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Anklage wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung: Ex-Partner ver­prü­gelt und nackt im Wald aus­ge­setzt

23.10.2017

2/2: Skurriles "Geständnis"

An einem Tag im März habe sie weinend in ihrem Auto an einer Bushaltestelle in Bernau (Barnim) gesessen, erklärte die Ex-Frau weiter. Plötzlich habe ein fremder Mann an ihr Autofenster geklopft und ihr Hilfe angeboten. "Er sagte, er hätte Freunde, die gerne jemandem weh tun, beispielsweise einen Finger abschneiden." Sie hätten sich schließlich drei Tage später auf einem Parkplatz in Zepernick verabredet. Einen gemeinsamen Tatplan habe es jedoch nicht gegeben, beteuerte sie.

Am Tattag sei sie dann angeblich mit der Mitangeklagten losgezogen, um ihren Ex-Mann zu treffen. "Irgendwie" seien sie auf dem vereinbarten Parkplatz gelandet, wo wiederum der ursprünglich fremde "Helfer" mit drei anderen Männern auf das Trio gewartet habe. Der weitere Tatablauf habe von diesem Zeitpunkt an "nicht mehr in unserer Hand" gelegen, so die Ex-Frau.

Sie saß demnach hinter dem Steuer des Kleintransporters, die Ex-Freundin des Ex-Mannes auf dem Beifahrersitz, während die insgesamt vier unbekannten Männer das überraschte Opfer auf die Ladefläche zogen. Dann - so die Angeklagte - hätten sie den Mann mit Fäusten und Fußtritten malträtiert, mit Kabelbinder gefesselt und seine Ohren und Augen mit Klebeband verschlossen.

Die Unbekannten hätten das Opfer in einem Waldstück ausgeladen und ausgezogen, während die Frauen im Fahrzeug gewartet hätten. Laut Anklage musste der Mann langsam bis 100 zählen, bevor er sich selbst befreite. Ihm sei auch gedroht worden, dass er erschossen werde, wenn er zu schnell zähle. Die Täter hätten den Mann dann zurückgelassen.

Richter glaubt Darstellung der Angeklagten nicht

Auf der Rückfahrt sei kaum gesprochen worden, sagte die Angeklagte. "Die Männer stiegen aus und verschwanden." Das nackte Opfer hatte laut Anklage schließlich an einer Landstraße einen Autofahrer angehalten. Der Mann habe nur eine Mülltüte gefunden, mit der er sich bedecken konnte.

Im Vorfeld hatte es stundenlange Rechtsgespräche zwischen den Verfahrensbeteiligten gegeben. Der Vorsitzende Richter Ulrich Karkmann machte dabei deutlich, dass er der Angeklagten ihre Darstellung von den mysteriösen Helfern nicht glaube. Im Falle eines echten Geständnisses hingegen könnten die Frauen mit Bewährungsstrafen davon kommen, stellte er in Aussicht.

dpa/mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Anklage wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung: Ex-Partner verprügelt und nackt im Wald ausgesetzt . In: Legal Tribune Online, 23.10.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/25185/ (abgerufen am: 23.09.2019 )

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Kommentare
  • 23.10.2017 19:55, Nachdenker

    Klar, Bewährung.... Wäre das Opfer eine Frau, wäre das nicht drin und man würde davor für eine hohe Strafe demonstrieren! Ekelhaft!! Ab ib den Knast mit den Tussis.

    • 24.10.2017 05:50, Tobias

      Ich sehe schon vor meinem geistigen Auge, wie tausende Feministinnen für "Gleichberechtigung" demonstrieren.

      Aber warum wird bei solchen Delikten immer mit zweierlei Maß gemessen?

      Warum darf man Männer zusammenschlagen, auf eine Art und Weise demütigen, die wirklich unter aller Sau ist und sich dann darauf freuen, nicht in den Knast zu wandern?

  • 24.10.2017 05:46, Tobias

    Eine Bewährungsstrafe wäre ein Schlag ins Gesicht für unser Land. Ich denke eine Haftstrafe von mindestens 3 Jahren wäre angemessen.

    Warum sollten die Frauen jetzt auch nicht auspacken, wenn sie wissen, dass sie nur Bewährung bekommen?

  • 24.10.2017 07:41, @topic

    Ohne die volle Benennung der vier Haupttäter mit Ross und Reiter wäre bei mir keine bewährungsfähige Strafe denkbar.

    Mögen die beiden sich im Frauenknast gütlich tun - da werden sie ganz bestimmt eine Weile nicht von Männern belästigt... (Gut, die Mitgefangenen Damen werden ihren männlichen Pendant allerdings in nichts nachstehen, was die Belästigungen angeht... da sind die Mädels mitunter noch viel viel schlimmer unterwegs)

  • 29.10.2017 11:40, AUFSCHREI

    Man stelle sich mal vor eine Frau wäre nackt im Wald ausgesetzt worden. Wie dann die Frauen hierzulande wieder ewig unter dem Hashtag "AUFSCHREI" rumkreischen würden.

  • 29.10.2017 14:05, Kein Feminist

    In Anbetracht der Vorgeschichte mit häuslicher Gewalt:

    Permanente Bedrohungslage, Denkzettel war geeignet die Bedrohungslage abzuwehren.

    Notwehr, Notwehrüberschreitung oder vielleicht Irrtum - im glauben in Notwehr zu handeln.

    Ist doch fair wenn son Säufer-Schläger-Ehemann von seinen beiden Ex-Frauen mal was auf die Nase bekommt und mit Plastiktüte bedeckt ein Auto anhalten muss.

    • 29.12.2017 08:00, da Karloenzo

      Ahh Selbstjustz wird Salonfähig oder was?
      Verdient hin, gerecht her, so geht das nicht in einem Rechtsstaat...

      Live long and prosper