Druckversion
Montag, 12.10.2026, 14:31 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/geheimhaltung-trump-papiere-us-code-behinderung-justiz
Fenster schließen
Artikel drucken
49313

Ermittlungen gegen Donald Trump: Was geheim ist, bestimmt der Prä­si­dent?

14.08.2022

Trump 2020 während einer Pressekonferenz zur Corona-Krise

Kann der (Ex)-Präsident selbst über Geheimhaltung von Dokumenten bestimmen? picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Alex Brandon

Trump soll Top-Secret-Papiere mit nach Hause genommen haben. Deswegen wird gegen ihn wegen drei Strafdelikten ermittelt. Doch Trump behauptet nun, er habe als Präsident die Geheimhaltung zuvor aufgehoben. Geht das rechtlich so einfach? 

Anzeige

Immer mehr Details kommen nach der Durchsuchung von Donald Trumps Anwesen im US-Bundesstaat Florida ans Licht, die den Ex-Präsidenten in Erklärungsnot bringen. 

Doch kurz vorab zur Historie: Bereits vergangenes Jahr hatten Beamte des Nationalarchivs entdeckt, dass Trump eine ganze Reihe von Dokumenten und anderes Regierungsmaterial mitgenommen hatte, als er am Ende seiner Amtszeit im Januar 2021 das Weiße Haus verließ. Dieses Material hätte dem Gesetz nach eigentlich an das Nationalarchiv gegeben werden müssen. Trump hatte der Behörde Anfang des Jahres schließlich mehrere Dokumente übergeben.

Danach soll es nach übereinstimmenden US-Medienberichten zu einem weiteren Austausch zwischen Ermittlern und Trumps Anwälten gekommen sein. Die Beamten hätten den Verdacht gehabt, dass Trump oder sein Team weiter wichtige Unterlagen zurückhielten, hieß es in US-Medien.

Unvollständige Angaben durch Anwaltsteam? 

So soll sein Anwaltsteam einem Bericht der "New York Times" zufolge unvollständige Angaben über den Verbleib von Geheimdokumenten in Trumps Besitz gemacht haben. Mindestens eine Anwältin oder ein Anwalt des Republikaners soll im Juni eine Erklärung unterzeichnet haben, wonach das als geheim gekennzeichnete Material komplett an die Regierung zurückgegeben worden sei, schrieb die Zeitung am Samstag unter Berufung auf vier namentlich nicht genannte Personen. 

Das mutmaßliche Schreiben des Trump-Teams an das Justizministerium, über das auch der Sender CNN berichtete, widerspricht der FBI-Liste der beschlagnahmten Dokumente. Bei der Durchsuchung von Trumps Anwesen Mar-a-Lago stellte die Bundespolizei FBI mehrere streng geheime Unterlagen sicher, nämlich der Geheimhaltungsstufe "Top Secret/SCI", die nur in besonderen Regierungseinrichtungen eingesehen werden dürfen. Damit könnte der Ex-Präsident möglicherweise gegen mehrere Gesetze verstoßen haben, auch das US-Spionagegesetz. 

Wegen dieser Delikte ermittelt das FBI

Im Durchsuchungsbefehl, der Grundlage für die Durchsuchung von Trumps Haus in Florida war und hier veröffentlicht ist, sind als mögliche Grundlage für etwaige Beschlagnahmungen drei Straftatbestände aufgeführt: 

  • Das Sammeln, Übermitteln oder Verlieren von Verteidigungsinformationen (§ 793 des 18. Titels des United State Codes (18 U.S. Code). Hierauf steht Geldstrafe und/oder Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.
  • Das Entfernen oder Zerstören offizieller Dokumente nach § 2071 18 U.S. Code. Die Strafandrohung hierfür lautet Geldstrafe und/oder Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren sowie unter Umständen Verlust der Amtsfähigkeit, wobei umstritten ist, ob dies auch für das Amt des Präsidenten gilt.
  • Das Zerstören oder Verändern von Dokumenten, um Ermittlungen zu behindern nach § 1519 18 U.S. Code. Der Tatbestand sieht Geldstrafe und/oder Freiheitsstrafe bis zu 20 Jahren vor. 

Das mutmaßlich unvollständige Anwaltsschreiben könnte erklären, warum im Durchsuchungsbefehl als mögliche Grundlage für etwaige Beschlagnahmungen auch die Behinderung der Justiz genannt wird. Es werfe auch neue Fragen über die Anzahl der Personen auf, die im Rahmen der laufenden Ermittlungen über den Umgang mit Verschlusssachen aus Trumps Zeit im Weißen Haus rechtlich belangt werden könnten, berichtete CNN. 

Anzeige

Aufhebung der Geheimhaltung durch Trump selbst rechtlich möglich?

Trump argumentierte nun, er habe die Geheimhaltung für die fraglichen Dokumente aufgehoben und sie deswegen einfach mitnehmen können. Amtierende Präsidenten haben zwar weitreichende Befugnisse, Informationen freizugeben und die Geheimhaltung aufzugeben. Doch für die Freigabe von Dokumenten gibt es ein formelles Verfahren mit mehreren hochoffiziellen Schritten - eine einfache mündliche Anweisung reicht nicht. 

Zudem muss ein Präsident die Geheimhaltung während seiner Amtszeit aufheben - er kann dies nicht nachträglich tun. Es ist unklar, ob die Dokumente den rechtlich notwendigen Prozess zur Freigabe durchlaufen haben.

Außerdem spielt es nicht zwangsläufig eine Rolle, ob die Dokumente freigegeben waren. Schon die Aufbewahrung von Dokumenten ohne Genehmigung könnte im Zusammenhang mit der nationalen Verteidigung ein Verbrechen darstellen, wenn die Sicherheit des Landes dadurch gefährdet wird. Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass bestimmte Dokumente etwa zu Atomwaffen nicht einfach freigegeben werden können. 

All diese Fragen werden nun Ermittler und gegebenenfalls Gerichte klären müssen.

dpa/fz-LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Ermittlungen gegen Donald Trump: . In: Legal Tribune Online, 14.08.2022 , https://www.lto.de/persistent/a_id/49313 (abgerufen am: 13.10.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Staatsrecht und Staatsorganisationsrecht
    • Trump
IStGH 13.10.2026
IStGH

Nach US-Sanktionen gegen IStGH als Institution:

BRAK und DAV for­dern mehr Schutz für Inter­na­­ti­o­­nalen Straf­­ge­richtshof

Der IStGH steht im Zuge von US-Sanktionen massiv unter Druck. Deutschland unterstützt das Gericht bereits, doch BRAK und DAV fordern von der Bundesregierung noch mehr.

Artikel lesen
Der US-Supreme Court in Washington D.C. 30.09.2026
USA

Supreme Court erlaubt umstrittene Praxis:

Trump darf vor­erst wieder in Dritt­staaten abschieben

Ein Bezirksrichter hatte der US-Regierung untersagt, Menschen ohne weiteres in Drittländer abzuschieben. Das oberste US-Gericht hat die Entscheidung nun außer Kraft gesetzt. Ein endgültiges Urteil soll im Dezember fallen.

Artikel lesen
EU-Ratspräsident Antonio Costa spricht vor der UN-Generalversammlung 25.09.2026
IStGH

Nach Angriff des US-Präsidenten auf den IStGH:

EU stellt sich hinter Inter­na­tio­nalen Straf­ge­richtshof

Trumps Angriff auf die internationale Justiz bleibt nicht unwidersprochen. Nach Bundesaußenminister Johann Wadephul reagierte nun auch EU-Ratspräsident António Costa mit einer klaren Botschaft.

Artikel lesen
Am Dienstagabend (deutscher Zeit) trat US-Präsident Trump bei der UN-Generalversammlung auf 23.09.2026
IStGH

Angriff auf internationale Justiz:

Trump ruft Staaten zum Aus­tritt aus dem Straf­ge­richtshof auf

Die USA erkennen den Internationalen Strafgerichtshof nicht an. Das Gericht, das unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat, durchlebt auch sonst eine Krise. Jetzt legt Trump nach.

Artikel lesen
IStGH-Präsidentin Tomoko Akane bei einem Pressegespräch nach einem Treffen mit dem Unterausschuss für Menschenrechte des Europäischen Parlaments 19.08.2026
Politik

US-Sanktionen gegen IStGH-Präsidentin Akane:

"Fron­tal­an­griff auf das Völ­ker­straf­recht"

US-Außenminister Rubio hatte eine "umfassende Kampagne" angekündigt, jetzt wird es ernst: Die Sanktionen treffen Präsidentin Tomoko Akane und einen leitenden Prozessanwalt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig findet deutliche Worte.

Artikel lesen
US-Präsident Donald J. Trump hält während einer Zeremonie zur Unterzeichnung eines Dekrets im Oval Office des Weißen Hauses in Washington ein unterzeichnetes Dekret in die Höhe. 07.08.2026
Trump

Trotz Niederlage vor dem Supreme Court:

Trump will Geburts­recht erneut per Dekret ein­schränken

Wer in den USA geboren wird, bekommt automatisch die Staatsbürgerschaft. Trump versuchte, diese Praxis zu Fall zu bringen – und scheiterte Ende Juni vor dem Supreme Court. Nun versucht er es erneut mit zwei Dekreten.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von becker bohn rechtsanwälte
Rechts­an­walts­fach­an­ge­s­tell­te (m/w/d)

becker bohn rechtsanwälte, Stutt­gart

Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Ber­lin

Logo von Latham & Watkins LLP
Days of Win­ter – Co­me and Meet Us Abo­ve the Clouds

Latham & Watkins LLP, Gar­misch-Par­ten­kir­chen

Logo von McDermott Will & Schulte
Tran­sac­ti­on La­wy­er (m/w/d) mit Be­ruf­s­er­fah­rung im Be­reich...

McDermott Will & Schulte, Düs­sel­dorf

Logo von Wolters Kluwer
Mit­ar­bei­ter An­zei­gen­dis­po­si­ti­on & Ver­triebs­un­ter­stüt­zung (m/w/d)

Wolters Kluwer, Hürth

Logo von Gleiss Lutz
Re­fe­ren­dar­sta­ti­on

Gleiss Lutz, Stutt­gart

Logo von Clifford Chance Partnerschaft mbB
Re­fe­ren­dar*in­nen (m/w/d) – Frank­furt

Clifford Chance Partnerschaft mbB, Frank­furt am Main

Logo von Gleiss Lutz
Re­fe­ren­dar­sta­ti­on

Gleiss Lutz, Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH