Druckversion
Samstag, 24.01.2026, 00:30 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/generalbundesanwalt-ermittelt-gegen-netzpolitik
Fenster schließen
Artikel drucken
16447

Generalbundesanwalt ermittelt gegen netzpolitik.org: "Landesverrat" durch kritischen Journalismus

von Constantin Baron van Lijnden

30.07.2015

Bild: Netzpolitik.org (CC BY-NC-SA 3.0)

Bild: Netzpolitik.org (CC BY-NC-SA 3.0)

Unlängst hatten wir über die Ermittlungen des Generalbundesanwalts gegen Quellen von netzpolitik.org berichtet. Wie nun bekannt wurde, sind auch die Journalisten selbst ins Visier der Strafverfolgungsbehörde gerückt. Ein historischer Vorgang.

Anzeige

Mitte des Monats wurde bekannt, dass der Generalbundesanwalt gegen Whistleblower, die dem Portal netzpolitik.org geheime Dokumente aus den Reihen des Verfassungsschutzes zugespielt hatten, Ermittlungen führt. Aus den Papieren, die im Wesentlichen das Budget der deutschen Geheimdienste betrafen, ergaben sich auch Pläne zur Errichtung einer Spionageeinheit beim Verfassungsschutz.

Das Portal, das sein Angebot als "zwischen WikiLeaks und Spiegel stehend" bezeichnet, spekulierte, dass Zweck der Maßnahme nicht bloß die eigentliche Strafverfolgung, sondern auch die Einschüchterung von Journalisten und die Unterdrückung zukünftiger kritischer Berichterstattung sein könne - und erklärte sogleich, sich davon nicht einschüchtern zu lassen.

Pressefreiheit conta Geheimhaltungsinteresse des Staates

Ein Versprechen, das sie nun einlösen können. Wie die Seite am Donnerstagnachmittag meldet, richten sich die Ermittlungen nicht nur gegen ihre Quellen, sondern auch gegen zwei der Gründungsmitglieder, die an der fraglichen Berichterstattung beteiligt waren. Ausschlaggebend könnte dabei die Tatsache sein, dass netzpolitik, seinem Grundsatz möglicht transparenter Berichterstattung folgend, nicht nur aus den geheimen Papieren des Verfassungsschutz zitiert, sondern diese auch online gestellt hat.

Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR gehen die jetzigen Ermittlungen gegen netzpolitik auf eine Strafanzeige von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen zurück. Auf eine weitere Anzeige, die dieser wegen eines Berichts zum NSU gegen die drei vorgenannten Medien selbst erstattet haben soll, sind bislang offenbar keine Ermittlungen eingeleitet worden.

Letzte Ermittlungen wegen Landesverrats gegen Journalisten endeten in Fiasko

Ermittlungen von Strafverfolgungsbehörden gegen Journalisten sind ungewöhnlich; umso mehr, seit das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) 2007 in einem Grundsatzurteil die Durchsuchung der Redaktionsräume des Polit-Magazins Cicero durch die Staatsanwaltschaft für verfassungswidrig erklärt hat (Urt. v. 27.02.2007, Az. 1 BvR 538/06). In vergangenen Entscheidungen hatte das BVerfG wiederholt die Bedeutsamkeit der Pressefreiheit betont, die auch das staatliche Geheimhaltungsinteresse überwiegen kann.

Wegen des gegenüber netzpolitik angeblich bestehenden Verdachts auf Landesverrat wurde zuletzt im Jahr 1962 gegen ein Medium ermittelt - damals war es Der Spiegel. Die Ermittlungen entwickelten sich damals zu einem Fiasko sondergleichen für die Strafverfolgungsbehörden, über das mehrere Staatssekretäre sowie der damalige Verteidigungsminister stürzten; die volle Geschichte ist an anderem Ort ausführlich erzählt worden.

Weiterhin keine Ermittlungen gibt es übrigens in der NSA-Affäre. Generalbundesanwalt Harald Range erklärte erst vor wenigen Tagen, dass für ihn kein Anfangsverdacht der Spionage durch ausländische Geheimdienste bestehe.

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Constantin Baron van Lijnden, Generalbundesanwalt ermittelt gegen netzpolitik.org: . In: Legal Tribune Online, 30.07.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/16447 (abgerufen am: 24.01.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
    • Ermittlungsverfahren
    • Geheimdienste
    • Geheimnisverrat
    • Landesverrat
    • NSA
    • Spionage
Drei Soldaten der Bundesweh eskortieren den Beschuldigten, der Handschellen trägt 16.01.2026
Ukraine-Krieg

Mutmaßlicher Drahtzieher bleibt in U-Haft:

BGH äußert sich detail­liert zu Nord-Stream-Anschlag - und sch­reibt ihn Ukraine zu

Mit einer Leitsatzentscheidung äußert sich der BGH erstmals ausführlich zum Angriff auf die Pipelines. Der 3. Strafsenat geht davon aus, dass die Explosionen von der Ukraine veranlasst wurden. Auch im Krieg mit Russland bleibe der Anschlag strafbar.

Artikel lesen
Foto einer Gruppe von Demonstranten, die ein dunkles Banner halten, auf dem steht: "Wir sind alle linksunten". Davor steht ein Polizeibeamter mit dem Rücken zur Kamera. 15.01.2026
Ermittlungsverfahren

LG Karlsruhe linksradikaler Online-Plattform:

Durch­su­chungen bei mut­maß­li­chen "links­unten.indy­media"-Bet­rei­bern rechts­widrig

Knapp 200 Speichermedien sichergestellt, doch dabei keine Erkenntnisse gewonnen: Zum Jahreswechsel entschied das LG Karlsruhe, dass die Durchsuchungen bei fünf mutmaßlichen Betreibern der linksradikalen Plattform rechtswidrig waren.

Artikel lesen
Der angeklagte Polizist sitzt neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank 06.01.2026
Polizei

AG Mannheim zur Beweismanipulation:

Poli­zist frei­ge­spro­chen, der Beschul­digtem Gras unter­ge­schoben hat

Ein Beamter war mit dem Ergebnis einer Polizeikontrolle nicht zufrieden und schob einem Beschuldigten Gras unter. Dass das keine Verfolgung Unschuldiger durch Amtsträger war, hat das AG Mannheim in einem interessanten Urteil entschieden.

Artikel lesen
Norbert Bolz 22.12.2025
Ermittlungsverfahren

Ermittlungen wegen NS-Slogans auf X:

Ver­fahren gegen Nor­bert Bolz nach Geld­auflage ein­ge­s­tellt

Wegen eines X-Posts mit NS-Bezug wurde gegen den Autor und Medienwissenschaftler Norbert Bolz ermittelt. Nun hat die Berliner Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

Artikel lesen
Das Bild zeigt einen Computerbildschirm mit verschiedenen Ordnern und Verbindungen, passend zum Thema der Datenspeicherung. 21.12.2025
Vorratsdatenspeicherung

LTO liegt BMJV-Gesetzentwurf vor:

So soll die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung kommen

Wichtige Daten von Internetnutzern sollen anlasslos drei Monate lang gespeichert werden, die Polizei soll sie bei Straftatverdacht abrufen können. Behörden sollen auch die Speicherung von Kommunikationsdaten anordnen können, so der Entwurf. 

Artikel lesen
Einsatzkräfte der Polizei stehen vor einer Tabledance-Bar im Steintorviertel in Hannover. 16.12.2025
Nachrichten

Sexuelle Ausbeutung:

Fall­zahlen in NRW auf Rek­ord­ni­veau

Die Fallzahlen für Zuhälterei, Menschenhandel, Zwangsprostitution steigen in NRW seit Jahren, aber das Dunkelfeld bleibt groß. Warum den Daten laut LKA die Aussagekraft fehlt und was die Ermittlungsarbeit erschwert.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) als An­ge­s­tell­te oder in frei­er Mit­ar­beit

RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH , 100% Re­mo­te

Logo von Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat
Voll­ju­ris­ten (m/w/d) – Ih­re Zu­kunft in der hes­si­schen Jus­tiz

Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat , Wies­ba­den

Logo von Hogan Lovells International LLP
Re­fe­ren­da­rin/Re­fe­ren­dar (w/m/d) In­ter­na­tio­na­les...

Hogan Lovells International LLP , Düs­sel­dorf

Logo von Magistrat der Stadt Oberursel (Taunus)
Voll­ju­ris­tin/Voll­ju­ris­ten (m/w/d)

Magistrat der Stadt Oberursel (Taunus) , Ober­ur­sel (Tau­nus)

Logo von DLA Piper UK LLP
Re­fe­ren­dar (m/w/x) Frank­furt

DLA Piper UK LLP , Frank­furt am Main

Logo von Tsambikakis & Partner Rechtsanwälte mbB
Rechts­an­walt/in (m/w/d) in Voll- oder Teil­zeit

Tsambikakis & Partner Rechtsanwälte mbB , Frank­furt am Main

Logo von Gercke Wollschläger
Rechts­an­walt (m/w/d) im (Wirt­schafts-)Straf­recht

Gercke Wollschläger , Köln

Logo von Oberlandesgericht Celle
Rich­ter/-in (w/m/d) bzw. Staats­an­walt / -an­wäl­tin (w/m/d) im Be­zirk des...

Oberlandesgericht Celle , Bü­cke­burg

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: M&A

26.01.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Kapitalanlage­haftung

27.01.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Produkthaftung und -sicherheit

28.01.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Manager- und Berufshaftung

28.01.2026

Karriere-Powerworkshops: Souverän sichtbar statt zurückhaltend!

27.01.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH