Druckversion
Dienstag, 9.12.2025, 05:04 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/hass-kommentare-bundesregierung-auf-anfrage-gruenen-keine-neuen-gesetze
Fenster schließen
Artikel drucken
18917

Umgang mit Hate Speech im Social Web: Bun­des­re­gie­rung plant keine schär­feren Gesetze

von Ulf Nadarzinski

30.03.2016

Hasskommentare

© 2jenn - Fotolia.com

Wie der Antwort auf eine Anfrage der Grünen zu entnehmen ist, plant die Bundesregierung wohl keine neuen Maßnahmen zur Bekämpfung von Hasskriminalität im Netz. Die bestehende Gesetzeslage reiche aus.

Anzeige

Die Bundesregierung hat auf eine umfassende Anfrage der Fraktion der Grünen zum Umgang mit zunehmenden Hassreden und strafbarer Meinungsäußerung in sozialen Netzwerken geantwortet. Aus den Reaktionen auf die rund 70 Fragen geht hervor, dass die große Koalition die bestehende Rechtslage für ausreichend hält, um Hasskommentare effektiv bekämpfen zu können. Insbesondere will sie die Möglichkeit der Anonymität im Netz nicht abschaffen.

Die Grünen selbst sehen zwar ebenfalls keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf. Es gebe aber gleichzeitig "offensichtliche, ganz erhebliche Defizite bei der Umsetzung des geltenden Rechts" lässt die Fraktion wissen. Dies betreffe konkret die Löschung solcher Inhalte und die effektive Strafverfolgung.

Auch die Bundesregierung findet, dass die bisherigen Bemühungen mancher Plattformanbieter, gegen Hate Speech vorzugehen, oftmals bei Weitem nicht ausreichten. Deswegen setze man sich "mit Nachdruck dafür ein", dass Anbieter eine schnelle und effektive Bearbeitung von Hinweisen auf rechtswidrige Inhalte sicherstellen, um solche Inhalte schneller zu erkennen und sachgerecht bewerten und löschen zu können, heißt es in der Antwort.

Regierung verfolgt "mehrdimensionale Strategie"

Erkenntnisse darüber, wie viele Hass-Posts täglich bei den Betreibern von Facebook, Twitter, Youtube oder Google+ eingehen, hat die Bundesregierung nicht. Sie verweist aber auf "belastbare Zahlen" über Hassinhalte aus einem Monitoring des Portals jugendschutz.net für das Jahr 2014. Demnach seien in mehr als 1.560 Fällen Verstöße registriert worden. Für das Jahr 2015 rechne man mit einer erheblichen Steigerung.

Auf die Frage, ob die Bundesregierung es nicht für eine Selbstverständlichkeit halte, dass Facebook im Zuge der von Justizminister Heiko Maas (SPD) initiierten "Task Force" zu Hate Speech erklärt habe, sich nicht nur an die eigenen Nutzungsbestimmungen, sondern auch an deutsches Recht halten zu wollen, entgegnet diese lediglich, mit den Ergebnissen der Gespräche mit Facebook zufrieden zu sein.

Welchen Plan zur Bekämpfung die Regierung konkret verfolgt, wird aus dem Fragen- und Antwortenkatalog nicht ersichtlich. Man setze auf eine mehrdimensionale Strategie, heißt es. Dazu gehörten die Ahndung strafbarer Äußerungen durch die Strafverfolgungsbehörden, gemeinsame Initiativen mit Plattformbetreibern, die Förderung von Stellen, die Hassreden systematisch recherchieren und die "Aktivierung" von Nutzern, die Stellung gegen solche beziehen. Ein "Notice and Takedown"- Verfahren könne am besten auf europäischer Ebene umgesetzt werden – eine nationale Regelung will die Bundesregierung daher nicht schaffen.

Keine Zahlen zur Arbeit der Strafverfolgungsbehörden

Ob sie die Ansicht der Grünen auch dahingehend teilt, dass es an einer effektiven Strafverfolgung derzeit mangelt, bleibt offen. Hierauf gerichtete Fragen werden nur knapp mit dem Hinweis beantwortet, dass der Bundesregierung keine Statistiken über erfolgte Verurteilungen oder personellen wie auch wie technischen Kapazitäten der Strafverfolgungsbehörden vorlägen. Schließlich sei die Strafverfolgung Ländersache.

Überlegungen, die anonymisierte und pseudonymisierte Nutzung von Social Media einzuschränken, lehnt die Bundesregierung in ihrer Antwort zwar nicht ausdrücklich ab. Sie weist jedoch darauf hin, dass hierdurch der Schutzbereich der Meinungsfreiheit der Nutzer tangiert würde. Die Folge wäre, dass der Einzelne aus Furcht vor Konsequenzen davon absehen würde, seine Meinung zu äußern.

una/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Ulf Nadarzinski, Umgang mit Hate Speech im Social Web: . In: Legal Tribune Online, 30.03.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18917 (abgerufen am: 09.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
    • Facebook
    • Hass-Posts
    • Internet
    • Internet-Kriminalität
    • Politik
    • Straftaten
Gute Laune: Lars Klingbeil und Friedrich Merz bei der Abstimmung über das Rentenpaket im Bundestag. 05.12.2025
Politik

318 Ja-Stimmen:

Bun­destag besch­ließt Ren­ten­ge­setz mit Kanz­ler­mehr­heit

Die lange Zitterpartie ist vorbei. Der Bundestag hat das umstrittene Rentengesetz beschlossen. Kanzler Merz kann aufatmen, auch wenn zunächst noch ein kleiner Rest Unsicherheit bleibt.

Artikel lesen
WhatsApp 04.12.2025
Künstliche Intelligenz

Meta droht Ärger:

EU unter­sucht KI-Zugang zu WhatsApp

Meta will KI-Anbietern Grenzen bei WhatsApp setzen. Die EU-Kommission untersucht jetzt, ob das mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist.

Artikel lesen
Politiker diskutieren intensiv über den gescheiterten "Pakt für den Rechtsstaat" und die neuen Justizstellen. 03.12.2025
Justiz

Bund und Länder uneins über neue Justiz-Stellen:

Eini­gung über 450-Mil­lionen-"Pakt für den Rechts­staat" geplatzt

Eigentlich sollte auf der Ministerpräsidentenkonferenz der "Pakt für den Rechtsstaat" besiegelt werden. Doch Bund und Länder sind sich plötzlich über Details des 450-Millionen-Euro-Deals für Personal und Digitalisierung in der Justiz uneinig.

Artikel lesen
Das Bild zeigt eine städtische Landschaft mit Gebäuden und Bahngleisen, möglicherweise relevant für Immobilienfinanzierung und städtische Entwicklung. 02.12.2025
Geldwäsche

BGH korrigiert LG Berlin in Remmo-Fall:

Ein­zie­hung von dubios finan­zierten Immo­bi­lien doch mög­lich

Die Staatsanwaltschaft Berlin wollte sechs Immobilien mit Millionenwert einziehen, die ein 18-jähriges Mitglied der Remmo-Familie erworben hatte. Das Landgericht lehnte ab. Der BGH stellt klar: Auch legal-illegale Mischfinanzierung reicht aus.

Artikel lesen
Der Musikclub "Eiskeller" unterhalb des Schlosses Aschau im Chiemgau 29.11.2025
Podcast - Die Rechtslage

Freispruch im "Eiskeller"-Mordfall / Extremisten im Referendariat:

Die ver­häng­nis­volle Feh­l­ein­schät­zung von angeb­li­chem "Tät­er­wissen"

Nach Verurteilung nun Freispruch im "Eiskeller"-Mordfall - hat die Justiz versagt? Muss der Staat auch Extremisten zu Juristen ausbilden? Außerdem wie immer Newsrückblick und Urteils-Geräusche-Raten. Alles in Folge 47 des LTO-Podcast.

Artikel lesen
Plakate mit Solidaritätsbekundungen vor dem Gericht. 25.11.2025
Strafprozess

Auftakt am OLG Dresden gegen Antifa-Ost:

Mam­mut­ver­fahren mit 140 Pro­zess­tagen

Sieben mutmaßlichen Linksextremisten wird am OLG in Dresden der Prozess gemacht. Einige vorgeworfene Taten zählen zum Budapest-Komplex, vor allem aber geht es um die so genannte Gruppe Antifa-Ost.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

NEU! Mit LTO Easy Apply so einfach und schnell bewerben wie nie zuvor

Zu den Top Jobs
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern
Re­fe­ren­da­re | Mün­chen

Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern , Mün­chen

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Han­no­ver

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Ver­den (Al­ler)

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Logo von Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat
Voll­ju­ris­ten (m/w/d) – Ih­re Zu­kunft in der hes­si­schen Jus­tiz

Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat , Wies­ba­den

Logo von Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg
Voll­ju­rist:in­nen (m/w/d) - Trainee­pro­gramm für an­ge­hen­de...

Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg , Ham­burg

Logo von Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern
Re­fe­ren­da­re | Frank­furt

Baker McKenzie Rechtsanwaltsgesellschaft mbH von Rechtsanwälten und Steuerberatern , Frank­furt am Main

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Hil­des­heim

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Fachseminare von Fürstenberg GmbH & Co. KG
Libra für Einsteiger & Fortgeschrittene

09.12.2025

Praxisrelevantes Wissen für die Strafverteidigung (5 Zeitstunden)

09.12.2025

Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Get Ready for 2026

10.12.2025

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Sundowner @ Osborne Clarke - Hamburg - Die Winteredition

10.12.2025, Hamburg

Lizenzierung und Nutzung von KI

10.12.2025

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH