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FG Stuttgart zu Gemeinnützigkeit: "Grills­port" ist kein Sport

15.12.2016

Ein Verein zur Förderung und Pflege der Grillkultur kann nicht gemeinnützig sein und deshalb nicht in den Genuss von Steuervergünstigungen kommen, entschied das FG Stuttgart. Grillen sei weder Sport noch Kunst noch Tradition.

Ein Grillverein kann nicht gemeinnützig sein, entschied das Finanzgericht (FG) Baden-Württemberg in Stuttgart in einem jetzt bekannt gewordenen Urteil. Die Förderung des Grillens sei als Freizeitaktivität kein gemeinnütziger Zweck. Das Grillen sei mangels körperlicher Ertüchtigung auch kein Sport (Urt. v. 07.06.2016, Az. 6 K 2803/15).

Geklagt hatte ein eingetragener Verein mit etwa 60 Mitgliedern, dessen Zweck die Förderung und Pflege der Grillkultur, der Kochkunst sowie der technischen Grillkultur ist. Außerdem nimmt die sportliche Abteilung des Vereins an regionalen, deutschen und internationalen Grillmeisterschaften teil. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit lehnte das Finanzamt ab.

Der Verein erfüllt nach seiner Satzung nicht die Voraussetzungen für eine Gemeinnützigkeit im Sinne der Abgabenordnung, entschied das FG. Der "Grillsport" fördere nicht den Sport. Es fehle an einer körperlichen, über das ansonsten übliche Maß hinausgehenden Aktivität, die durch äußerlich zu beobachtende Anstrengungen gekennzeichnet sei. Der Erfolg beim Grillen hänge allein von Überlegungen ab, auf welche Weise und mit welcher Temperatur die Lebensmittel gegrillt werden. Auch die Teilnahme an Meisterschaften allein erfülle den Sportbegriff nicht.

Nachbau von historischen Grills ist keine Kunst

Laut dem Vereinsvorsitzenden treffen sich die Mitglieder regelmäßig, um sich darüber auszutauschen, inwieweit Grilltechniken verfeinert und Speisen anders zubereitet werden könnten. Das fördere aber nur die Geselligkeit, nicht die Allgemeinheit, entschied der Senat. Die gemeinsame Nahrungszubereitung sei dabei nicht lediglich von untergeordneter Bedeutung.

Die Förderung der Kochkunst und der Grillkultur diene zudem nicht der Förderung von Kunst und Kultur. Die Grillgerichte seien nicht das Ergebnis einer persönlichen, besonderen schöpferischen Gestaltung. Die Grillkultur, insbesondere durch Neu- und Nachbau von historischen Grillgeräten, stelle außerdem keine Kunst dar. Sie zähle nicht zu den geistigen und künstlerischen Ausdrucksformen eines Volkes und fördere damit auch nicht das traditionelle Brauchtum.

Mangels geschichtlicher oder kultureller Tradition fördere der "Grillsport" auch nicht der Heimatpflege oder der Heimatkunde. Es gehe auch nicht um eine Förderung des bürgerschaftlichen Engagements. Der Verein verfolge darum keinen steuerbegünstigten Zweck und verstoße gegen das Gebot der Ausschließlichkeit, so das Gericht.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

FG Stuttgart zu Gemeinnützigkeit: "Grillsport" ist kein Sport . In: Legal Tribune Online, 15.12.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21473/ (abgerufen am: 20.09.2020 )

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Kommentare
  • 15.12.2016 13:46, I guess you could say...

    ...da ging es endlich mal um die Wurst.

    Grillen ist kein Sport - sondern Umweltverschmutzung.

    • 16.12.2016 08:44, Ha Wu

      ... sagte es und fuhr rauchend mit dem Auto zur nächsten Anti-Fleisch Demo davon.

      Ps: Jeder Mensch belastet die Umwelt, aber bitte jetzt nicht zum Suizid übergehen.

    • 16.12.2016 10:13, Diddi

      Depp

    • 17.12.2016 17:33, @Ha Wu

      Ich habe nicht gesagt, dass "Fleisch grillen" die Umwelt verschmutzt, sondern "Grillen". Das war keine Vegetarismus-Werbung, sondern der Hinweis darauf, dass niemand Kohle verfeuern muss.

      Nicht, dass etwas SCHLECHT daran wäre, Werbung für Vegetarismus zu machen...

      Ich fahre übrigens ausschließlich Straßenbahn. Aber das macht Ihnen vermutlich das Meckern zu schwer. Aber ja, ich gestehe: Manchmal atme ich und produziere dadurch sogar CO2. Mea culpa. Ich werde sofort eine Kuh schlachten gehen, um Buße zu tun... wäre Ihnen das Recht?

  • 05.01.2017 23:01, Denken

    ist nicht leicht für Körnerpicker.
    Deshalb der Hinweis: Der Mensch belastet mit jedem gekauften Produkt die Umwelt. Eine Ausnahme gibt es nicht.

    • 24.03.2018 12:34, Dada

      Und deshalb sollte man auf Bemühungen diese Belastung zu reduzieren komplett verzichten? Das entbehrt doch jeglicher Logik