Amoklauf von Winnenden: Vater von Tim K. muss Schadensersatz zahlen

07.08.2015

Der Vater des Amokläufers von Winnenden muss für die Folgen der Tat seines Sohnes finanziell einstehen. Das entschied das LG Stuttgart am Freitag. Der Mann hatte seine Pistole, die spätere Tatwaffe, nicht ordnungsgemäß aufbewahrt.

 

Das Landgericht (LG) Stuttgart hat eine zivilrechtliche Haftung des Vaters von Tim K., der im Jahr 2009 an seiner ehemaligen Schule in Winnenden 15 Menschen und sich selbst erschossen hatte, dem Grunde nach bejaht. Er habe seine Schusswaffe entgegen den einschlägigen Bestimmungen nicht in einem Waffentresor aufbewahrt, sondern sie im unverschlossenen Schlafzimmerschrank abgelegt. Diese Verletzung der waffenrechtlichen Aufbewahrungsvorschriften sei mitursächlich für die spätere Bluttat seines Sohnes gewesen. Der Vater habe daher für die Folgen finanziell einzustehen, entschied das Gericht (Urt. v. 07.08.2015, Az. 15 O 44/14).

Zur konkreten Höhe des von Jörg K. zu leistenden Schadensersatzes traf das LG keine Entscheidung. Dies Feststellung bleibt dem sogenannten Betragsverfahren vorbehalten. Die klagende Unfallkasse Baden-Württemberg verlangt von den Eltern des Amokläufers insgesamt rund 716.000 Euro Schadensersatz für Heilbehandlungskosten von Schülern, Eltern und Lehrern.

Für eine Haftung der Mutter von Tim K. konnte das LG indes keine Grundlage erkennen. Es habe sich nicht mit einer für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit feststellen lassen, dass ihr bekannt war, dass ihr Ehemann eine Waffe nicht ordnungsgemäß im Schlafzimmerschrank verwahrte, so das Gericht.

Strafrechtlich musste Jörg K. sich bereits für die Folgen seines laxen Umgangs mit seiner Pistole verantworten. Nachdem er vom LG Stuttgart zunächst zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden war, wurde das Urteil 2012 nach der Revision vom Bundesgerichtshof aufgehoben und schließlich auf ein Jahr und sechs Monate reduziert.

mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Amoklauf von Winnenden: Vater von Tim K. muss Schadensersatz zahlen. In: Legal Tribune Online, 07.08.2015, https://www.lto.de/persistent/a_id/16545/ (abgerufen am: 19.09.2017)

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Kommentare
  • 08.08.2015 14:53, Gerd

    Ein Urteil das niemandem nützt. Ein Vater, der seinen Sohn verloren hat und seit Jahren auf die Fresse kriegt, strafrechtliche Verurteilung, zivilrechtliches Urteil.

    Allen ernstes, was bringt das denn?

    Die Bewährungsstrafe ist symbolisch. Zweck des Prozesses waren nur Wahrheitsfindung und Aufklärung für die Hinterbliebenen.

    Die Forderung des Landes ist bald mit Zinsen über eine Million Euro. Beträge in dieser Höhe zahlt niemand zurück. Mit Urteilen dieser Art nimmt man sich entweder den Strick oder man wischt sich den Arsch damit ab. Hauptsache Anwälte, Richter und Behördenbeamte von irgendwelchen Versorgungsämtern werden auf Trab gehalten.

    Die Sache war schlimm, aber es ist längst überfällig, auch die Familie des Täters, die selbst zum Opfer wurde, in Ruhe zu lassen.

    Life goes on.

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    • 10.08.2015 01:37, KK

      Das bringt es auf den Punkt. Gerd hat recht. Dieses zivilrechtliche Urteil bringt Deutschland nicht weiter.
      Die Angehörigen der Opfer wohl auch nicht. Eine Überweisung auf das Konto wird Wunden auffrischen. Wurde das auch in Rechnung gestellt? Oder ist eine solche Erwägung dem Schadensrecht schlicht fremd?

      Aber wenn wir schon einmal dabei sind, und nur ergänzend:

      Mitverantwortung sollte dort aufhören, wo massive Eigenverantwortung des Vordermannes (Täter) beginnt.
      Mit "massiv" meine ich in erster Linie völlig abartige, abstruse, atypische Kausalverläufe, die außerhalb dessen liegen, was ein billig und gerecht denkender Mensch in seinem Leben erwarten darf.

      Alles in allem ein ungelenker Versuch (?) dieser Tragödie so ein formales Ende zu bereiten.

      Ich bin schon erstaunt

    • 10.08.2015 11:34, Der Sandmann

      Das Urteil bringt vielleicht den einen oder anderen Waffenbesitzer dazu, die Waffe tatsächlich wegzuschließen.

      Die Aussicht auf eine "symbolische" Bewährungsstrafe ist weniger einschneidend als die Gefahr, dass wegen schlampigem Umgangs mit Waffen tatsächlich Schadenersatz geltend gemacht werden kann, der einen durchschnittlichen Waffenbesitzer zu Recht völlig ruinieren würde. Generalprävention geht auch so.

      "Bestrafe einen, erziehe hundert."

  • 09.08.2015 14:17, Lukas Mezger

    Ich möchte die Redaktion bitten, noch einmal einen Blick auf die Bildunterschrift zu werden: "Wikimedia.com" gibt es nicht, sondern nur das nichtkommerzielle Projekt "Wikimedia Commons", das natürlich über eine .org-URL zu finden ist.

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  • 10.08.2015 22:31, Mike M.

    Je nach dem, ob fahrlässig es Handeln bei Waffenbesitz mitversichert ist, dürfte eventuell die Haftpflichtversicherung zahlen.

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  • 10.12.2015 15:51, DB

    "Die Angehörigen der Opfer wohl auch nicht. Eine Überweisung auf das Konto wird Wunden auffrischen. Wurde das auch in Rechnung gestellt?"

    @ KK: Sie haben den Artikel aber schon gelesen, oder? Die Unfallkasse hatte für die Behandlung von Schülern, Eltern und Lehrern (ob nun wg. körperlicher Verletzung oder Traumata wird nicht gesagt) Ausgaben, die sie nun von Familie K. zurückfordert. Auf den Konten der Angehörigen geht genau gar nichts ein. Insofern ist Ihre Überlegung zwar ehrenwert, aber hier sachfremd.

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