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LG Lüneburg will Motivlage & Tatfolgen ergründen: Prozess gegen Jörg L. geht trotz Geständnisses weiter

22.01.2015

Trotz seines Geständnisses geht der Prozess gegen den ehemaligen Richter, der Examenslösungen verkauft hat, weiter. Das Gericht wolle sich einen Eindruck von der Motivlage des Täters und den Konsequenzen für die Kandidaten machen, erklärte eine Sprecherin gegenüber LTO. Am Donnerstag wurde ein Zeuge gehört, dessen Wohnung kurz vor seiner mündlichen Prüfung von der Polizei durchsucht worden war.

In seinem Geständnis hatte der 48-Jährige Jörg L. erklärt, er habe den Referendaren helfen und seine Frau finanziell absichern wollen. Um diese Motivlage genauer überprüfen zu können, sollen weitere Zeugen gehört werden. Ebenso will sich das Gericht ein genaueres Bild davon machen, welche Folgen das Verkaufsangebot für die früheren Referendare hatte. Einer der ehemaligen Referendare berichtete zu Beginn des siebten Verhandlungstages vor dem Landgericht (LG) Lüneburg, wie die Polizei kurz vor seinem Prüfungstermin seine Wohnung duchsuchte und seinen Computer beschlagnahmte.

Der Angeklagte habe ihm das Prüfungsmaterial für jeweils 2.000 Euro angeboten, sagte er weiter. Er sei aber nicht auf das Angebot eingegangen. Der ehemalige Richter soll Nachwuchsjuristen Prüfungslösungen für das zweite Staatsexamen für teils fünfstellige Beträge angeboten oder auch verkauft haben. Seit Mitte Dezember muss er sich deshalb vor dem LG verantworten.

Nach einer Erklärung von Wolfgang Scheibel, Staatssekretär des zuständigen Justizministeriums, ist bei der Überprüfung der Examen von rund 2.000 niedersächsischen Juristen bislang in 15 Fällen der Verdacht aufgekommen, dass die Prüflinge Kenntnis von der Aufgabenstellung gehabt haben könnten.

dpa/age/LTO-Redaktion

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LG Lüneburg will Motivlage & Tatfolgen ergründen: Prozess gegen Jörg L. geht trotz Geständnisses weiter . In: Legal Tribune Online, 22.01.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14458/ (abgerufen am: 21.10.2019 )

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