Druckversion
Samstag, 10.10.2026, 01:02 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/lag-duesseldorf-urteil-14sa33417-haftet-kassiererin-fuer-herausgabe-von-124-prepaidkarten-spoofing-betrug-anruf
Fenster schließen
Artikel drucken
24195

LAG Düsseldorf zum "Spoofing": Tele­fo­ni­sche Wei­ter­gabe von Pre­paid-Codes nicht grob fahr­lässig

29.08.2017

Prepaidkarten

© chere- stock.adobe.com

Eine Kassiererin gab am Telefon die Codes für 124 Prepaidkarten heraus. Durch die Anrufe, bei denen es sich um einen Betrug handelte, entstand ein Schaden in Höhe von 3.720 Euro. Die Versicherung darf die Frau aber nicht in Regress nehmen.

Anzeige

Gibt eine Kassiererin am Telefon 124 Telefonkarten heraus, ist ihr Verhalten nicht unbedingt als grob fahrlässig einzustufen, entschied das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf (Urt. v. 29.08.2017, Az. 14 Sa 334/17).

Die Frau arbeitete als Kassiererin an einer Tankstelle. Bei ihrer Einarbeitung teilte man ihr die Anweisung mit, Telefonkarten nicht am Telefon herauszugeben – was sie dennoch tat: An einem Septemberabend erhielt die Angestellte einen Anruf von einer männlichen Person, die sich als Mitarbeiter einer Telefongesellschaft ausgab. Er erklärte, dass eine Systemumstellung vorgenommen werden sollte. Damit sei eine andere Firma, nämlich diejenige, die für die Betreuung des gesamten Betriebssystems der Tankstelle zuständig ist, beauftragt.

Wie angekündigt, erhielt die Kassiererin kurz danach einen weiteren Anruf von einer anderen männlichen Person, die sich als Mitarbeiter der beauftragten Firma ausgab. Weil diese angab, dass sämtliche 30-Euro-Prepaidtelefonkarten durch neue ersetzt werden müssten, scannte die Mitarbeiterin insgesamt 124 Prepaidkarten zu je 30 Euro ein, druckte die jeweils 14-stelligen Codes aus und gab dem Anrufer sämtliche Prepaid-Codes telefonisch bekannt.

LAG: Mitarbeiterin Betrügern strukturell unterlegen

Später stellte sich heraus, dass es sich bei den Anrufen um einen Fall von sogenanntem Spoofing handelte, bei dem eine falsche Telefonnummer des Anrufers angezeigt wurde. Den durch den Betrug entstandenen Schaden in Höhe von 3.720 Euro erstattete die Versicherung der Tankstellenbetreiberin. Von der Angestellten verlangte die Versicherung diese Summe aber zurück.

Ohne Erfolg, wie nun das LAG Düsseldorf entschied. Die Versicherung habe die arbeitsvertragliche Ausschlussfrist nicht gewahrt. Deshalb komme eine Haftung der Kassiererin nur noch bei grober Fahrlässigkeit in Betracht, was in ihrem Fall aber zu verneinen sei. Die Frau habe in der konkreten Situation die erforderliche Sorgfalt nicht in ungewöhnlich hohem Maße verletzt und nicht das verkannt, was jedem hätte sofort einleuchten müssen. In der doppelten Anrufsituation habe sie sich gegenüber den Anrufern nämlich in einer strukturellen Unterlegenheit befunden.

Ebenfalls berücksichtigte das Gericht einen besonderen Umstand: Bei Eingabe der 124 Karten in das System fragte dieses die Kassiererin – anders als sonst -  nicht, ob die Eingabe aufgrund telefonischer Anfrage erfolgte. Nach den zwei angeblich von der Telefongesellschaft und des Systembetreibers erfolgten Anrufen durfte die Kassiererin jedenfalls aufgrund dieses weiteren Umstandes davon ausgehen, dass alles seine Richtigkeit hatte. Daran ändere sich auch dadurch nichts, dass eine Herausgabe per Telefon generell untersagt war, urteilten die Richter.

nas/LTO-Redaktion

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

LAG Düsseldorf zum "Spoofing": . In: Legal Tribune Online, 29.08.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/24195 (abgerufen am: 10.10.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Arbeitsrecht
    • Zivil- und Zivilverfahrensrecht
    • Arbeitsvertrag
    • Betrug
    • Haftung
    • Straftaten
  • Gerichte
    • Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Bahn-Mitarbeiter und Bundespolizisten gedenken des bei nach einem Angriff verstorbenen Zugbegleiters aus Rheinland-Pfalz, 04.02.2026. 09.10.2026
Straftaten

Gesetzentwurf zum strafrechtlichen Schutz des Gemeinwesens:

Sind manche Berufe wich­tiger als andere?

Die Bundesregierung plant eine erneute Verschärfung des Strafrechts. Nicht zum ersten Mal sollen bestimmte Berufsgruppen dabei besonders geschützt werden. Ist diese Sonderbehandlung richtig? Christian Rühs hat Zweifel.

Artikel lesen
Eine Reihe Autos in einer Tiefgarage 09.10.2026
Waffen

BGH zum Waffenstrafrecht:

Schlag­ring auch in Hand­schuh­fach straf­bares "Führen" einer Waffe

Ein Schlagring im Handschuhfach, das Auto in einer Tiefgarage abgeschlossen und nur für Hausbewohner zugänglich: Und trotzdem wurde ein Mann wegen des “Führens” einer Waffe verurteilt. Zu Recht, meint jetzt der BGH.

Artikel lesen
Ein vergrabener 500 Euro Schein 08.10.2026
Bewährung

OLG Frankfurt sieht negative Legalprognose:

Wer seine Mil­lionen-Beute nicht preis­gibt, bleibt in Haft

Wo sind die 2,3 Millionen Euro? Wegen 458 Betrugsfällen wurde ein Mann zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Weil er den Behörden nicht verrät, wo die Beute ist, muss er die Strafe vollständig absitzen.

Artikel lesen
Stephan Hensel (r), Ex-Mann von C. Block, deutsche Gastronomin und Unternehmerin, sitzt im Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung im Landgericht neben Philip von der Meden, Verteidiger von Hensel. 06.10.2026
Christina Block

Block-Prozess Tag 80:

"Per­ver­tie­rung des deut­schen Rechts"

Am 80. Prozesstag nimmt der Prozess wieder Fahrt auf. Ex-Mann Hensel will nicht aussagen, obwohl er zuvor im Zeit-Podcast sprach. Kann Hensel trotz des Ehekriegs die Aussage verweigern? Und muss nun die Zeit-Journalistin vor Gericht aussagen?

Artikel lesen
Ansicht des Meeres, auf dem ein Blubbern aus dem Wasser zu sehen ist: In der Tiefe liegt die gesprengte Pipeline 06.10.2026
Terrorismus

Prozess um Sprengung der Nord-Stream-Pipelines:

Gaz­prom-Töchter nicht als Neben­kläger zuge­lassen

Das Hanseatische Oberlandesgericht hat die Nebenklage der Nord-Stream-Betreiberinnen abgewiesen und klar gemacht, dass der Strafprozess nicht dazu gemacht ist, wirtschaftliche Interessen zu verfolgen oder politische Aufarbeitung zu leisten.

Artikel lesen
Ein Auto auf einer Straße mit kaputter Front 02.10.2026
Straßenverkehr

Bundesjustizministerium legt Referentenentwurf vor:

Neue Regeln für Haf­tung bei Ver­kehr­s­un­fällen

Mit Neuerungen für Verkehrsunfälle mit Leasingfahrzeugen, Auto-als-Tatwaffe-Fällen und höheren Haftungshöchstgrenzen und Mindestversicherungssummen will das BMJV Opfer von Verkehrsunfällen besser schützen.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Rheda-Wiedenbrück
Ab­tei­lungs­lei­tung Recht und Ge­mein­de­ver­fas­sung (m/w/d)

Rheda-Wiedenbrück, Rhe­da-Wie­den­brück

Logo von Taylor Wessing
As­so­cia­te Ar­beits­recht Schwer­punkt Fremd­per­so­na­l­ein­satz und...

Taylor Wessing, Düs­sel­dorf

Logo von White & Case
Rechts­an­wäl­tin / Rechts­an­walt (m/w/d), Re­struk­tu­rie­rung & In­sol­venz

White & Case, Düs­sel­dorf

Logo von WTW & Kollegen
Rechts­an­walt/Rechts­an­wäl­tin

WTW & Kollegen, Mün­chen

Logo von becker bohn rechtsanwälte
Rechts­an­walts­fach­an­ge­s­tell­te (m/w/d)

becker bohn rechtsanwälte, Stutt­gart

Logo von TowaRA:Arbeitsrecht
Rechts­an­walt (m/w/d) im Ar­beits­recht mit und oh­ne Be­ruf­s­er­fah­rung

TowaRA:Arbeitsrecht, Köln

Logo von Otto & Partner
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (m/w/d) für Ar­beits­recht

Otto & Partner, Kas­sel

Logo von Deutsches Patent- und Markenamt
Voll­ju­ris­tin­nen und Voll­ju­ris­ten (w/m/div)

Deutsches Patent- und Markenamt, Mün­chen

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Arbeitsrechtliche Herausforderungen für Arbeitgeber im Zusammenhang mit Schwerbehinderte

12.10.2026

Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Legal-Frühstück: Personalkosten senken und Restrukturierungen umsetzen in Deutschland und China

13.10.2026, Düsseldorf, Nürnberg, München, Frankfurt am Main, Hamburg

Man wird ja wohl noch flirten dürfen? Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

13.10.2026, Bonn

Statusfeststellung und Betriebsprüfung-Aktuelle Herausforderungen für Arbeitgeber und Soloselbststän

14.10.2026

Sonderkündigungsschutz

14.10.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH