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Datenschützer erheben Verfassungsbeschwerde: "Hes­sen­tro­janer" beim BVerfG

03.07.2019

Laptop und trojanisches Pferd

© fotomek - stock.adobe.com

In Hessen regt sich Widerstand gegen das novellierte Polizeigesetz. Bürgerrechtler und Datenschützer sehen bei den darin verankerten Überwachungsmethoden die Privatsphäre in Gefahr und haben Verfassungsbeschwerde erhoben.

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Rund ein Jahr nach seinem Inkrafttreten haben Bürgerrechtler und Datenschützer beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde gegen das novellierte hessische Polizeigesetz erhoben. "Im neuen Polizeigesetz greifen wir zwei Neuregelungen an", sagte die Juristin der Gesellschaft für Freiheitsrechte, Sarah Lincoln, am Dienstag in Wiesbaden. Im Fokus stehen demnach die Analysesoftware "Hessendata" und der Einsatz von Online-Durchsuchungen mittels sogenannter Staatstrojaner - auch als "Hessentrojaner" bekannt. Zudem richtet sich die Verfassungsbeschwerde gegen das Verfassungsschutzgesetz Hessen.

Mit der Mehrheit der Regierungskoalition von CDU und Grünen hatte der hessische Landtag im Sommer 2018 diese neuen Überwachungsinstrumente für die Sicherheitsbehörden im Polizeigesetz verankert. Dazu gehört unter anderem der Einsatz von staatlicher Spionage-Software auf Computern. Bei einer Online-Durchsuchung werden Computer von Verdächtigen mit einem Staatstrojaner verdeckt überwacht. Dazu wird eine geheimgehaltene Sicherheitslücke genutzt.

Für den Einsatz des Staatstrojaner gilt, dass eine "konkrete Verhinderung schwerster Straftaten gegen Leib, Leben und Freiheit" vorliegen muss - oder, wenn Attacken auf existenzielle Einrichtungen wie Kliniken, die Wasserversorgung oder Kraftwerke zu befürchten sind. Notwendig ist aber, dass vorher sowohl für die Datenerhebung als auch für die Datenverwertung ein Richter zugestimmt hat.

"Hessentrojaner" und "Hessendata" greifen in die Privatsphäre ein

"Das gefährdet unser aller IT-Sicherheit", erklärte Lincoln. Dieselben Sicherheitslücken könnten auch von Cyberkriminellen oder ausländischen Geheimdiensten genutzt werden, fürchten die Beschwerdeführer. Sie verlangen daher die Lücken in IT-Systemen zu beseitigen, statt sie für Staatstrojaner zu nutzen. Außerdem stelle der Einsatz einen massiven Eingriff in die Privatsphäre dar. 

Bei der Analysesoftware "Hessendata" fürchten die Datenschützer, dass die Sicherheitsbehörden umfangreiche Persönlichkeitsprofile erstellen könnten. Die Plattform ermöglicht Ermittlern, Informationen aus bestehenden Polizei-Datenbanken mit weiteren Daten Dritter zu verknüpfen, um Ermittlungsansätze zu erhalten. "Verdächtige werden so schnell zum gläsernen Menschen", kritisierte Lincoln.

Das Innenministerium steht weiter hinter der Novelle. "Terroristen und Kriminelle vernetzen sich über verschlüsselte Kommunikation und planen ihre Straftaten auch mit digitalen Hilfsmitteln", erklärte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU). Daher müssten Sicherheitsbehörden die notwendigen Mittel zur Hand haben, um schwerste Straftaten möglichst frühzeitig zu verhindern.

Gewerkschaft der Polizei sieht Verfassungsrecht gewahrt

Rückendeckung kam auch von der Gewerkschaft der Polizei in Hessen. Mit den Analyse- und Überwachungsinstrumenten arbeite die Polizei "gut und erfolgreich", sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Jens Mohrherr: "Wir halten uns an Recht und Ordnung und gehen davon aus, dass das Verfassungsrecht gewahrt ist."

Unterstützung bekam die Verfassungsbeschwerde dagegen etwa von den Fraktionen der FDP und der Linken im hessischen Landtag. Das Landespolizeigesetz gehe weit über das notwendige und verfassungsrechtlich gebotene Maß hinaus, klagte der parlamentarische FDP-Geschäftsführer Jürgen Lenders.

Der rechtspolitische Sprecher der Linken, Ulrich Wilken, bedankte sich bei den sieben Beschwerdeführern für ihren Mut und ihr Engagement, die Verfassungsbeschwerde voranzubringen. Zu diesem Kreis zählen unter anderem die Friedensaktivistin Silvia Gingold und die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz.

Aus Hessen kommen nun insgesamt zwei Verfassungsbeschwerden. Bereits am vergangenen Wochenende hatte auch die hessische Piratenpartei angekündigt, am gestrigen Dienstag gegen den im Polizeigesetz ermöglichten Einsatz von Spionage-Software Beschwerde einzureichen.

dpa/mgö/LTO-Redaktion

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Datenschützer erheben Verfassungsbeschwerde: . In: Legal Tribune Online, 03.07.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/36243 (abgerufen am: 17.10.2026 )

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