierig, da in dem nordafrikanischen Land nur teilweise funktionierende staatliche Strukturen vorhanden sind.

Botschafter macht "muslimischen Antisemitismus" verantwortlich

Der israelische Botschafter Ron Prosor dankte den deutschen Sicherheitsbehörden und kritisierte den "muslimischen Antisemitismus" in Deutschland und darüber hinaus. Dieser beschränke sich seiner Meinung nach nicht nur auf hasserfüllte Rhetorik, sondern fördere auch den weltweiten Terrorismus. Prosor betonte, dass die Mitarbeiter der israelischen Botschaft besonders gefährdet seien, da sie an vorderster Front der Diplomatie stünden.

Seit dem Angriff islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Gaza-Kriegs ist in Deutschland ein Anstieg antisemitischer Vorfälle zu verzeichnen. Bereits Anfang September kam es in der Nähe des israelischen Generalkonsulats in München zu einem Schusswechsel zwischen einem 18-jährigen Österreicher und der Polizei. Auch hier gehen die Ermittler von einem versuchten Terroranschlag des getöteten Schützen aus.

Hinweis kam von ausländischem Nachrichtendienst

Der Hinweis auf den mutmaßlichen Attentäter soll von einem ausländischen Nachrichtendienst stammen. Wie konkret die Pläne des Verdächtigen waren, wird sich voraussichtlich erst nach der Auswertung der bei den Durchsuchungen aufgefundenen Gegenstände zeigen. Die Sicherheitsbehörden haben in diesem sowie in anderen vergleichbaren Fällen der jüngeren Vergangenheit schnell reagiert.

Die Sicherheitsvorkehrungen an den jüdischen und israelischen Einrichtungen in Berlin wurden zunächst nicht weiter verschärft. Die Polizei erklärte, dass diese bereits auf einem hohen Niveau seien. Derzeit würden mehr als 160 Objekte bewacht, sagte Sprecherin Beate Ostertag. Für die israelische Botschaft gelte generell ein "maximal hohes Level". Die Festnahme habe zunächst keine Änderungen in der Lage mit sich gebracht. Die Berliner Polizei bewertet die Situation jedoch kontinuierlich neu und steht dazu im Austausch mit nationalen und internationalen Behörden.

Anzeige

Buschmann spricht von "sehr ernster" Terrorgefahr

Justizminister Marco Buschmann (FDP) warnte vor einer "sehr ernsten" Terrorgefahr in Deutschland. Man werde weiterhin "alles daran setzen, dass die gefährlichen Pläne der Israel-Hasser und Antisemiten nicht aufgehen", sagte er der Deutschen Presse Agentur.

Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz forderte in der Welt mehr Geld und Personal für die Sicherheitsbehörden. "Angesichts der aktuellen Herausforderungen müssen wir darüber reden, unsere Nachrichtendienste massiv finanziell, personell und technisch zu stärken. Eine Zeitenwende braucht es auch hier."

Ähnlich äußerte sich der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter. "Es wäre wichtig, Fähigkeitslücken zu schließen und gesetzliche Regelungen zu verändern, um eine zeitgemäße Aufklärung zu ermöglichen und die Abhängigkeiten von Partnerdiensten zu reduzieren", sagte er dem Tagesspiegel. Das aktuelle "Sicherheitspaket" der Ampel-Regierung wertete er als wirkungslos bei konkreten Anschlagsplanungen. 

Kanzler Scholz forderte die Union dagegen auf, dem Paket im Bundesrat zuzustimmen. Die Sicherheitsbehörden würden damit gestärkt. "Es ist wichtig, dass der Bundesrat die noch ausstehenden Punkte jetzt auch schnell freigibt", schrieb er auf der Plattform X.

dpa/xp/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Geplanter Terroranschlag?: . In: Legal Tribune Online, 21.10.2024 , https://www.lto.de/persistent/a_id/55677 (abgerufen am: 12.09.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
    • Asyl
    • Ausland
    • Islam
    • Terrorismus
  • Gerichte
    • Bundesgerichtshof (BGH)
Ein Polizeibeamter mit einem nach oben gerichteten Gewähr in der Kleingartenanlage. 11.09.2026
Polizei

Ermittlungen gegen Polizeibeamte eingestellt:

So lief der töd­liche Ein­satz gegen CSD-Atten­täter Abdul Bal­lout

Zwei Polizeibeamte erschossen den CSD-Attentäter Abdul B. im Einsatz. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen die Beamten eingestellt. Die Ermittlungen geben einen Einblick in die entscheidenden Sekunden vor den Schüssen.

Artikel lesen
Afghaninnen und Afghanen aus den Bundesaufnahmeprogrammen stehen im Flughafen Hannover, 20.11.2025. 09.09.2026
Afghanistan

Gefährdeten Afghanen droht Rausschmiss aus Schutzräumen:

Bun­des­re­gie­rung nutzt Karls­ruher Frei­fahrt­schein

Entgegen früheren Zusagen will die Bundesregierung keine gefährdeten Afghanen mehr aufnehmen. Das BVerfG verlangt zwar, dass jeder Einzelfall geprüft wird. Doch das passiert offenbar nur auf dem Papier. Eine Farce, sagen Kritiker.

Artikel lesen
Logo der Nachrichtenseite Nius und im Hintergrund Nius-Artikel 04.09.2026
Medien

KG rügt identifizierende Berichterstattung:

Nius durfte Asy­l­an­wältin nicht an den Pranger stellen

Nach dem Solingen-Attentat berichtete Nius über eine Asylanwältin. Das LG Berlin hatte das für zulässig gehalten, das Kammergericht sah das nun anders. Kritik am Asylverfahren sei zulässig, eine identifizierende Berichterstattung jedoch nicht. 

Artikel lesen
Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg sitzt bei einer Pressekonferenz hinter einem Namensschild und gestikuliert während sie spricht. 01.09.2026
Jugendkriminalität

Berliner Senat nach CSD-Anschlag:

Ter­r­or­fälle sollen raus aus dem Jugend­ge­richt

Nach dem Anschlag auf dem Berliner CSD will der Senat das Strafrecht ändern: Bei Heranwachsenden soll Erwachsenenstrafrecht der Regelfall werden. Der Senat möchte dazu eine Bundesratsinitiative einbringen.

Artikel lesen
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (l) und Wahlprogramm-Architekt Hans-Thomas Tillschneider auf einer Wahlkampfveranstaltung, 21.08.2026. 29.08.2026
AfD

AfD winkt Sieg bei Landtagswahl:

So gefähr­lich wäre eine AfD-Regie­rung in Sachsen-Anhalt

Bürgerwehren, Sonderklassen für Flüchtlingskinder, Öffentlich-Rechtliche abschaffen: Mit diesen Forderungen tritt die AfD in Sachsen-Anhalt an. Welcher Schaden droht der freiheitlich-demokratischen Grundordnung?

Artikel lesen
Der Angeklagte Atallah Y. vor Prozessbeginn am Landgericht Berlin I, 02.04.2026. 26.08.2026
Brandstiftung

Hatte er doch Brandstiftungsvorsatz?:

BGH hebt mildes Urteil gegen "Raketen-Influ­encer" auf

Der BGH hebt das Urteil gegen einen Influencer auf, der eine Silvesterrakete durch ein Fenster in eine Berliner Wohnung schoss. Das LG habe den Versuch einer Brandstiftung fehlerhaft verneint. Kommt es in Berlin zu einem neuen Prozess?

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Flick Gocke Schaumburg
Di­p­lom-Fi­nanz­wirt (m/w/d) Steu­er­straf­recht

Flick Gocke Schaumburg, Bonn und 3 wei­te­re

Logo von Clifford Chance Partnerschaft mbB
Re­fe­ren­dar*in­nen (m/w/d) – Frank­furt

Clifford Chance Partnerschaft mbB, Frank­furt am Main

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ten­de (w/m/d) In­ter­na­tio­na­les...

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Ham­burg und 4 wei­te­re

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
In­ves­ti­ga­ti­on As­si­s­tant (w/m/d) In­ter­na­tio­na­les...

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Ham­burg und 4 wei­te­re

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle, Cel­le und 9 wei­te­re

Logo von GvW Graf von Westphalen
Re­fe­ren­da­riat – Wirt­schafts- und Steu­er­straf­recht

GvW Graf von Westphalen, Frank­furt am Main

Logo von RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) als An­ge­s­tell­te oder in frei­er Mit­ar­beit

RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Re­fe­ren­da­rin/Re­fe­ren­dar (w/m/d) In­ter­na­tio­na­les...

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Ham­burg und 4 wei­te­re

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Conference: International Perspectives on Climate Criminal Law

15.10.2026, Konstanz

Verteidigung in Verkehrsordnungswidrigkeiten–aktuelle Verteidigungsansätze Akteneinsicht, Beweisaufn

15.09.2026

Logo von Fachseminare von Fürstenberg
ChatGPT & Co. für Juristen

15.09.2026

75. Deutscher Juristentag

16.09.2026, Erfurt

75. Deutscher Juristentag

16.09.2026, Erfurt

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH