Druckversion
Mittwoch, 12.08.2026, 19:51 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/el-salvador-abschiebung-venezuala-gesetz-1798-donald-trump-usa
Fenster schließen
Artikel drucken
56814

Trotz gerichtlicher Verfügung: Donald Trump schiebt 250 Vene­zo­laner nach El Sal­vador ab

18.03.2025

Mutmaßliche Gang-Mitglieder im Hochsicherheitsgefängnis El Salvador

Dutzende Häftlinge müssen sich im CECOT menschenrechtswidrig eine Zelle teilen. Foto: picture alliance / Anadolu | El Salvador Presidency / Handout

Der US-Präsident lässt gut 250 Männer und Teenager wegen mutmaßlicher Mitgliedschaft in einem venezolanischen Kartell nach El Salvador abschieben. Dafür stützt er sich auf ein Gesetz von 1798 – und ignoriert eine richterliche Anordnung.

Anzeige

Zuletzt war der Alien Enemies Act von 1798 die Grundlage, um Deutsche und Japaner im Ersten und Zweiten Weltkrieg zu internieren. Nun nutzte US-Präsident Donald Trump das Gesetz, um gegen das mutmaßliche venezolanische Verbrecherkartell Tren de Aragua vorzugehen. Am vergangenen Wochenende ordnete Trump die Abschiebung von rund 250 Männern und Jugendlichen nach El Salvador. Auch 14-Jährige sollen dabei sein.

Er ignorierte dabei die Entscheidung eines Bundesrichters, der einen vorläufigen Stopp für dieses Vorgehen angeordnet hatte. Was den Ausgelieferten vorgeworfen wird, ist unklar; nicht einmal alle Identitäten sind bekannt.

Der Alien Enemies Act, zu Deutsch etwa Gesetz über ausländische Staatsfeinde, ermöglicht es dem Präsidenten, übliche Verfahren vor Einwanderungsgerichten zu umgehen, um solche Ausländer zu inhaftieren und abzuschieben, die aus einer "feindlichen Nation" stammen. Das ist nach übereinstimmenden Medienberichten aber nur möglich, wenn die Vereinigten Staaten Krieg gegen einen feindlichen Staat erklärt haben oder wenn der Präsident der Meinung ist, dass den Vereinigten Staaten eine "Invasion oder ein räuberischer Überfall" droht – auf Letzteres beruft sich Trump in der Anordnung.

Trump ignoriert eine gerichtliche Anordnung

Der US-Präsident argumentiert, dass Tren de Aragua "feindliche Handlungen" und "irreguläre Kriegsführung" gegen das US-Territorium ausübe. Er erhebt den Vorwurf, die Gruppe folge dabei auch Anweisungen der Regierung von Venezuelas diktatorischem Präsidenten Nicolás Maduro. Nach Venezuela erfolgte die Abschiebung jedoch nicht. Laut Spiegel verbietet das Land derartige Abschiebeflüge. El Salvador hingegen ist willens und in der Lage, die Männer in seinen gefürchteten Haftanstalten unterzubringen. Die USA sollen dem Land dafür jährlich rund sechs Millionen Dollar zahlen.

Der Bundesrichter in Washington jedoch hielt den Alien Enemies Act entgegen Trumps Auffassung nicht für eine taugliche Rechtsgrundlage für das Vorgehen. Er ordnete daher am Samstag gegen 18:45 Uhr Ostküstenzeit mündlich die Rückkehr aller Flugzeuge an, mit denen Venezolaner unter Trumps Weisung nach El Salvador abgeschoben wurden. Etwa 40 Minuten später bekam die US-Regierung dies auch schriftlich. Doch sie ignorierte die Gerichtsentscheidung.

Unterbringung in Foltergefängnis?

Zwei Flugzeuge waren zu diesem Zeitpunkt schon in der Luft, ein weiteres startete kurz darauf. Und so wurden die knapp 300 Männer und Teenager ins salvadorianische "Gefängnis für terroristische Gefangene" (CECOT) verbracht. In dem gigantischen Gefängnis mit einer Kapazität von 40.000 Insassen herrschen menschenrechtswidrige Zustände, immer wieder gibt es Berichte über Folterungen und Tötungen.

Das Weiße Haus erklärte am Sonntag, dank der großartigen Arbeit des Außenministeriums seien die Männer nach El Salvador gebracht worden, wo sie keine Gefahr mehr für das amerikanische Volk darstellen könnten. Außenminister Marco Rubio hatte zuvor auf der Plattform X ein Video geteilt, das El Salvadors Präsident Nayib Bukele gepostet hatte. Es zeigt die Ankunft der laut Bukele 261 Männer und Teenager, 238 von ihnen sollen Mitglieder von Tren de Aragua sein, 23 weitere Personen sollen der salvadorianischen Gang MS-13 angehören. Das Video zeigt außerdem, wie die Männer gedemütigt, an den Haaren gezogen und rasiert werden.

Sie wurden unter massivsten Sicherheitsvorkehrungen abgeführt. Trump postete das Video später auch auf seiner Plattform Truth Social und schrieb: "Das sind die Monster", die von seinem Vorgänger Joe Biden ins Land gelassen worden seien. Er dankte El Salvador und Präsident Bukele.

Anzeige

Politiker verhöhnen Justiz

Die New York Times berichtete, möglicherweise seien die Flugzeuge schon in El Salvador gewesen, als der Bundesrichter eingegriffen habe. Die Zeitung verwies auf einen Social-Media-Post des salvadorianischen Präsidenten, in dem dieser einen Artikel zu der Richterentscheidung teilte und dazu höhnisch kommentierte: "Ups… Zu spät." Die New York Times hatte zuvor auch einen Anwalt der Bürgerrechtsorganisation ACLU zitiert, die gegen Trumps Order geklagt hatte, dass dieser glaube, dass zwei Flugzeuge am Samstagabend bereits unterwegs gewesen seien. ACLU argumentierte, dass die kriminelle Bande nicht an einer "Invasion" beteiligt war.

Der Spiegel geht davon aus, dass der Fall letztlich beim Supreme Court landen wird, wo "dann ein für allemal über Trumps Machtfülle entscheiden wird". Ob es so kommt, bleibt abzuwarten – für die Abgeschobenen sind gleichwohl längst schon Fakten geschaffen worden. Insgesamt bestimmt der Zustand der "lawlessness", wie es Prof. Franz C. Mayer auf LTO beschreibt, mehr und mehr die US-Politik. Auch über den Politikbetrieb hinaus gehen damit teils drastische Implikationen einher, etwa für Anwaltskanzleien in den USA. Auch ein Regieren über die eigentlich endgültige zweite Amtszeit hinaus scheint nicht ausgeschlossen.

jb/LTO-Redaktion 

mit Material der dpa

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Trotz gerichtlicher Verfügung: . In: Legal Tribune Online, 18.03.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/56814 (abgerufen am: 12.08.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Asyl- und Ausländerrecht
    • Abschiebung
    • Bandenkriminalität
    • Drogen
    • Menschenrechte
    • Migration
    • Trump
    • USA
Wahlhelferinnen und Wahlhelfer in den USA sortieren Briefwahlunterlagen an einer Wahlurne. 12.08.2026
USA

US-Gericht stoppt Trumps Briefwahl-Dekret:

Die Post darf nicht zum Wahl­kon­trol­leur werden

Trump will die Briefwahl noch vor den Midterms verschärfen. Eine Bundesrichterin in Boston stoppt seine Pläne nun in allen 50 Bundesstaaten. In den USA geht es bei Wahlen immer auch um Macht zwischen Präsident, Staaten und Gerichten.

Artikel lesen
Der Rapper Tupac Shakur kommt drei Tage vor den tödlichen Schüssen auf ihn in Las Vegas in der Radio City Music Hall in New York an. 10.08.2026
Prominente

Mord an US-Rapper:

Fast 30 Jahre nach Tupac Sha­kurs Tod beginnt der Pro­zess

1996 starb der Rapper Tupac Shakur nach Schüssen in Las Vegas, nun beginnt der Prozess gegen einen mutmaßlichen Drahtzieher. Der Angeklagte bestreitet die Tat, doch seine eigenen Aussagen in Interviews und seiner Biografie belasten ihn.

Artikel lesen
US-Präsident Donald J. Trump hält während einer Zeremonie zur Unterzeichnung eines Dekrets im Oval Office des Weißen Hauses in Washington ein unterzeichnetes Dekret in die Höhe. 07.08.2026
Trump

Trotz Niederlage vor dem Supreme Court:

Trump will Geburts­recht erneut per Dekret ein­schränken

Wer in den USA geboren wird, bekommt automatisch die Staatsbürgerschaft. Trump versuchte, diese Praxis zu Fall zu bringen – und scheiterte Ende Juni vor dem Supreme Court. Nun versucht er es erneut mit zwei Dekreten.

Artikel lesen
Ein Richterhammer, daneben unser Kommentator Tom Braegelmann 31.07.2026
Strafprozess

Ordnungsgeld für unbequeme Strafverteidiger:

Rechts­po­li­ti­sche Rosinen aus den USA

Eine Buße für Anwälte, die Strafverfahren "sabotieren", soll Prozesse beschleunigen. Tom Braegelmann meint: Dieses Legal Transplant nach dem Vorbild des amerikanischen "Contempt of Court" wird hierzulande ordentlich fehlschlagen.

Artikel lesen
Ein Polizeibeamter bringt einen Mann zu einem Abschiebeflug nach Pakistan 31.07.2026
Abschiebung

VG Augsburg zu verurteiltem Betrüger:

In Deut­sch­land gebo­rener Mann kann abge­schoben werden

Ein Mann wurde wegen bandenmäßigen Betruges zu gut sechs Jahren Haft verurteilt. Deshalb kann er nach Nordmazedonien abgeschoben werden, obwohl er in Deutschland geboren ist. Ein deutliches Signal gegen Nachahmungstaten, so das VG Augsburg.

Artikel lesen
Ein Polizist kontrolliert einen Autofahrer auf Drogenmissbrauch 28.07.2026
Cannabis-Legalisierung

VG Berlin zur Fahreignung nach Cannabis-Konsum:

Wer zu viel kifft, muss zur MPU

Werden bei einem Verkehrsteilnehmer hohe THC-Werte gemessen, die auf einen hochfrequenten oder chronischen Cannabiskonsum hindeuten, bestehen Zweifel an der Fahreignung. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin im Eilverfahren entschieden.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Wolters Kluwer
Le­gal Coun­sel - di­gi­ta­le Pro­duk­te (m/w/d)

Wolters Kluwer, Hürth

Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Ham­burg

Logo von Unabhängiger Kontrollrat
Voll­ju­ris­tin­nen oder Voll­ju­ris­ten (w/m/d) als Re­fe­ren­tin oder Re­fe­rent für...

Unabhängiger Kontrollrat, Ber­lin

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Re­fe­ren­da­rin/Re­fe­ren­dar (w/m/d) Kar­tell­recht

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Düs­sel­dorf

Logo von PwC Legal AG
Ju­ris­ti­scher Mit­ar­bei­ter Tax & Le­gal (w/m/d)

PwC Legal AG, Düs­sel­dorf

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ten­de (w/m/d) Kar­tell­recht

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Düs­sel­dorf

Logo von CMS
Er­fah­re­ne/r Rechts­an­walt (m/w/d) Ar­beits­recht

CMS, Ham­burg

Logo von Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP
As­so­cia­te (m/w/d) Ca­pi­tal Mar­kets

Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom LLP, Frank­furt am Main

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Der Vergleich im Zivilrecht – Taktik / Inhalte / Abrechnung

12.08.2026

Logo von Deutsches Anwaltsinstitut e.V.
DAIvent: Aktuelles Arbeitsrecht an der Ostsee - Die aktuellen Top 20 Entscheidungen im Arbeitsrecht

12.08.2026, Lübeck

Strafverteidigung für „Anfänger*innen“

12.08.2026

Das Arbeitsrechtsmandat – Verfahrensführung und Verhandlung

12.08.2026

Nachlasssicherung durch lebzeitige Vermögensübertragung–Auswirkungen auf erb- und sozialrechtl Anspr

12.08.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH