Andere Bezeichnung, aber nach Einschätzung der Behörden die gleiche Organisation: Bereits kurz nach ihrer Gründung ordnet der NRW-Verfassungsschutz den neuen Landesverband der AfD-Jugend "Generation Deutschland" als Verdachtsfall ein.
Nur wenige Wochen nach ihrer Gründung am 17. Januar 2026 hat der NRW-Verfassungsschutz die neue AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" (GD) in Nordrhein-Westfalen als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft. Im Kern handele es sich beim Landesverband der GD um die Vorgängerorganisation – nur mit neuem Namen, teilte Innenminister Herbert Reul (CDU) mit. Auch die 2025 offiziell aufgelöste "Junge Alternative" (JA) NRW war vom Landesverfassungsschutz bereits als Verdachtsfall eingestuft worden.
Das Landesinnenministerium teilte mit, es bestünden "gewichtige Anhaltspunkte" dafür, dass es sich bei der GD NRW praktisch um eine Fortführung des Personenzusammenschlusses der JA NRW handele. Die im Januar gegründete GD NRW folge nach Bekundungen von Führungspersonen der Agenda der früheren JA NRW. "Darüber hinaus gibt es ein hohes Maß an personeller Kontinuität in den Führungspositionen der JA NRW und der GD NRW."
Die GD NRW sage selbst, dass der Geist der JA in ihr weiterleben solle, sagte Reul. "Wer glaubt, mit der Generation Deutschland hätte sich was geändert, täuscht sich." Die NRW-Sicherheitsbehörden wüssten sehr genau, mit wem sie es zu tun hätten, "und lassen sich durch ein neues Label nicht vom Inhalt ablenken", so Reul.
Junge Alternative war durch Auflösung dem Vereinsverbot entgangen
Die Einstufung der JA als rechtsextremistischer Verdachtsfall hatte der NRW-Verfassungsschutz seinerzeit damit begründet, dass der Landesverband ideologisch auf einen Kurs eingeschwenkt sei, der durch ein "völkisch-ethnisches Volksverständnis und Fremdenfeindlichkeit" geprägt gewesen sei. Insbesondere sei es darum gegangen, Menschen mit Migrationsbiografie und Muslime auszugrenzen und verächtlich zu machen.
Die im Frühjahr 2025 bundesweit aufgelöste JA war ein eigenständiger Verein, was nicht für die GD gilt. Weil die Parteijugend nun Teil der Partei ist – nur AfD-Mitglieder können in der GD sein –, gibt es vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) keine eigene Einstufung der Nachwuchsorganisation mehr. Sie wird somit als Teil der Gesamtpartei vom BfV als rechtsextremistischer Verdachtsfall bearbeitet. Die Bundesregierung hatte bereits erklärt, weder eine personelle noch eine inhaltliche Abgrenzung zur extremistischen JA zu erkennen.
Da der NRW-Verfassungsschutz getrennt vom Bundesamt handelt, kann dieser eine differenziertere Einstufung vornehmen. So beobachte der Landesverfassungsschutz in der AfD NRW auch Teilstrukturen wie den ehemaligen "Flügel" und nunmehr auch die GD als Verdachtsfälle, hieß es aus dem NRW-Innenministerium.
Machtkampf in der NRW-AfD
Die Einstufung der GD NRW als rechtsextremistischer Verdachtsfall wurde nur einen Tag vor einem richtungsweisenden Landesparteitag publik. Die NRW-AfD befindet sich seit Monaten in einem Machtkampf zwischen einem eher gemäßigt auftretenden Lager um den Landesparteivorsitzenden Martin Vincentz und einem äußerst rechten Lager, als dessen Strippenzieher der in erster Instanz aus dem Landesverband ausgeschlossene Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich gilt. Vincentz kämpft bei dem Parteitag am Samstag und Sonntag in Marl um seine Wiederwahl.
Zum Vorsitzenden der GD NRW war bei deren Gründung im Januar Luca Hofrath gewählt worden, der dem sehr rechten Rand zugeordnet wird und sich nach der Wahl in sozialen Medien Seite an Seite mit Helferich zeigte.
Der AfD-Landesverband hatte Helferich in seinem Antrag zu dem Parteiausschlussverfahren rassistische und völkische Aussagen vorgeworfen. Helferich geht juristisch dagegen vor. Der Dortmunder hatte eine große Anhängerschaft in der damaligen JA NRW und war auch bei der Gründungsversammlung des NRW-Verbands der GD aufgetreten.
Landesverband hält Zeitpunkt für bewusst gewählt
Auf Telegram bezeichnete der NRW-Landesverband der GD die Bekanntgabe der Einstufung einen Tag vor dem Landesparteitag als nicht zufällig. Der Landesverband meint, der Staat wolle damit Vincentz zum Wahlsieg verhelfen: Offensichtlich wolle der Staat Einfluss zugunsten der Seite nehmen, die die eigene Jugendorganisation als "Nestbeschmutzer" betrachte. Vincentz habe sich mehrfach gegen die AfD-Parteijugend gestellt. Sein Statement für die GD sei wenig authentisch. Die GD kündigte daher an, Vincentzs Herausforderer, Fabian Jacobi und Christian Zaum, als Doppelspitze beim Parteitag zu unterstützen.
Die Einstufung als rechtsextremistischer Verdachtsfall sei für die GD NRW "weder überraschend noch schockierend", hieß es weiter in einem Post. Ein Umdenken ist auch nicht zu erkennen: "Wir machen weiter wie bisher."
AfD kündigt rechtliche Schritte an
AfD-Landesparteivorsitzender Vincentz kündigte an, dass die Partei "sich mit allen rechtlichen Mitteln gegen den Angriff auf unsere Jugendorganisation wehren" werde. "Aus jedem Angriff des Verfassungsschutzes wird die AfD gestärkt hervorgehen", sagte Vincentz.
"Wie unhaltbar und parteiisch der weisungsgebundene Verfassungsschutz gegen die AfD vorgeht, wurde erst letzte Woche eindrucksvoll vom Kölner Verwaltungsgericht festgestellt", sagte Vincentz. Vor wenigen Tagen hatte das Gericht aufsehenerregend in einem Eilverfahren entschieden, dass das BfV die Bundes-AfD vorerst nicht als gesichert rechtsextremistisch einstufen darf. Für LTO kommentierte die Entscheidung der stellvertretende Chefredakteur Dr. Markus Sehl.
Die Bundesregierung hatte angekündigt, gegen die Eilentscheidung nicht vorzugehen; die Entscheidung im Hauptsacheverfahren steht noch aus.
dpa/jh/LTO-Redaktion
Neue AfD-Jugend in NRW wird zum Verdachtsfall: . In: Legal Tribune Online, 06.03.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59475 (abgerufen am: 21.04.2026 )
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