LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Baden-Württemberg will Sargpflicht abschaffen: Parteien einig über Änderung des Bestattungsrechts

29.01.2014

Seltene Eintracht im Landtag: Über die Aufhebung der Sargpflicht für Muslime sind sich alle Fraktionen im baden-württembergischen Landtag einig. Das wurde bei der Einbringung des Gesetzentwurfs für eine Änderung des Bestattungsgesetzes am Mittwoch deutlich.

Allen gehe es um Toleranz und Wertschätzung, betonte der SPD-Abgeordnete Thomas Reusch-Frey. "Integration darf nicht mit dem Tod enden." Muslimen soll ermöglicht werden, die Verstorbenen ihrem Glauben gemäß im Leinentuch zu bestatten. Bislang lassen sich viele dafür nach dem Tod in ihre Heimat bringen. Auch die Mindestwartezeit von 48 Stunden zwischen Tod und Bestattung soll aufgehoben werden.

Einen ähnliche Gesetzesinitiative hatte es Ende 2012 auch in Hessen gegeben, die jedoch bislang nicht umgesetzt wurde.

dpa/mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Baden-Württemberg will Sargpflicht abschaffen: Parteien einig über Änderung des Bestattungsrechts . In: Legal Tribune Online, 29.01.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/10820/ (abgerufen am: 19.09.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 29.01.2014 16:21, Volker Hannen LL.M.

    Eine Mindestwartezeit von 48 Stunden zwischen Tod und Bestattung erscheint aber sinnvoll.
    Zwar kommt es heutzutage wohl kaum noch vor, daß "Scheintote" bestattet werden.
    Aber es sollte allen Angehörigen, also auch solchen die berufstätig sind und weiter entfernt wohnen, eine hinreichende Gelegenheit gegeben werden, an der Beerdigung (oder Feuerbestattung) teilzunehmen.
    Auch im Hinblick auf Fälle, in denen als Todesursache ein Fremdverschulden (etwa fehlerhafte ärztliche Behandlung) objektiv nicht völlig ausgeschlossen werden kann, aber weder von den trauernden allernächsten Angehörigen, noch von dem den Totenschein ausstellenden (Not-)Arzt in Betracht gezogen wird, erscheint eine "Beseitigung" der Leiche (welche in einem etwaigen Arzthaftungsprozess Beweismittel sein könnte) sofort unmittelbar nach Todesfeststellung doch bedenklich.
    Dagegen besteht für eine unmittelbar auf den Tod (in weniger als 48 Stunden) erfolgende sofortige Bestattung zumindest im Normalfall (Pesttote gibts ja heutzutage eher selten) wohl kein nachvollziehbares Bedürfnis.