Anti-Piraterie-Behörde: Frankreichs "Hadopi" vor dem Aus

06.06.2013

Die französische Behörde "Hadopi", welche gezielt gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vorgeht, wird nach Angaben der zuständigen Ministerin Fleur Pellerin abgewickelt. Auch die Praxis der Netzsperren hat damit in Frankreich wohl ein Ende, wie heise-online berichtet.

Die französische Behörde "Hadopi" (Haute Autorité pour la diffusion des oeuvres et la protection des droits sur l'internet) wurde 2009 eingerichtet, um Urheberrechtsverletzungen im Internet aufzuspüren. Von Oktober 2009 bis Juni dieses Jahres versendete die Behörde über eine Million Warnhinweise an Nutzer, die durch ihr Verhalten auffällig geworden waren. Damit ist offenbar bald Schluss.

Im Mai 2013 gab die Ministerin für Information und digitale Wirtschaft, Fleur Pellerin, bekannt, Hadopi abwickeln zu wollen. Auch der Idee von Netzsperren als Sanktion für Wiederholungstäter erteilte sie eine klare Abfuhr. Ein solche, zwangsweise Trennung vom Internet sei, als wolle man den Menschen den Wasserzugang kappen, wird Pellerin in dem Bericht zitiert.

Letztlich dürften auch Effektivitätsgesichtspunkte eine Rolle gespielt haben, denn die Bilanz der dahinscheidenden Behörde fällt mehr als dürftig aus: Seit 2010 habe es drei Gerichtsverfahren gegeben. In einem Fall habe das Gericht eine Geldstrafe von 150 Euro verhängt. Dem stünden jährliche Kosten in Höhe von zwölf Millionen Euro für 60 Mitarbeiter gegenüber.

una/LTO-Redaktion

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Anti-Piraterie-Behörde: Frankreichs "Hadopi" vor dem Aus . In: Legal Tribune Online, 06.06.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/8858/ (abgerufen am: 18.08.2022 )

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