LG Kempten verurteilt Ex-Chef der Drogenfahndung: 1,8 Kilo Koks für privaten Gebrauch gebunkert

10.02.2015

Jahrelang war er für die Drogenbekämpfung im Allgäu zuständig. Jetzt wurde Kemptens ehemaliger Chef-Drogenfahnder zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte 1,8 Kilogramm Koks für den privaten Gebrauch in seinem Dienstspind gehortet. Woher er die Drogen hatte, blieb bis zuletzt offen.

Der Skandal bei der Kemptener Polizei hatte vor einem Jahr für Schlagzeilen gesorgt: Ausgerechnet beim obersten Drogenfahnder wurden 1,8 Kilo Kokain gefunden. Am Montag wurde der Kriminalbeamte zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Landgericht (LG) Kempten sprach ihn unter anderem wegen Drogenbesitzes, gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung seiner Ehefrau schuldig. Bereits vor Prozessbeginn hatte ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden. 35.000 Euro zahlte der Angeklagte an seine Ehefrau. Unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss hatte er sie geschlagen, gewürgt und schließlich vergewaltigt.

Mit dem Urteil hielt sich das Gericht an eine zwischen den Verfahrensbeteiligten ausgehandelte Vereinbarung. Für den Fall eines Geständnisses war ein Strafrahmen von sechseinhalb bis sieben Jahren festgelegt worden. Nach einem Jahr und drei Monaten in Haft soll der Verurteilte in eine Entziehungsanstalt verlegt werden.

In der Nacht zum 15. Februar 2014 hat der Angeklagte seine Frau im gemeinsamen Haus im Oberallgäu gewürgt und vergewaltigt. Noch in der selben Nacht war er von Polizeibeamten in seinem Auto gestoppt und festgenommen worden. Dabei war er mit knapp 1,5 Promille erheblich alkoholisiert und stand unter dem Einfluss von Medikamenten. Später entdeckten die Kollegen in seinem Dienstschrank das Kokain. Es war es nicht das erste Mal, dass der Angeklagte seine Frau angegriffen hat.
Bereits zuvor hatte er sie gewürgt und geschlagen. Auf der Flucht vor ihrem Ehemann stürzte sie vom Balkon aus dem ersten Stock und verletzte sich dabei an der Wirbelsäule.

Die zentrale Frage des Verfahrens, wie der Angeklagte an die Drogen gelangte, konnte nicht abschließend geklärt werden. Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt. Er habe das bei ihm gefundene Kokain für sich verwenden wollen. Es sei ihm zu dienstlichen Zwecken überlassen worden - "insbesondere für Schulungszwecke", sagte er. Zur Herkunft machte er jedoch keine Angaben. Sein Erinnerungsvermögen sei durch den Konsum von Drogen beeinträchtigt.

dpa/mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

LG Kempten verurteilt Ex-Chef der Drogenfahndung: 1,8 Kilo Koks für privaten Gebrauch gebunkert . In: Legal Tribune Online, 10.02.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14644/ (abgerufen am: 26.06.2022 )

Infos zum Zitiervorschlag