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LG München I zieht Parallelen zum Fall Pelicot: Lange Haft­strafe wegen Ver­ge­wal­ti­gung betäubter Frau

14.04.2026

Urteilsverkündigung im LG München I

Neben den zahlreichen Vergewaltigungen wurde der Chinese auch wegen versuchten Mordes schuldig gesprochen. Foto: picture alliance / SZ Photo | Stephan Rumpf

Monatelang hat ein Student seine Freundin immer wieder betäubt, brutal missbraucht und dabei gefilmt. Der Mann gesteht die Taten und wird verurteilt. "Pelicot ist kein Einzelfall", sagte der Richter bei der Urteilsverkündung.

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"Monströs" nennt der Vorsitzende Richter die Taten. "Menschen- und frauenverachtend". Selbst hart gesottene Ermittler hätten die Videos, die es davon gab, als "das Schlimmste" bezeichnet, das sie je gesehen haben.

Elf Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe verhängt das Landgericht (LG) München I gegen einen Mann, der zugegeben hat, seine Partnerin über Monate hinweg mit schweren Narkosemitteln betäubt, brutal vergewaltigt und dabei gefilmt zu haben – teilweise stundenlang. "Es war in allen Fällen großes Glück, dass die Geschädigte nicht gestorben ist", sagte Richter Markus Koppenleitner am Dienstag bei der Urteilsverkündung.

Das Gericht verurteilte den 28 Jahre alten Studenten aus China unter anderem gemäß §§ 211, 22, 23 Abs. 1, 177, 178, 201a Strafgesetzbuch (StGB) wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge sowie der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Das Gericht sprach außerdem den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung gemäß § 66a StGB aus.

Taten "hochkriminell, hochprofessionell"

Koppenleitner nennt die Taten "hochkriminell, hochprofessionell" und die Aufnahmen, die der junge Mann davon anfertigte, um später immer wieder dazu zu onanieren, "Videos, die sich einprägen, die schockieren". Die Geschädigte, die erst durch die Festnahme ihres Freundes von den Taten erfuhr, habe selbst im Gerichtsprozess noch nicht glauben können, was ihr Partner ihr angetan hat. Und auch wenn der Angeklagte geständig gewesen sei, habe er "versucht, die Taten zu bagatellisieren", sie "gefährlich, egoistisch, ungehobelt und unbedacht" genannt.

Er sei kein Frauenhasser, hatte der 28-Jährige vor Gericht gesagt. "Ich liebe dieses Mädchen, aber ich habe sie tief verwundet." Auf Videos ist nach Ermittlerangaben zu sehen, wie der Mann immer wieder Medikamente nachspritzt oder ihr Tücher mit Betäubungsmitteln ins Gesicht drückt, um sicherzugehen, dass die Frau während der Vergewaltigungen nicht aufwacht.

Vergewaltigungsnetzwerk kam ans Licht

Auf seine Spur gekommen waren die Ermittler dem Angeklagten wegen eines Verfahrens in Hessen. Das LG Frankfurt am Main verurteilte einen Mann zu 14 Jahren Freiheitsstrafe, unter anderem wegen besonders schwerer Vergewaltigung und versuchten Mordes. Die zuständige Kammer ordnete außerdem Sicherungsverwahrung an.

Dieser Fall war es, der ein Vergewaltigungsnetzwerk aufdeckte. Die Ermittlungsgruppe "EG Inserat" des hessischen Landeskriminalamtes informierte die Kollegen im Bundesgebiet, darunter in Berlin und Bayern, über weitere Verdächtige und das, was in Chatgruppen vor sich ging.

Ein Chat trug nach Angaben des Münchner Gerichts den Namen "Fahrschule" und sei "extrem menschen- und frauenverachtend" gewesen. Frauen seien dabei als "Privatautos" bezeichnet worden, wenn es die eigene Lebensgefährtin war, oder als "Luxusautos", wenn es sich um besonders attraktive Frauen handelte. Im betäubten Zustand wurden die Frauen "tote Schweine" genannt.

Weil diese Gruppe aufflog, wurden in der Sache in Deutschland weitere Ermittlungsverfahren aufgenommen. Am LG Berlin I hat am 19. März der Prozess gegen einen Mann begonnen, der über einen Zeitraum von zwei Jahren in Peking eine Frau im Schlaf sexuell missbraucht haben soll, zum Teil gemeinsam mit anderen Tätern. Von seinem späteren Wohnort Berlin aus soll der studierte Mediziner "wiederholt Ratschläge und Hinweise gegeben haben, wie man Personen mithilfe bestimmter Medikamente zur Durchführung sexueller Übergriffe betäuben könne", wie das Berliner Gericht mitteilte. Das alles über eben jenen Telegram-Chat.

Im vergangenen Jahr hatte ebenfalls das LG Berlin I einen weiteren Angeklagten aus China im Alter von etwa Mitte 20 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Opfer erfuhren laut Gericht erst bei der Befragung durch die Polizei davon, was ihnen angetan wurde. Der Angeklagte selbst prahlte online mit noch mehr Taten und damit, insgesamt 18 Frauen vergewaltigt zu haben. In den Ermittlungsverfahren seien "immer wieder Übersetzer abgesprungen, weil sie so schockiert waren", sagt der Münchner Richter am Dienstag.

"Pelicot ist kein Einzelfall"

Der Fall erinnert an den der Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war. Sowohl im Chinesischen als auch im Französischen gebe es inzwischen eine eigene Bezeichnung für diese Art des Verbrechens, sagte Richter Koppenleitner. "Soumission chimique" bedeutet so viel wie chemische Unterwerfung.

"Pelicot ist kein Einzelfall", betont er. "Das ist kein chinesisches und auch kein französisches Phänomen, sondern auch ein Phänomen in Deutschland und letztlich auch weltweit." In einer Chatgruppe, auf die Staatsanwaltschaften und Landeskriminalämter bei ihren Ermittlungen stießen, waren seinen Angaben zufolge "Tausende von Männern Mitglied".

dpa/jb/LTO-Redaktion

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LG München I zieht Parallelen zum Fall Pelicot: . In: Legal Tribune Online, 14.04.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59721 (abgerufen am: 10.06.2026 )

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