LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Betrug mit Pfandautomaten: Geträn­k­e­händler soll 1,2 Mil­lionen Euro erbeutet haben

04.04.2018

Mit zwei manipulierten Pfandautomaten soll sich ein Getränkehändler aus Bochum 1,2 Millionen Euro ergaunert haben. Zu Prozessbeginn weist er die Vorwürfe jedoch zurück.

Zwei umgebaute Automaten für Einwegpfand sollen dem Geschäftsführer eines Getränkehandels in Bochum einen Millionenverdienst beschert haben - allerdings illegal. Seit Mittwoch muss sich der Familienvater aus Castrop-Rauxel vor dem Bochumer Landgericht (LG) verantworten. Den der Getränkeindustrie zwischen Sommer 2013 und Frühjahr 2014 entstandene Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf rund 1,2 Millionen Euro.

Die beiden Automaten sollen die eingelegten Plastikflaschen und Dosen nach dem Scannen nicht, wie vorgeschrieben, zerstört haben. Theoretisch konnte also ein einziger Getränkebehälter immer wieder eingelegt und gescannt werden. Die Automaten erfassten dabei jeden einzelnen Vorgang neu, und die Getränkehersteller zahlten an das Unternehmen die entsprechende Summe aus.

Zu Prozessauftakt wies der 27-Jährige die Vorwürfe von sich. "Die Anklage gegen mich ist falsch", sagte er den Richtern. Der Mann räumte zwar ein, im Sommer 2013 die Geschäftsführung des Getränkehandels übernommen zu haben. Dabei habe es sich jedoch um einen Freundschaftsdienst für einen Bekannten gehandelt. "Ich war nur ein Strohmann", sagte der Angeklagte. Für die Hergabe seines Namens und ein paar kleinere Bürotätigkeiten habe er von seinem Bekannten 1.600 Euro pro Monat erhalten. Von der eigentlichen Geschäftstätigkeit des Betriebes habe er gar nichts mitbekommen.

Das LG hat für den Prozess zunächst noch zehn Verhandlungstage bis zum 4. Juni angesetzt. Es ist nicht der erste Fall, bei dem sich jemand mittels eines Pfandautomaten bereichert. Das Amtsgericht Köln verurteilte einen Mann im Jahr 2016 zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt wurde. Der damals 37-Jährige hatte ein und die selbe Flasche etwa 180.000 mal in einen Pfandautomaten gesteckt und so rund 44.000 Euro erbeutet.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Betrug mit Pfandautomaten: Getränkehändler soll 1,2 Millionen Euro erbeutet haben . In: Legal Tribune Online, 04.04.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27873/ (abgerufen am: 27.01.2021 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 04.04.2018 18:44, GrafLukas

    Einfache Rechnung: Bei 1,2 Millionen Euro angeblichem Schaden und 25 ct/Flasche muss der ja dazu 4,8 Millionen Flaschen durchgeschleust haben!

    1. Das ist ein Fulltimejob!
    2. Wie kann es denn sein, dass das nicht vorher auffällt?

    Hier muss es eigentlich wegen 1. Fleiß und 2. Blödheit der Kontrolleure beim Pfandsystem einen Strafnachlass geben. ;-)

    • 05.04.2018 22:44, AFD WÄHLER

      Lto-Redaktion bitte nennen sie die Nationalität von den Verbrecher. Man kann sich denken wo so jemand herkommt.

  • 04.04.2018 19:01, GrafLukas

    Selbst wenn der das jeden Tag gemacht hat, wären das für den angegebenen Zeitraum ungefähr 16.000 Flaschen, wenn man von 300 Tagen ausgeht und der wirklich jeden Tag "gearbeitet" hat. Selbst wenn er 12 Stunden so "gearbeitet" hat bedeutet das noch 666 Flaschen pro Stunde pro Automat, also 11 Flaschen pro Minute pro Automat. Das ist zu schaffen, aber schon Stress. Das geht aber nicht unauffällig nebenbei. Irgendwas kann da nicht stimmen.

  • 04.04.2018 19:27, DS

    Ich habe gerade am Getränkeautomat die Zeit gemessen, die der Scan Vorgang und der Tranport durch den Automaten dauert. Ich komme im Durchschnitt auf 5 Sekunden pro Flasche.
    Um 1.200.000,- zu erbeuten müssen also 4.800.000 Flaschen gescannt werden. Das nimmt dann etwa 24.000.000 Sekunden in Anspruch. Macht umgerechnet 6.666 Stunden. Bei einem 12 Stunden Arbeitstag müsste der arme Kerl 555 Tage arbeiten. Diese standen im im fraglichen Zeitraum aber gar nicht zur Verfügung. Nicht vergessen werden darf die Zeit, in der die Flaschen vom hinteren Ende des Automaten wieder nach vorne gebracht werden müssen, die Zeit die zum Bon drucken, Rollenwechsel für die Bons usw benötigt werden. Durften eigentlich auch Kunden den Automaten nutzen?

    Ist schon was dran, das diejenigen unter uns zur Staatsanwaltschaft gehen, die in Matte völlig versagt haben.

    • 04.04.2018 19:53, JL

      Erstens geht es um zwei Automaten, was Sie offensichtlich überlesen haben.

      Zweitens fehlen Informationen darüber, wie genau die Automaten umgebaut/manipuliert waren und von wem und zu welchen Zeiten sie genutzt wurden ("Nachtschichten"? Rücklaufschiene? Dauer des Scanvorgangs? Zusätzliches Personal?).

    • 04.04.2018 20:16, DS

      @JL Da offensichtlich nur eine Person angeklagt wurde, muss davon ausgegangen werden das auch nur eine Person gehandelt hat. Auch das vorhanden sein des zweiten Automaten dürfte nichts an der Unmöglichkeit der vorgeworfen Tat ändern, es sei denn der Angeklagte kann sich in zwei handelnde Personen teilen. Technische Umbauten, die die Pfandflaschen automatisch transportieren dürften ebenfalls ausscheiden, lt. Bericht befanden sich die Automaten in einem öffentlich zugänglichen Getränkehandel. Zudem darf nicht vergessen werden, dass die Pfandautomaten für einen, wie hier unterstellten, Dauerbetrieb ungeeignet sind. Handelt wie Staatsanwaltschaft mal wieder nach dem Motto - erst mal anklagen, irgend etwas wird schon hängenbleiben?

    • 04.04.2018 22:36, ReisenderAmBER

      Die NichtMATTEmatiker werden Anwalt ...

    • 05.04.2018 09:10, F...

      Vielleicht hat er ja immer wieder Kästen eingestellt, die bringen mehr auf einmal. Allerdings glaube ich nicht, dass die Flaschen aus Kästen in der Regel vom Automaten zerstört werden?

    • 05.04.2018 11:17, Jens

      Okay, Sie halten die StA für zu blöde, Ihre hochgeistigen Überlegungen selbst angestellt zu haben, und das Gericht war es beim Eröffnen des Verfahrens ja offenkundig auch.
      Sie können aber weder das Wort "Mathe(matik)" noch "Vorhanden sein" (Nomen!) richtig schreiben. Von Jura haben Sie so viel Ahnung, dass Sie glauben, wenn nur eine Person angeklagt wird, kann auch nur eine der Täter sein (was Käse ist, wenn zum Beispiel Mittäter nicht ermittelt werden konnten, flüchtig sind, Verfahren abgetrennt, aus Opportunitätsgründen eingestellt wurden...). Und dass zwei Automaten nicht von einer Person befüllt werden können, ist ebenfalls Unsinn, mein 6jähriger Sohn zumindest schafft das, sogar aus dem Einkaufswagen heraus.
      Und das mit dem "öffentlich zugänglich" sollten Sie vielleicht auch noch einmal überdenken, der Angeklagte war doch offenkundig der GeFü des Handels!

    • 05.04.2018 11:22, DS

      Wie war das mit den getroffenen Hunden.......

    • 05.04.2018 11:56, Jens

      Ist Ihre Vorstellungswelt ernsthaft so bunt, dass Sie glauben, ich bin der Anklageverfasser und kommentiere hier lustig unter den lto-Artikeln?

  • 05.04.2018 13:02, honsfeld

    Wie steht es um die obigen Berechnungen zum Tathergang, wenn der Angeklagte einarmig sein sollte?

    • 05.04.2018 14:34, Harald

      Dann müsste er mindestens noch einen gehbehinderten Blinden als Mittäter gehabt haben.

  • 29.04.2018 13:30, Unbekannt

    Betrug? Es ist mir nicht einleuchtend wem gegenüber eine Täuschung getätigt worden ist bzw. inwiefern ein Irrum bejaht wurde.