Der Mitangeklagte und in Untersuchungshaft befindliche Tal S. gibt an, die Block-Kinder nur gerettet haben zu wollen. Er übernahm für die Entführung volle Verantwortung und appellierte an den Vater, "Frieden zu stiften".
Am siebten Verhandlungstag im Prozess wegen Kindesentführung gegen Christina Block und sechs weiteren Angeklagten ließ sich der israelisch-portuguiesische Mitangeklagte und ehemalige Agent Tal S. ein. Er erklärte, er habe geglaubt, die Block-Kinder "retten" zu müssen. "Mir wurde gesagt, der Vater sei böse. Das habe ich damals geglaubt", so der Angeklagte am Donnerstag.
Gleichzeitig richtete er einen emotionalen Appell an Blocks Ex-Ehemann Stephan Hensel, den Vater der Kinder und Nebenkläger im Verfahren: "Er soll dem Krieg zwischen den Eltern ein Ende setzen. Er soll Frieden stiften." Hensel war an diesem Prozesstag nicht im Gerichtssaal anwesend.
Anwerbung durch Sicherheitsfirma
S. schilderte in seiner Einlassung, wie er in Kontakt mit den mutmaßlichen Organisatoren der Tat kam. Nach eigenen Angaben hatte er in Israel zunächst für einen staatlichen Energieversorger gearbeitet, wo er bis zuletzt als Ermittler gegen Stromdiebstahl eingesetzt war. Parallel dazu habe er seit Jahren intensiv Kampfsport betrieben.
Über einen Freund sei er schließlich an den Leiter einer israelischen Sicherheitsfirma vermittelt worden – jene Firma, die nach Auffassung der Anklage maßgeblich die Entführung der Block-Kinder geplant und durchgeführt haben soll. Dieser habe ihm die Beteiligung an einer Aktion angeboten, die als "Rettung der Kinder" bezeichnet worden sei. Geld sei für S. nicht ausschlaggebend gewesen. "Helfen war meine Motivation", sagte der Angeklagte.
Vorbereitungen im Vorfeld der Entführung
Laut Focus schilderte S. auch die Vorbereitung der Tat. Er erklärte demnach, dass er vor dem 28. Dezember 2023 noch nie in Hamburg gewesen sei. Am 29. Dezember hätten die Beteiligten Autos gemietet, um die Umgebung und Distanzen zu prüfen. Ziel sei es gewesen, die Ortschaften und die Fahrstrecken zu verstehen und einzuschätzen, wie lange die einzelnen Wege dauern würden.
Am 30. Dezember sei schließlich ein Probelauf durchgeführt worden, "um genau zu prüfen, ob der ausgedachte Plan wirklich funktionieren könnte". Dabei habe es auch die Aufgabe gegeben, Stephan Hensel, dessen Lebensgefährtin Astrid Have sowie die Kinder zu beobachten, erklärte S. vor Gericht.
Die Idee sei gewesen, dass Hensel und Have müde und betrunken vom Silvesterfest zurückkommen und sie sodann einfacher unter Kontrolle zu bringen seien.
Ablauf der Tatnacht
Auf Anweisung der Sicherheitsfirma habe S. die Rolle übernommen, Hensel im Moment der Tat außer Gefecht zu setzen, wörtlich: "zu neutralisieren". Dies sei einfacher gelungen, da Hensel sich ohne Have mit den entführten Kindern draußen befunden habe. "Das Erste, was ich gemacht habe: Ich sprang auf den Vater", schilderte er vor Gericht. Während Hensel am Boden lag, seien die Kinder bereits ins Auto gebracht worden. Sodann sei er selbst zu einem wartenden Auto gesprintet.
S. selbst sei anschließend in ein weiteres Fahrzeug gestiegen. Gemeinsam sei die Gruppe in Richtung deutsch-dänische Grenze geflohen und habe sich dort in einem Waldgebiet aufgehalten. Ob die Sicherheitsfirma einen offiziellen Auftrag für die Aktion hatte, ließ der Angeklagte offen. "Meinen Anteil habe ich gemacht", weiter könne er dem Gericht nicht helfen, "selbst wenn ich es möchte."
Einer zentralen Aussage der entführten Tochter trat S. entschieden entgegen. Die damals 13-Jährige soll ihn im Auto mit hoher Wahrscheinlichkeit wiedererkannt haben. "Das kann nicht sein", erklärte er. Er sei als Letzter ins hinterste Auto der Kolonne gestiegen, um das Geschehen hinter den Fahrzeugen im Blick zu behalten.
Nach Angaben des Focus beschrieb der Angeklagte das Vorgehen im Wald: Nach etwa zehn Minuten Fahrt seien die Beteiligten ausgestiegen. Ihm sei dabei wichtig gewesen, den Kindern von Block zu sagen, "dass wir eigentlich da sind, um sie zu retten." Dazu hätten sie ihre Masken abgenommen und einen Deutschen dabei gehabt, der dies den Kindern vermitteln sollte. Zeit, den Kindern alles genau zu erklären, habe dennoch gefehlt, weshalb der Block-Sohn wie ein Sack getragen worden sei. S. habe zudem angemerkt: "Jeder Mensch erwartet insgeheim, dass wenn man einen befreit, dass man danke sagt. Aber das war nicht der Fall. Meine Erinnerung war, dass die Kinder gebrainwashed waren." Das kurz darauf erfolgte Wiedersehen Blocks mit ihren Kindern sei emotional ergreifend gewesen.
10.000 Euro für den Job
Den Teilnehmern an der Entführung seien jeweils 10.000 Euro in Aussicht gestellt worden, erklärte S. weiter vor Gericht. Er selbst habe auf das Geld verzichtet. Für ihn sei die Aktion eine Gelegenheit gewesen, eine gute Tat zu tun. Er habe die Kinder vor dem "bösen" Vater retten wollen. "Ich fühlte mich wie Superman."
Auf Nachfrage des Gerichts erklärte, er glaube, es sei legal, Menschen aus einer Gefahrenzone zu befreien. Er würde den Kindern gern eine Aussage vor Gericht ersparen. In Israel gebe es Terroristen, die sich hinter Kindern versteckten, damit man nicht auf sie schießt. Um die Block-Kinder zu beschützen, werde er sich vor sie stellen und alle Fragen vor Gericht beantworten, auch wenn es für ihn zum Nachteil sein sollte, so der Angeklagte. Gegenüber der Kammer äußerte er: "Bestrafen Sie mich".
S. war im September 2024 auf Zypern verhaftet und nach Hamburg überstellt worden. Seit November sitzt er dort in Untersuchungshaft.
Ursprünglich waren für den Block-Prozess 37 Verhandlungstage vorgesehen. Am Donnerstag verkündete das Gericht zwanzig weitere Termine von Januar bis März 2026. Prozessende soll zum jetzigen Stand der 31. März 2026 sein.
Mit Material der dpa
Ex-Agent lässt sich im Block-Prozess ein: . In: Legal Tribune Online, 28.08.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58020 (abgerufen am: 18.01.2026 )
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