LSG Stuttgart zu Großraumbüro: Lärm­be­läs­t­i­gung zu gering für Berufs­krank­heit

25.02.2016

Großraumbüro: Der eine freut sich über den Trubel, dem anderen bereitet es Kopfschmerzen. Eine Lärmschwerhörigkeit bereitet es aber niemandem, entschied das LSG Stuttgart.

 

Das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg entschieden, dass die langjährige Arbeit in einem Großraumbüro auch dann keine Berufskrankheit "Lärmschwerhörigkeit" verursacht, wenn sie mit Lärmeinwirkung durch Mitarbeiter, Klimaanlage, Kühlschrank und zeitweise Bauarbeiten verbunden ist (Beschl. v. 17.02.2016, Az. L 6 U 4089/15). Der für die Anerkennung einer gerade durch die berufliche Tätigkeit verursachten Erkrankung erforderliche Dauerschallpegel wird bei weitem nicht erreicht, stellten die Richter fest.

Ein 48-jähriger Ingenieur, der seit rund 15 Jahren in einem Großraumbüro arbeitet, erkrankte an Tinnitus und einer leichten Hörminderung im Hochtonbereich an beiden Ohren. Er wollte erreichen, dass diese Erkrankung von der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse als Berufskrankheit anerkannt und entschädigt wird. Das LSG hat dies nun aber verneint und der Berufsgenossenschaft Recht gegeben.

Nachdem der Ingenieur im Juni 2012 seinen Arbeitgeber informiert hatte, wurden Lärmmessungen in dem Großraumbüro vorgenommen, die lediglich eine Lärmbelastung zwischen 50 dB und 65 dB ergaben. Ein von der Berufsgenossenschaft eingeschalteter ärztlicher Sachverständiger kam zum Ergebnis, dass diese Lärmbelastung viel zu gering sei, um die Erkrankung zu verursachen.

Tätigkeit muss Ursache für Krankheit sein

Die vorliegende Hörminderung sei altersentsprechend nicht ungewöhnlich. Außerdem würden in Deutschland 3 bis 4 Millionen Menschen unter Ohrgeräuschen leiden, die von unterschiedlichsten Ursachen herrührten. Gestützt auf dieses Gutachten lehnte die Berufsgenossenschaft die Anerkennung einer Berufskrankheit ab.

Das LSG hat die Entscheidung der Vorinstanz bestätigt und klargestellt, dass nicht jede Erkrankung auch eine "Berufskrankheit" im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung ist. Die berufliche Tätigkeit muss Ursache für den eingetretenen Gesundheitsschaden sein. Das konnte in diesem Fall aber nicht nachgewiesen werden.

Lärmschwerhörigkeit könne sich nur bei einer hohen und lang andauernden Lärmbelastung entwickeln. Nach langjährigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Studien sei davon auszugehen, dass eine Lärmeinwirkung von mehr als 85 dB(A) als äquivalenter Dauerschallpegel bei einem Acht-Stunden-Tag über viele Arbeitsjahre gehörschädigend ist.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

LSG Stuttgart zu Großraumbüro: Lärmbelästigung zu gering für Berufskrankheit. In: Legal Tribune Online, 25.02.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/18596/ (abgerufen am: 23.09.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
    Keine Kommentare
Neuer Kommentar
TopJOBS
Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Ge­sel­l­­schafts­­­recht/M&A

Osborne Clarke Rechtsanwälte Steuerberater, Mün­chen

SYN­DI­KUS­RECHTS­AN­WALT (M / W) BE­REICH GE­WERB­LI­CHER RECHTS­SCHUTZ

Adolf Würth GmbH & Co. KG, Kün­zel­sau

Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (m/w) für den Be­reich Im­mo­bi­li­en­wirt­schafts­recht

Görg, Ham­burg

Rechts­an­walt (w/m) mit Schwer­punkt Steu­er­straf­recht

Wessing & Partner, Düs­sel­dorf

Rechts­an­walt (m/w) für Han­dels- und Ver­triebs­recht

Osborne Clarke Rechtsanwälte Steuerberater, Köln

her­vor­ra­gen­de Voll­ju­ris­ten (m/w) mit be­son­de­rem In­ter­es­se am ge­werb­li­chen Miet­recht und/oder dem M&A-Trans­ak­ti­ons­ge­schäft

Lenga, Wähling und Partner Rechtsanwälte PartG mbB, Mei­ßen

Rechts­an­wäl­te (m/w)

Hogan Lovells LLP, Mün­chen

Rechts­an­walt (m/w) Pro­jects & Cor­po­ra­te/M&A

Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Düs­sel­dorf

be­ruf­s­er­fah­re­nen Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Com­mer­cial (Da­ten­schutz/IT)

Bird & Bird LLP, Düs­sel­dorf

Neueste Stellenangebote
Rechts­an­walt/Voll­ju­rist/in Rechts­ab­tei­lung mit Schwer­punkt Kar­tell­recht
Pa­tent­re­cher­cheu­re (m/w)
(Ju­nior) Spe­cia­list Su­s­taina­bi­li­ty & Con­tract Ma­na­ge­ment (m/w)
Syn­di­kus­rechts­an­walt (m/w)
Ju­nior Com­p­li­an­ce Ma­na­ger (m/w)
Rechts­re­fe­ren­dar (m/w)
(As­si­s­tant) Ma­na­ger (m/w) Fo­ren­sic In­ves­ti­ga­ti­ons & Da­ten­schutz