Druckversion
Freitag, 5.12.2025, 23:13 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/eu-gipfel-zur-nutzung-russischer-gelder-fuer-ukraine
Fenster schließen
Artikel drucken
58459

Minimalkompromiss bei EU-Gipfel: Einen Schritt weiter bei rus­si­schen Gel­dern für die Ukraine?

24.10.2025

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geht zu einer Pressekonferenz nach dem EU-Gipfel

Bundeskanzler Merz will der Ukraine mit eingefrorenen russischen Geldern helfen - auf dem EU-Gipfel gab es aber noch keine Einigung.  Foto: picture alliance/dpa | Ansgar Haase

Bundeskanzler Merz und viele Kollegen wollen das in der EU eingefrorene Vermögen Russlands für die Ukraine nutzen. Beim EU-Gipfel wird lange gerungen – am Ende gibt es nur einen kleinen Etappenerfolg.

Anzeige

Die EU ist mit den Plänen für die Nutzung von eingefrorenem russischem Staatsvermögen für die Ukraine einen Schritt vorangekommen. Angesichts erheblicher Bedenken des zentralen Akteurs Belgien bleibt allerdings vorerst unklar, ob sie am Ende wirklich umgesetzt werden können. Eine Entscheidung soll kurz vor Weihnachten fallen, wie EU-Ratspräsident António Costa nach einem EU-Gipfel in Brüssel mitteilte, bei dem auch Kanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dabei waren.

Die Staats- und Regierungschefs beauftragten die EU-Kommission damit, so bald wie möglich einen Vorschlag zur Verwendung russischer Vermögenswerte vorzulegen. Auf Drängen Belgiens hin soll die Kommission allerdings auch andere Optionen zur Deckung des Finanzbedarfs der Ukraine für die Jahre 2026 bis 2027 erarbeiten, wie aus einer am Abend veröffentlichten Erklärung hervorgeht.

Belgien bleibt skeptisch

Von einer Einigung auf eine Nutzung des eingefrorenen Vermögens bleibt die EU damit ein ganzes Stück entfernt. Bundeskanzler Merz (CDU) äußerte vor drei Wochen noch die Erwartung, es werde beim Gipfel "aller Voraussicht nach dazu eine konkrete Entscheidung geben". Die jetzige Erklärung ist aber nur ein erster Schritt in diese Richtung und nicht das erwartete starke Signal an Russland. Dazu trug auch bei, dass Ungarns Regierung – die einen vergleichsweise guten Draht nach Moskau hat – sich weigerte, den Text mitzutragen. 

Vor allem Belgien bleibt skeptisch: Das Land warnt vor rechtlichen Risiken und möglichen Nachteilen für europäische Unternehmen mit Russland-Geschäften. Da das eingefrorene russische Vermögen beim belgischen Finanzinstitut Euroclear liegt, kommt Belgien in der Diskussion eine Schlüsselrolle zu.

Der belgische Premierminister De Wever fordert, dass das Risiko einer möglichen Rückzahlung vollständig auf alle EU-Staaten verteilt wird. Außerdem verlangt er Garantien, dass sich alle Mitgliedsländer beteiligen, falls Russland die Gelder zurückfordert. Belgien fürchtet zudem, dass europäische Vermögenswerte in Russland beschlagnahmt werden könnten.

Merz und von der Leyen wollen Pläne vorantreiben

Die vor allem von Merz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorangetriebenen Pläne sehen vor, in der EU festgesetztes Geld der russischen Zentralbank zu verwenden, um der Ukraine Darlehen in Höhe von bis zu 140 Milliarden Euro zu geben. Russland soll das Geld nur dann zurückbekommen, wenn es nach einem Ende des Angriffskriegs gegen die Ukraine Reparationszahlungen leistet. Für den Fall, dass das eingefrorene russische Geld unerwartet wieder freigegeben werden müsste, sollen die EU-Staaten Garantien leisten.

Auch Rechtsexperten befürworten die Pläne und halten es für rechtlich möglich, dass russische Gelder eingesetzt werden, um Russland entgegenzutreten. So Patrick Heinemann auf LTO, der betont, der Schritt werde nicht als Sanktion gegen beliebiges völkerrechtswidriges Verhalten, sondern als Reparation für schwerstes Unrecht erwogen.

Deutsche Unternehmen befürchten Milliardenverluste

Auch in Deutschland gibt es starke Vorbehalte: Deutsche Unternehmen befürchten Verluste in Milliardenhöhe, da sie besonders stark in Russland investiert sind. Laut der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer sind Vermögenswerte im Wert von über 100 Milliarden Euro gefährdet.

Hintergrund der Debatte ist der enorme Finanzbedarf der Ukraine. Für militärische und staatliche Unterstützung werden in den kommenden zwei Jahren voraussichtlich über 100 Milliarden Euro benötigt. Der IWF schätzt allein den Bedarf an Haushaltshilfen auf rund 52 Milliarden Euro, hinzu kommen etwa 80 Milliarden Euro für Waffen und Munition. Sollte das russische Vermögen nicht genutzt werden können, müssten die EU-Staaten die Mittel selbst aufbringen – was angesichts hoher Schulden insbesondere in Ländern wie Frankreich und Italien schwierig wäre.

Eine finale Entscheidung über das Vorgehen soll beim EU-Gipfel am 18. Dezember fallen.

dpa/pz/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Minimalkompromiss bei EU-Gipfel: . In: Legal Tribune Online, 24.10.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58459 (abgerufen am: 06.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Europa- und Völkerrecht
    • Europa
    • Politik
    • Ukraine-Krieg
    • Vermögen
    • Völkerrecht
Gute Laune: Lars Klingbeil und Friedrich Merz bei der Abstimmung über das Rentenpaket im Bundestag. 05.12.2025
Politik

318 Ja-Stimmen:

Bun­destag besch­ließt Ren­ten­ge­setz mit Kanz­ler­mehr­heit

Die lange Zitterpartie ist vorbei. Der Bundestag hat das umstrittene Rentengesetz beschlossen. Kanzler Merz kann aufatmen, auch wenn zunächst noch ein kleiner Rest Unsicherheit bleibt.

Artikel lesen
Sparkasse 04.12.2025
Russland

OLG Frankfurt am Main zu Sparkasse:

Gewöhn­liche Zah­lungen nicht von Russ­land-Sank­tionen erfasst

Die EU-Sanktionen gegen Russland gehen weit, umfassen aber nicht pauschal alle Zahlungen. Das hat das OLG Frankfurt gegenüber einer Sparkasse klargestellt.

Artikel lesen
Politiker diskutieren intensiv über den gescheiterten "Pakt für den Rechtsstaat" und die neuen Justizstellen. 03.12.2025
Justiz

Bund und Länder uneins über neue Justiz-Stellen:

Eini­gung über 450-Mil­lionen-"Pakt für den Rechts­staat" geplatzt

Eigentlich sollte auf der Ministerpräsidentenkonferenz der "Pakt für den Rechtsstaat" besiegelt werden. Doch Bund und Länder sind sich plötzlich über Details des 450-Millionen-Euro-Deals für Personal und Digitalisierung in der Justiz uneinig.

Artikel lesen
EU-Parlament (Straßburg) 03.12.2025
Korruption

Verhandlungen von Rat und Parlament erfolgreich:

EU einigt sich auf gemein­same Anti-Kor­rup­ti­ons­ge­setze

Einheitliche Strafen: Die Mitgliedsländer und das EU-Parlament einigen sich auf Standards im Kampf gegen Korruption. Manchen geht die Einigung aber nicht weit genug.

Artikel lesen
IStGH in Den Haag 02.12.2025
IStGH

Schwere Völkerrechtsverbrechen in libyschem Gefängnis:

Deut­sch­land über­s­tellt erst­mals mut­maß­li­chen Kriegs­ver­b­re­cher an IStGH

Der in Berlin festgenommene Mann soll ein Gefängnis in Tripolis geleitet und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen angeordnet haben. Jetzt könnte es zum ersten Prozess zum libyschen Bürgerkrieg vor dem IStGH kommen.

Artikel lesen
Pkw bei der Einfahrt auf das Gelände des BGH in Karlsruhe 28.11.2025
Auslieferung

Anschläge auf Gaspipelines:

Nord-Stream-Ver­däch­tiger in Deut­sch­land in U-Haft

Der Ukrainer Serhij K. soll einer der Drahtzieher der Nord-Stream-Anschläge 2022 sein. Nach langem Ringen um das Verhindern der Auslieferung, setzte der Ermittlungsrichter am BGH nun den Haftbefehl in Vollzug.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

NEU! Mit LTO Easy Apply so einfach und schnell bewerben wie nie zuvor

Zu den Top Jobs
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Gleiss Lutz
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit (m/w/d) Öf­f­ent­li­ches Recht

Gleiss Lutz , Düs­sel­dorf

Logo von Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg
Voll­ju­rist:in­nen (m/w/d) - Trainee­pro­gramm für an­ge­hen­de...

Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg , Ham­burg

Logo von ARNECKE SIBETH DABELSTEIN
Rechts­an­walt (m/w/d) Offs­ho­re-Wind, ma­riti­mes Wirt­schafts­recht (Cor­po­ra­te)...

ARNECKE SIBETH DABELSTEIN , Ham­burg

Logo von DLA Piper UK LLP
Pro Bo­no Re­fe­ren­dar (m/w/x)

DLA Piper UK LLP , Düs­sel­dorf

Logo von Wolters Kluwer
Le­gal En­gineer (Li­b­ra - Le­gal AI As­si­s­tant) (m/f/d)

Wolters Kluwer , Ber­lin

Logo von DLA Piper UK LLP
Pro Bo­no Re­fe­ren­dar (m/w/x)

DLA Piper UK LLP , Frank­furt am Main

Logo von RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) als An­ge­s­tell­te oder in frei­er Mit­ar­beit

RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH , 100% Re­mo­te

Logo von Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat
Voll­ju­ris­ten (m/w/d) – Ih­re Zu­kunft in der hes­si­schen Jus­tiz

Hessisches Ministerium der Justiz und für den Rechtsstaat , Wies­ba­den

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Bucerius Compliance Officer 2026

22.01.2026, Hamburg

Betriebsratswahl 2026

09.12.2025

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und die Folgen für die Fahrerlaubnis (5 Zeitstunden)

08.12.2025

Jahresrückblick Familienrecht Stand: Dezember 2025

08.12.2025

NEU - Vergütungsvereinbarungen optimal gestalten

08.12.2025

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH