Druckversion
Samstag, 6.12.2025, 13:55 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/lg-frankenthal-6o2320-facebook-hasskommentare-beitrag-loeschen-nutzer-sperren-schmerzensgeld
Fenster schließen
Artikel drucken
43240

Kein Schmerzensgeld für gesperrtes Nutzerkonto: Face­book darf auch auf Ver­dacht sperren und löschen

28.10.2020

Gesperrter Facebook-Account

(c) stock.adobe.com - PixieMe

Wer unkommentiert Inhalte teilt, die auch auf Hate Speech schließen lassen, der ist selber schuld, wenn dann das Nutzerkonto gesperrt wird. Schmerzensgeld gibt es dafür schon gar nicht, so zumindest das LG Frankenthal.

Anzeige

Besteht der Verdacht, dass ein Nutzer eine Hassrede ("Hate Speech") verbreitet, darf Facebook diese löschen und ihn so lange sperren, bis der Verdacht aufgeklärt ist. Dies entschied das Landgericht (LG) Frankenthal in einem aktuellen Urteil (Urt. v. 08.09.2020, Az. 6 O 23/20). 

Konkret geht es um den Fall eines Facebook-Nutzers aus Ludwigshafen, der im Oktober 2019 den Beitrag eines Satiremagazins geteilt hatte. Der Beitrag hatte unter der Überschrift: "Schrecklicher Verdacht: War Hitler ein Gamer?" ein Foto von Adolf Hitler gezeigt, der auf einem Sofa sitzt und scheinbar den Controller einer Spielekonsole in der Hand hält. Facebook hatte den Beitrag kurzfristig gelöscht und den Nutzer vorübergehend gesperrt. Noch am selben Tag hatte Facebook jedoch den Beitrag wiederhergestellt und das Profil aktiviert. 

Vor dem LG wollte der Nutzer trotzdem feststellen lassen, dass das Vorgehen von Facebook rechtswidrig war und forderte 1.500 Euro Schmerzensgeld. Facebook verwies auf seine Gemeinschaftsstandards, die es dazu berechtigen einzugreifen, wenn "Hate Speech" geteilt wird oder durch Beiträge Hassorganisationen unterstützt werden. 

Das LG hält die Gemeinschaftsstandards von Facebook für wirksam. Die Plattform sei auch bereits bei einem bloßen Verdacht dazu berechtigt, Beiträge zu überprüfen und Nutzerkonten zu deaktivieren. Der Nutzer habe den Beitrag vorliegend kommentarlos geteilt, daher habe Facebook bei einer ersten Prüfung auf Unterstützung der Nationalsozialisten schließen können, so die Kammer. Eine schnelle Reaktion der Plattformbetreiber habe bei verdächtigen Beiträgen Vorrang vor den Nutzerinteressen. 

In Bezug auf das Schmerzensgeld führte die Kammer noch aus, dass die Sperrung des Nutzerkontos für ein paar Stunden keinen Gegenert von 1.500 Euro habe. Bei Privatpersonen komme der Nutzung von sozialen Netzwerken ohnehin kein Vermögenswert zu, so die Richter. 

Der Facebook-Nutzer hat gegen das Urteil Berufung zum rheinland-pfälzischen Oberlandesgericht in Zweibrücken eingelegt. 

vbr/LTO-Redaktion 

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Kein Schmerzensgeld für gesperrtes Nutzerkonto: . In: Legal Tribune Online, 28.10.2020 , https://www.lto.de/persistent/a_id/43240 (abgerufen am: 06.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Zivil- und Zivilverfahrensrecht
    • Facebook
    • Hass-Posts
    • Social Media
  • Gerichte
    • Landgericht Frankenthal (Pfalz)
WhatsApp 04.12.2025
Künstliche Intelligenz

Meta droht Ärger:

EU unter­sucht KI-Zugang zu WhatsApp

Meta will KI-Anbietern Grenzen bei WhatsApp setzen. Die EU-Kommission untersucht jetzt, ob das mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist.

Artikel lesen
Richter Bengt Fuchs 06.11.2025
Volksverhetzung

OLG Jena verwirft sofortige Beschwerde:

Kein Straf­ver­fahren gegen Richter Bengt Fuchs

Gegen den Richter Bengt Fuchs wird es kein Strafverfahren wegen Volksverhetzung geben. Das OLG Jena hat eine sofortige Beschwerde der Staatsanwaltschaft verworfen. Es bleibt das Disziplinarverfahren.

Artikel lesen
Polizeibeamte stehen vor der Tür eines Hanauer Wohnhauses (Symbolbild) 28.10.2025
Durchsuchung

Äußerungsdelikte im Internet:

Wann sind Haus­durch­su­chungen zulässig?

Sowohl beim Habeck-Meme als auch bei Bolz ordnete der Ermittlungsrichter eine Hausdurchsuchung an. Ist das bei Äußerungsdelikten verhältnismäßig? Was erhoffen sich Ermittler davon? Und macht eine Abwendungsbefugnis einen Unterschied?

Artikel lesen
Prof. Dr. Dietrich Murswiek 22.10.2025
Meinungsfreiheit

Meinungsfreiheit auf LinkedIn:

Kann Wider­spruch gegen die Welt­ge­sund­heit­s­or­ga­ni­sa­tion ver­boten werden?

Der Freiburger Rechtsprofessor Dietrich Murswiek hat für einen LinkedIn-Nutzer, dessen impfkritische Postings gelöscht wurden, eine Verfassungsbeschwerde erhoben. Christian Rath kennt die juristische Argumentation.

Artikel lesen
Mehrere Menschen schauen sich Auftritte von Landespolitikern in sozialen Netzwerken auf ihren Mobiltelefonen an 10.10.2025
Wahlen

EU-Regeln zu kompliziert:

Keine poli­ti­sche Wer­bung mehr auf Ins­ta­gram & Co.

Wer zu Wahlkampfzeiten auf Instagram & Co. unterwegs ist, kommt an politischer Werbung kaum vorbei. Doch das wird zukünftig wohl anders sein: Meta kündigte an, keine Parteienwerbung mehr anzuzeigen. Grund dafür sind neue EU-Regeln.

Artikel lesen
Felix Nmecha 27.09.2025
Fußball

Felix Nmecha sorgt mal wieder für Schlagzeilen:

Social-Media-Kon­trolle durch Bun­des­li­ga­ve­r­eine?

Felix Nmecha könnte für Deutschland bei der WM 2026 auflaufen. Seine Posts in den sozialen Medien sorgen derweil immer wieder für Diskussionen. Dem will sein Verein nun endgültig entgegentreten. Wo liegen hierbei die Grenzen?

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

NEU! Mit LTO Easy Apply so einfach und schnell bewerben wie nie zuvor

Zu den Top Jobs
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Han­no­ver

Logo von Brinkmann Rechtsanwälte
Rechts­an­walt (m/w/d) im Be­reich Zi­vil­recht

Brinkmann Rechtsanwälte , Köln

Logo von RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) als An­ge­s­tell­te oder in frei­er Mit­ar­beit

RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH , 100% Re­mo­te

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Ver­den (Al­ler)

Logo von Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat
Voll­ju­ris­ten (m/w/d) – Ih­re Zu­kunft in der hes­si­schen Jus­tiz

Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat , Wies­ba­den

Logo von Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg
Voll­ju­rist:in­nen (m/w/d) - Trainee­pro­gramm für an­ge­hen­de...

Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg , Ham­burg

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Bucerius Compliance Officer 2026

22.01.2026, Hamburg

Betriebsratswahl 2026

09.12.2025

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und die Folgen für die Fahrerlaubnis (5 Zeitstunden)

08.12.2025

Jahresrückblick Familienrecht Stand: Dezember 2025

08.12.2025

NEU - Vergütungsvereinbarungen optimal gestalten

08.12.2025

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH