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FG Köln zu eBay Versteigerung: Verkauf von Bierdeckelsammlung ist steuerpflichtig

30.04.2015

Der kontinuierliche Verkauf einer privaten Bierdeckelsammlung über eBay unterliegt der Umsatz- und Einkommensteuer. Dies entschied das Kölner FG. Das Gericht stufte den Bierdeckelverkäufer aufgrund seiner intensiven und langjährigen Verkaufsaktivitäten als Unternehmer und Gewerbetreibenden ein.

Der Mann, der seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen durch den eBay-Verkauf von Bierdeckeln und Bieretiketten aus der privaten Sammlung seines Vaters bestritt, argumentierte, dass er kein Händler sei, der an- und verkaufe. Er versteigere lediglich privat gesammelte Vermögensgegenstände. Doch selbst, wenn er als Gewerbetreibender anzusehen wäre, würde ihm durch den Verkauf kein Gewinn entstehen, da Einlage- und Verkaufswert identisch seien.

Dem folgte der 14. Senat des Finanzgerichts (FG) Köln nicht. Er stufte den Mann aufgrund seiner hohen und langjährigen Verkaufsaktivitäten als Unternehmer und Gewerbetreibenden ein (Urt. v. 04.03.2015, Az. 14 K 188/13). Die Verkaufstätigkeit des Mannes sei bezüglich der Anzahl der Verkäufe von beträchtlichem Umfang und mit intensivem administrativen Aufwand verbunden. Der Fall sei auch nicht mit dem Verkauf einer privaten Sammlung "en bloc" vergleichbar, die der Bundesfinanzhof (BFH) als umsatzsteuerfrei eingestuft habe.

Weiter spreche für eine gewerbliche Tätigkeit, dass der Verkäufer die für den Verkauf bestimmten Bierdeckel über viele Jahre hinweg entgeltlich und unentgeltlich erworben habe. Eine Gewinnschätzung mit 20 Prozent des Umsatzes sei nicht zu beanstanden. Die Wertsteigerung der doppelten Exemplare sei im Betriebsvermögen erfolgt, da diese von Anfang an zum Verkauf bestimmt gewesen seien. Der Mann habe diese folglich mit der Aufnahme der Verkaufstätigkeit in seinen Gewerbebetrieb eingelegt.

age/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

FG Köln zu eBay Versteigerung: Verkauf von Bierdeckelsammlung ist steuerpflichtig . In: Legal Tribune Online, 30.04.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15404/ (abgerufen am: 22.10.2019 )

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Kommentare
  • 30.04.2015 15:01, zweifler

    wenn der Verkauf über mehrere Jahre hinweg stattfand kann schon ein gewerblicher Handel vorliegen. Trotzdem ist es ein Graubereich. Beispiel hier der Begriff "en bloc". Es gibt ja haufenweise Menschen, die über Jahre etwas privat gesammelt haben und es dann verkaufen, entweder weil sie ihre Sammelleidenschaft aufgeben oder weil sie in Geldnot geraten. Sehr oft kommt dabei sogar weniger herum als der Einkaufswert war. Real also ein Verlust, selbst wenn einzelne Objekte der Sammlung im Wert gestiegen sind. Wer dann "en bloc" verkauft, macht nahezu immer ein Verlustgeschäft gegenüber dem Einzelverkauf. Und auch wer eine Privatsammlung auflöst sollte das Recht haben, einen guten Preis zu erzielen, ohne gleich als gewerblich zu gelten - das passiert aber in der Regel, wenn jemand statt auf einmal fünfzig oder hundert Artikel einzeln anbietet. Die Einstufung als gewerblich führt dann dazu, dass vom Erlös kaum mehr etwas übrig bleibt. Das ist widersinnig und trifft - wie so oft - die Kleinen. Es muss hier mE dringend Rechtssicherheit geschaffen werden, etwa indem man eine Anzahl Artikel pro Monat oder Jahr festlegt, bis zu der eine Verkaufstätigkeit als privat gilt. Was ist denn zB wenn jemand sein Haus ausmistet, einen Teil der Sachen verschenkt, einen anderen verkauft. Das können schnell eine ganze Reihe Verkäufe sein, das aber als gewerblich einzustufen bedeutet ein Ignorieren der Realität und Sachlage.