Druckversion
Samstag, 14.02.2026, 14:17 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/innenminister-konferenz-sicherheit-terror-polizeigesetz-messenger-dienste
Fenster schließen
Artikel drucken
23194

Innenministerkonferenz: Ein­heit statt Fli­cken­tep­pich

14.06.2017

Thomas de Maizière

Olaf Kosinsky, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0; Zuschnitt und Skalierung durch LTO

Terrorismus und islamistische Gefährder waren auch auf der Frühjahrstagung der Innenminister am Mittwoch mal wieder ein Thema. Bundesinnenminister Thomas de Maizière zeigte sich mit den dort gefassten Beschlüssen zufrieden.

Anzeige

Terror, Islamismus und organisierte Kriminalität standen ganz oben auf der Tagesordnung bei der Frühjahrstagung der Innenministerkonferenz am Mittwoch in Dresden. Dabei bekräftigten die Ressortchefs, zahlreiche Befugnislücken im Bereich der inneren Sicherheit schließen zu wollen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach im Anschluss von einem Durchbruch und erklärte gleich, worum es ihm vor allem ging: "Wir brauchen keinen Flickenteppich bei der inneren Sicherheit". Harmonisierung und Zentralisierung sind schon länger ein Thema des Christdemokraten, nicht zuletzt seit dem Terroranschlag auf den Berliner Breitscheidplatz im vergangenen Dezember - dafür erhielt er oft auch Gegenwind.

Mit seinen Amtskollegen aus den Bundesländern war er sich am Mittwoch aber offenbar weitgehend einig. Man rücke nun enger zusammen, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Er schloss sich dem Bestreben von de Maizière an, für mehr Harmonisierung im Polizeirecht zu sorgen. Helfen soll dabei ein Muster-Polizeigesetz, wie es schon in den 70er Jahren existierte. Daran sollen sich nach dem Wunsch der Minister künftig alle einschlägigen Landesgesetze orientieren. Der von Thomas de Maizière kritisierte "Flickenteppich" soll so geschlossen werden.

Zugriff auf Messenger-Dienste soll möglich werden

Doch die Vereinheitlichung existierender Normen ging den Ressortchefs nicht weit genug. Man will den Sicherheitsbehörden in vielen Bereichen weitreichendere Befugnisse als bisher einräumen. Dazu gehört zum einen die Forderung, dass Ermittler zur Verfolgung schwerer Straftaten künftig auf Messenger-Dienste wie Whatsapp zugreifen dürfen.

"Das bedeutet zum Beispiel, dass man die Behörden rechtlich und technisch in den Stand versetzen muss, unter den gleichen Bedingungen, wie man ein Telefon oder eine SMS abhört, auch Informationen und Nachrichten auf Messenger-Diensten abgreifen zu können", so de Maizière.

Ebenso soll bei DNA-Analysen auch die Feststellung des Alters, der Hautfarbe, der Augenfarbe und der Herkunft erlaubt werden. Diese Eingrenzung soll gezieltere Stichproben ermöglichen und den Behörden Zeit und Aufwand ersparen. Um Doppelidentitäten in Asylverfahren besser aufdecken zu können, wurde zudem beschlossen, die Altersgrenze zur Abnahme von Fingerabdrücken bei Flüchtlingskindern von derzeit 14 auf 6 Jahre zu senken.

Des Weiteren kündigten die Minister an, Großveranstaltungen durch eine strengere Kontrolle von Hilfskräften künftig besser sichern zu wollen. "Ziel muss sein, dass jede Zugangsberechtigung etwa für Aufbauhelfer für das Veranstaltungsgelände künftig mit einem Lichtbild versehen wird, so dass eine eindeutige Identifizierung der Personen möglich ist", sagte Innenminister Roger Lewentz (SPD) aus Rheinland-Pfalz. Die Maßnahme steht im Kontext der Ereignisse beim Musikfestival "Rock am Ring", welches wegen Terrorverdachts zwischenzeitlich abgebrochen werden musste.

Waffenverbot für Reichsbürger

Aus dem Berliner Anschlag dagegen hat man die Konsequenz gezogen, dass die bestehenden Verfahren zur Einstufung von Gefährdern nicht ausreichen. Deshalb will man dem Bundeskriminalamt (BKA) nun ein neues Analysemodell zur Verfügung stellen, auf dessen Grundlage Gefährder künftig besser eingestuft werden könnten. Maßnahmen sollen dann im gemeinsamen Terrorabwehrzentrum von Bund und Ländern abgesprochen und danach umgesetzt werden.

Dass Extremisten nicht nur aus der islamistischen Szene kommen, ist bekannt. Neu ist, dass auch die sogenannten Reichsbürger mitunter in diese Gruppe fallen. Für sie forderten die Innenminister einhellig ein generelles Waffenverbot. Zum Bedauern der SPD-geführten Länder konnte man sich aber nicht darauf verständigen, schon bei Erteilen einer waffenrechtlichen Erlaubnis eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz zu stellen. Dies führe dazu, "dass zufällig abgefragt wird, wer von den Waffenscheininhabern Extremist ist. In der Zeit hat der aber schon eine Waffe", meinte der niedersächsische Sozialdemokrat Boris Pistorius.

In einem Punkt konnte sich denn auch die Union nicht durchsetzen: Die umstrittene Schleierfahndung fand bei den Kollegen aus den Bundesländern Bremen, Berlin und Nordrhein-Westfalen keine Unterstützung. In allen anderen Ländern ist ihre Durchführung bereits möglich. Die unionsgeführten Länder beschränkten sich daher darauf, eine Protokollnotiz abzugeben und die Bedeutung der Schleierfahndung noch einmal zu betonen.

dpa/mam/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Innenministerkonferenz: . In: Legal Tribune Online, 14.06.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/23194 (abgerufen am: 19.02.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Polizei- und Ordnungsrecht
    • Strafrecht
    • Öffentliches Recht
    • Anti-Terror-Gesetze
    • Innere Sicherheit
    • Organisierte Kriminalität
    • Polizei
    • Terrorismus
Vermummte Polizisten tragen nach der Durchsuchung eines Objektes am 03.12.2015 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) einen Server und einen Karton mit Beweismitteln. 18.02.2026
Durchsuchung

Trotz strenger Rechtslage:

Warum werden immer wieder rechts­widrig Anwalts­kanz­leien durch­sucht?

Es kann der Super-Gau für Anwälte und Mandanten werden: Trotz bekannter Rechtslage erklären Gerichte Durchsuchungen in Kanzleien nachträglich für rechtswidrig. Tendenz steigend, so Beobachter. Das BVerfG warnt; das BMJV plant eine Gesetzesänderung.

Artikel lesen
Frauen warten hinter Gittern in einem medizinischen Zentrum im Lager al-Hol. 13.02.2026
Extremismus

Was tun die Justiz und Behörden?:

Haft vieler deut­scher IS-Rück­kehrer:innen läuft aus

Die Haftstrafen vieler IS-Rückkehrer:innen sind im Begriff auszulaufen. Was passiert jetzt? Das hat eine Studie erforscht. Was funktioniert, wo es hakt – und was ist mit den IS-Anhänger:innen, die noch gar nicht zurückgekehrt sind?

Artikel lesen
Ein betrunkener Mann feiert. 11.02.2026
Polizei

VG Gelsenkirchen zu Polizeieinsatz:

Inge­wahr­sam­nahme von Musikbox samt Mann war zu viel

Ein Mann feierte lautstark bis nach Mitternacht seinen Geburtstag. Als es nicht ruhiger wurde, nahm die Polizei ihn und seine Musikbox mit zum Revier. Das VG Gelsenkirchen zu Eingriffsbefugnissen und Verhältnismäßigkeit.

Artikel lesen
Ein Versammlungsteilnehmer in Polen hält ein kleines Plakat hoch, auf dem steht: "From the River to the Sea." 10.02.2026
Antisemitismus

Verfassungsbeschwerde anhängig:

Erstes Ober­lan­des­ge­richt hält "From the River to the Sea” für strafbar

Noch immer herrscht Ungewissheit: Ist "From the River to the Sea" eine strafbare Hamas-Parole? Das hat nun erstmals ein OLG bejaht, ein weiteres neigt dazu. Derweil gehen die Blicke nach Karlsruhe – sowohl zum BGH als auch zum BVerfG. 

Artikel lesen
Seitenansicht auf einen deutschen Bundeswehrsoldaten in Uniform. 10.02.2026
Bundeswehr

BVerwG zur Verfassungstreue:

Rechts­rock-CDs machen Sol­daten nicht zum Ver­fas­sungs­feind

Ein Berufssoldat besitzt mehrere CDs mit rechtsextremen Inhalten, die er auch gerne hört. Das aber reicht laut Bundesverwaltungsgericht nicht, um Zweifel an seiner Verfassungstreue aufkommen zu lassen. 

Artikel lesen
Mitglieder der Revolutionsgarden bei einer Militärparade am 21.09.2024. 05.02.2026
Terrorismus

Mehr als eine Sanktion:

Was bedeutet die Ter­r­or­lis­tung von Irans Revo­lu­ti­ons­garden?

Als Reaktion auf die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen hat die EU Irans Revolutionsgarden als Terrororganisation eingestuft. Eva Ghazari-Arndt erklärt, inwiefern die Folgen über bisherige Sanktionen hinausgehen.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Ihre Kanzlei: Top oder Flop?

Zur Umfrage
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von WWP Rechtsanwälte
Rechts­an­wäl­te (m/w/d)

WWP Rechtsanwälte , Kiel

Logo von Wolfgang Metzner GmbH & Co KG
Fach­lek­tor (m/w/d)

Wolfgang Metzner GmbH & Co KG , Ber­lin

Logo von Oppenhoff
Som­mer­u­ni 2026

Oppenhoff , Köln

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Sta­de

Logo von Wolfgang Metzner GmbH & Co KG
Ju­nior Lek­tor (m/w/d)

Wolfgang Metzner GmbH & Co KG , Ber­lin

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von Bundeskartellamt
Voll­ju­ris­tin bzw. Voll­ju­rist (w/m/d) für ver­schie­de­ne...

Bundeskartellamt , Bonn

Logo von REDEKER SELLNER DAHS
Re­fe­ren­da­rin­nen/Re­fe­ren­da­re

REDEKER SELLNER DAHS , Mün­chen

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Networking-Trainingsabend: Strategisch neue Kontakte knüpfen

19.02.2026

Logo von Hengeler Mueller
Ladies Dinner@hengeler

06.03.2026, Düsseldorf

Data Import and Export Control: The (Future) Regulation of Global Data Flows

19.02.2026, Bonn

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Zollrecht

19.02.2026

§ 15 FAO - Aktuelles Insolvenzanfechtungsrecht

19.02.2026, Hamburg

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH