Zweieinhalb Jahre nach Tugces Tod: Täter nach Ser­bien abge­schoben

21.04.2017

Die Studentin Tugce Albayrak wurde im November 2014 auf einem Parkplatz vor einem Fast-Food-Lokal in Offenbach niedergeschlagen und verstarb wenige Tage später. Der verurteilte Täter wurde nun nach Serbien abgeschoben - direkt aus der Haft.

 

Der wegen des gewaltsamen Todes von Tugce Albayrak zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilte Sanel M. ist aus Deutschland abgeschoben worden. Wie das Amt für Zuwanderung und Integration in Wiesbaden mitteilte, wurde Sanel M. Donnerstagmittag vom Flughafen Frankfurt aus "nach Serbien zurückgeführt". In Belgrad landete gegen 14 Uhr eine Chartermaschine mit mehreren abgeschobenen Menschen, wie der Flughafen mitteilte. Zu Zwischenfällen kam es nicht, wie die Bundespolizei erklärte.
Innenminister Peter Beuth begrüßte die Abschiebung.

Sanel M. hatte die 22 Jahre alte Studentin im November 2014 auf dem Parkplatz eines Fast-Food-Restaurants in Offenbach so geschlagen, dass sie auf den Kopf fiel. Sie starb wenige Tage später. Dem Schlag im Morgengrauen waren Pöbeleien und Beleidigungen zweier Gruppen vorausgegangen, zu einer gehörte Sanel M., zur anderen Tugce.

Drei Jahre Jugendstrafe

Das Landgericht (LG) Darmstadt hatte Sanel M. im Juni 2015 wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Eine Revision hatte der Bundesgerichtshof (BGH) verworfen, weswegen es bei einer Jugendstrafe von drei Jahren Haft blieb. Der 20-Jährige saß in Wiesbaden in Jugendhaft und war am Donnerstagmorgen aus dem Gefängnis zum Frankfurter Flughafen gebracht worden.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hatte Mitte März in letzter Instanz entschieden, dass der 20-Jährige für acht Jahre nach Serbien ausgewiesen wird. In dem Land leben nach Auskunft seiner Anwälte seine Großeltern. Der Serbe ist in Offenbach geboren und zur Schule gegangen. Seine Eltern und seine beiden Brüder wohnen nach wie vor im Rhein-Main-Gebiet.

Die Gefahr, dass Sanel M. weitere Straftaten begehe und seine Resozialisierung scheitere, sei angesichts seiner mangelnden Integration in der Bundesrepublik nicht hinnehmbar, argumentierten die Richter des VGH. Sie bestätigten damit die Entscheidung der Ausländerbehörde und der ersten Gerichtsinstanz.

VGH: "Gefahr weiterer Straftaten nicht hinnehmbar"

Die Richter in Kassel teilten die Einschätzung des Verwaltungsgerichts (VG) Wiesbaden, der ersten Instanz: "Danach könne dem alleinstehenden und kinderlosen Antragsteller, der über einen Schulabschluss verfügt, zugemutet werden, neue Beziehungen und Bindungen in Serbien zu knüpfen." Es sei auch nicht ersichtlich, dass seine Eltern nicht in der Lage oder willens wären, ihn dabei insbesondere finanziell zu unterstützen.

"Mehrfachstraftäter sind eine Bedrohung für die Gesellschaft und wenn sie keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, müssen sie so schnell wie möglich abgeschoben werden", sagte Hessens Innenminister Beuth nach der Abschiebung der Deutschen Presse-Agentur. "Wer keine Reue und keinen Integrationswillen zeigt, ist in unserem Land nicht willkommen und muss wieder gehen."

dpa/mgö/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Zweieinhalb Jahre nach Tugces Tod: Täter nach Serbien abgeschoben. In: Legal Tribune Online, 21.04.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/22698/ (abgerufen am: 22.11.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 21.04.2017 11:03, Nafri-Cola

    Schönes Signal - bei Anderen dürften leider diese zahlreichen Voraussetzungen nicht vorliegen (alleinstehend, kinderlos, Schulabschluss, Verwandte im Ausland, finanzielle Unterstützung, fehlende Reue und mangelnder Integrationswille).

    Bin gespannt auf die nächste Einzelfallentscheidung (Einzelfallim Wortsinn, nicht im Sinne der Asylkritiker).

    Mein Beileid an die Eltern von Tugce, niemand sollte sein Kind überleben :(

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 21.04.2017 12:09, esfehltdiegründlicheReform

    Dazu passend: www.pi-news.net/2017/04/erfurt-sextaeter-frei-kein-abschiebeplatz/#more-564114

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 21.04.2017 16:45, EsfehltdieSeriosität

      Netter Versuch einer rechtsradikalen Propagandaseite wie PI- (politically incorrect) News Reichweite und Bedeutung zu verleihen.

  • 21.04.2017 17:24, esfehltdiegründlicheReform

    Ich hätte natürlich aus Seriösitätsgründen lieber auf den Originalartikel in der Thüringer Allgemeinen verlinkt. Dieser verbirgt sich aber hinter einer Paywall. Inzwischen hat sich aber auch ein nicht ganz so rechtsradikales Blatt der story angenommen.
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article163881547/Mehrfach-verurteilter-Asylbewerber-aus-Platznot-freigelassen.html
    Letztlich geht es um die Fakten, und da muss ich als Bürger sagen: unerhört! Oder finden Sie, das Rechtsstaat so gehen dürfe?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 21.04.2017 21:08, Xcon

      Nein, finde ich nicht. Aber darum geht es Ihnen ja auch gar nicht. Sondern um Ihre Vorurteile ALLEN Asylanten / Ausländern gegenüber. Sonst würden Sie nicht mit PI kommen.

  • 21.04.2017 18:09, RA Meier

    Hätte er seinen Ausweis "verloren" und als Syrer eingereist, dann wäre er immer noch "sicher" im deutschen Sozialsystem.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 21.04.2017 21:09, Xcon

      Könnten Sie bitte aufhören, zu behaupten, Sie seien Anwalt? Sie machen sich lächerlich.

    • 23.04.2017 15:05, Frank Gladisch

      Nö. Dann säße er erstmal im Knast.

  • 21.04.2017 18:53, esfehltdieMenschlichkeit

    Da ich einige Zeugen des Vorfalls (beider Lager) persönlich kenne und auch das Überwachungsvideo, welches die Tat zeigt, gesehen habe, muss ich zu diesem Fall klar sagen, dass die Politik bzw. die mediale Aufmerksamkeit allem Anschein nach einen Einfluss auf die Justiz hat.
    Weder war sein Schlag die Todesursache, noch schlug er so lange auf sie ein bis sie zu Boden fiel. Nach heftigen Provokationen ihrerseits traf er sie mit einem Schlag, worauf sie unglücklich stürzte. Bei aller Tragik der Situation und Schönheit des Mädchen (die hoffentlich in Frieden ruht), hatte all das überhaupt nichts mit Zivilcourage zu tun. Wäre ihr Bild nicht tage- und wochenlang in den Nachrichten zu sehen gewesen, wäre Sanels Strafe deutlich milder ausgefallen und diese Abschiebung niemals zu Stande gekommen. Dass er Vorstrafen hat, steht außer Frage, nur vergessen wir, dass in bestimmten Vierteln auch Männer, die Ziele im Leben haben und irgendwann mal einen anständigen Job ausüben wollen und werden, im jungen Alter etwas aus dem Kiosk klauen oder sich mit ihrem Nachbarn prügeln. Das ist gescheiterte Integrationspolitik.
    So hart es klingen mag: Dumm gelaufen. Für beide.

    Mein Beileid an die Angehörigen!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 21.04.2017 21:39, Nafri-Cola

      Selbstverständlich hat mediale Aufmerksamkeit auch Einfluss auf die Justiz - es ist ein Unterschied ob ein Fall bundesweit bekannt wird oder nicht. Und sei es nur der Druck.

      Gescheiterte Integrationspolitik hin oder her, der Typ hat sich schon geprügelt, ist vorbestraft und sollte wissen, dass er Falsches tut. Körperverletzung mit Todesfolge ist nicht von schlechten Eltern, drei Jahre dafür auch nicht gerade viel, das kann man unmöglich mit einem Kiosk-Klau oder einer Prügelei vergleichen.

      Es ist nicht angemessen, darüber zu spekulieren ob die Abschiebung auch ohne Berichterstattung zustande gekommen wäre.

      Und was die Zivilcourage angeht: das Bundesverdienstkreuz wurde mit Hinweis auf die Voraussetzungen abgelehnt - was Schönheit damit zu tun hat, müssen sie noch mal erklären, abseits davon, dass die Story für Spingermedien interessanter wird.

      Mein Beileid an die Angehörigen. Von Tugce.
      Sanel, hoffentlich lernst du in den nächsten Jahren, was für ein Idiot du bist und besserst dich.

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