Druckversion
Donnerstag, 16.04.2026, 18:39 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/donald-trump-niederlage-supreme-court-zollpolitik-notstandsgesetze
Fenster schließen
Artikel drucken
59371

Streit über Notfallbefugnisse des Präsidenten: Sup­reme Court ent­zieht Trumps Zöllen die Grund­lage

20.02.2026

Eine Frau steht vor dem Supreme Court und hält ein Schild in der Hand mit der Aufschrift "No one ist above the law"

Der Supreme Court stellte klar, dass das US-Parlament allein die Befugnis hat, Steuern und Zölle zu erheben. Foto: picture alliance / abaca | Douliery Olivier/ABACA

Gestützt auf ein Notstandsgesetz, hatte Donald Trump umfangreiche Zölle gegen Dutzende Handelspartner verhängt, darunter die EU. Nun hat er vor dem Supreme Court eine Niederlage kassiert: Trump habe damit seine Befugnisse überschritten.

Anzeige

US-Präsident Donald Trump hat im Streit um seine aggressive Zollpolitik eine Niederlage vor dem Supreme Court kassiert. Das Oberste Gericht der USA entschied, dass Trump seine Befugnisse überschritten hat, als er sich auf ein Notstandsgesetz berief, um umfangreiche Zölle gegen Dutzende Handelspartner zu verhängen – darunter auch die Europäische Union. 

Konkret geht es um zwei Gruppen von Zöllen. Um dem vermeintlichen illegaler Drogenhandel aus Kanada, Mexiko, und China entgegenzuwirken, erhob Trump per Executive Order einen Zollsatz von 25 Prozent auf die meisten kanadischen und mexikanischen Importe ("drug trafficking tariffs"). Für China waren es 10 Prozent. Die zweite Gruppe Zölle bezieht sich auf "große und anhaltende Handelsdefizite", die mit Zöllen ausgeglichen werden sollten. Hierfür erhob Trump auf "alle Importe aller Handelspartner" zum Teil willkürlich anmutende Zölle ("reciprocal" tariffs) von mindestens 10 Prozent, oft aber auch deutlich darüber hinaus. Damit wollte Trump Länder unter Druck setzen, mit den USA Abkommen zu vereinbaren. Hierunter fällt auch der Zollsatz von 15 Prozent, der aktuell für den Import der meisten EU-Produkte in die USA gilt und auf einem in Folge der reciprocal tariffs geschlossenen Handelsabkommen der EU basiert.

Keine direkten Auswirkungen hat das Urteil dagegen auf Zölle auf spezifische Produkte, wie die Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos. Für diese hatte die US-Regierung einen anderen gesetzlichen Rahmen wie den "Trade Expansion Act" von 1962 herangezogen. 

IEEPA keine taugliche Grundlage für Zölle

Kern des Urteils ist die Reichweite der Notstandsbefugnisse des "International Emergency Economic Powers Act" (IEEPA), auf die Trump seine Zölle gestützt hatte. Das Gesetz aus dem Jahr 1977 besagt, dass ein Präsident im Krisenfall Dekrete erlassen kann, ohne den Kongress anrufen zu müssen. Der Supreme Court urteilte nun, dass der IEEPA nicht zu Zöllen ermächtigt. 

Mit dem Urteil fehlt weitreichenden Zöllen Trumps nun eine rechtliche Grundlage. Trumps Team hatte allerdings bereits angekündigt, im Falle einer Niederlage vor dem Gericht zu versuchen, auf andere rechtliche Grundlagen zurückzugreifen, um die Zollpolitik des US-Präsidenten weiterhin durchsetzen zu können. Zahlreiche Handelspartner der USA dürften nun also zwar auf Erleichterungen bei US-Zöllen hoffen. Ob diese langfristig tatsächlich kommen, ist aber unklar. Kimberly Clausing etwa, Professorin für Steuerrecht und -politik an der UCLA School of Law, gibt der New York Times gegenüber zu bedenken, dass das Urteil zwar ein Ende von Trumps unberechenbaren Zoll-Verfahren sein kann, seine Regierung aber durch den Versuch, andere Instrumente zur Erhebung ähnlicher Zölle zu nutzen, noch mehr Unsicherheit schaffen wird.

"rare setback" für Trump

Die Entscheidung fiel mit einer deutlichen Mehrheit von sechs zu drei der insgesamt neun Richterinnen und Richter und wurde von NBC News als "rare setback" für die Trump-Administration bezeichnet, schließlich besitzen die von den Republikanern ernannten konservativen Richter eine Sechs-zu-Drei Mehrheit im höchstens US-Gericht. Bei den drei die Entscheidung nicht mittragenden Richtern handelt es sich um die konservativen Richter Clarence Thomas, Samuel A. Alito Jr. and Brett M. Kavanaugh. 

Unklar ist dagegen noch, was mit den bereits gezahlten Zöllen geschieht. Beobachter und Richter warnten in der Vergangenheit vor einem möglichen bürokratischen "Chaos", sollte die Regierung verpflichtet werden, Milliardenbeträge auszuzahlen. Damit begründete auch Richter Brett M. Kavanaugh seine Abweichung in der Entscheidung. Die Zölle hatten bisher etwa 130 Milliarden US-Dollar eingebracht, auch wenn Trump von höheren Beträgen von bis zu 3 Billionen US-Dollar sprach, wie NBC News berichtete.

Was die Entscheidung bedeutet

Die Entscheidung des Supreme Court hebt die Zölle nicht automatisch auf, sondern entzieht ihnen nur die rechtliche Grundlage. Wie und wie schnell die Regierung die Zölle administrativ zurücknehmen muss, ist in dem Urteil nicht geregelt.

Die Entscheidung hat jedoch in mehrfacher Hinsicht Signalwirkung.  So schränkt sie präsidiale Befugnisse in der Handelspolitik, die Trump bislang für sich beansprucht hatte, stark ein. Die Richter stellten klar, dass das US-Parlament allein die Befugnis hat, Steuern und Zölle zu erheben. Das Notstandsgesetz ermächtige den Präsidenten zwar, bei nationalen Notlagen den Außenhandel zu regulieren, aber nicht zur Erhebung von Zöllen. Für Trump, der immer wieder betont, dass Zölle zu seinen Lieblingsinstrumenten zählen, ist das eine große Niederlage. 

Für Dr. Philippe Matthew Roy, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für US-amerikanisches Recht an der Universität zu Köln, ist besonders bemerkenswert, dass die Mehrheitsmeinung die sogenannte Major Questions Doctrine heranzieht. Der Court stelle darauf ab, dass der Kongress eine derart "hochgradig folgenreiche" Befugnis – nämlich die umfassende Einführung von Zöllen mit erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen – nicht mittels unklarer oder allgemein gehaltener Formulierungen delegiert hätte, wie er LTO erklärt. Die Entscheidung füge sich damit in die jüngere Linie ein, wonach bei außergewöhnlich weitreichenden Maßnahmen eine besonders klare gesetzliche Ermächtigung verlangt wird.

Wie LTO kürzlich berichtete, ist Trump nicht der erste US-Präsident, der die Notbefugnisse wie die des IEEPA und des National Emergencies Act (NEA) einsetzt, um politische Vorhaben durchzusetzen. Die Carter Administration verhängte auf dieser Grundlage 1979 Sanktionen gegen den Iran, Barack Obama stützte die Sanktionen gegen Russland nach der Annexion der Krim darauf. Etwa 50 nationale Notstände bestehen aktuell noch fort, manche seit Jahrzehnten. Trump ist jedoch der Erste, der die Notbefugnisse nutzt, um Zölle zu verhängen.

jh/LTO-Redaktion

Mit Material der dpa

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Streit über Notfallbefugnisse des Präsidenten: . In: Legal Tribune Online, 20.02.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/59371 (abgerufen am: 18.04.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Supreme Court
    • Trump
    • USA
    • Zoll
Blick auf ein Schiff, das während der zweiwöchigen Waffenruhe im Oman durch die Straße von Hormus fährt. 16.04.2026
Krieg

Wechselseitige Blockaden der Straße von Hormus:

Kein Durch­kommen

Die Straße von Hormus kann nicht befahren werden. Dass der Iran für eine sichere Durchfahrt "Gebühren" verlangt, ist rechtswidrig. Auf das amerikanische Vorgehen trifft das nur in Teilen zu, findet Simon Gauseweg.

Artikel lesen
Der Persische Golf, die Straße von Hormus und der Golf von Oman in einer Satellitenaufnahme 13.04.2026
Völkerrecht

Straße von Hormus:

Trumps See­b­lo­c­kade ver­stößt gegen Völ­ker­recht

Donald Trump will alle Schiffe stoppen, die iranische Häfen ansteuern oder von dort kommen. Schiffen neutraler Staaten muss aber die Durchfahrt gewährt werden. Frankreich und Großbritannien planen derweil eine Mission in der Meerenge.

Artikel lesen
Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einer Pressekonferenz des Pentagon. 10.04.2026
Pressefreiheit

Bundesrichter rügt Presseregeln der US-Regierung:

Pen­tagon darf kri­ti­sche Presse nicht aus­sperren

Das Pentagon wollte die Presse im eigenen Haus einschränken. Die zog dagegen vor Gericht und gewann. Eine erneute Schlappe für die US-Regierung – der Bundesrichter kritisiert in deutlichen Worten Angriffe auf die Pressefreiheit.

Artikel lesen
Zwei Frachter am 15.01.2012 bei Khasab (Oman) in der Straße von Hormus. 09.04.2026
Völkerrecht

Straße von Hormus:

Was können Staaten gegen die Blo­c­kade unter­nehmen?

Trotz der Waffenruhe können erst wenige Schiffe die Straße von Hormus passieren. Der Iran will Gebühren dafür verlangen. Ist das zulässig? Und was können Staaten unternehmen, um die sichere Passage der Meerenge zu ermöglichen?

Artikel lesen
Trump gestikuliert leidenschaftlich während einer Ansprache über die anstehenden Wahlregelungen, Einflussnahme auf Bundesstaaten thematisierend. 01.04.2026
Trump

Einflussnahme auf Bundesstaaten?:

Trump ändert Regeln für Wahlen per Dekret

US-Präsident Donald Trump unterzeichnet ein Dekret mit neuen Wahlregeln, darunter für die Briefwahl. Demokraten und Experten äußern verfassungsrechtliche Bedenken, Kalifornien kündigt Klage an. 

Artikel lesen
Mark zuckerberg verlässt das Gerichtsgebäude im Februar nach seiner Aussage. 26.03.2026
Jugendschutz

Erfolgreiche Klage in den USA:

Meta und Google infor­mieren nicht genug über Sucht­po­ten­zial

Eine junge Frau warf Online-Plattformen in einer Klage vor, deren Dienste machten süchtig. Geschworene in Los Angeles sprachen ihr einen Millionenbetrag zu. In Deutschland wäre das Verfahren so nicht möglich, hohe Bußgelder aber schon.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Wolters Kluwer
Ju­ra­stu­dent für LTO-News­desk / Re­dak­ti­on (m/w/d)

Wolters Kluwer, Hürth und 1 wei­te­re

Logo von DLA Piper UK LLP
Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter (m/w/x) Mün­chen

DLA Piper UK LLP, Mün­chen

Logo von Hengeler Mueller
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) im Be­reich Kar­tell­recht

Hengeler Mueller, Mün­chen

Logo von Noerr
Re­fe­ren­dar/in Dis­pu­te Re­so­lu­ti­on (w/m/d)

Noerr, Ham­burg und 5 wei­te­re

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Steu­er­be­ra­ter (m/w/d) In­ter­na­tio­na­le Be­steue­rung /...

Flick Gocke Schaumburg, Bonn und 3 wei­te­re

Logo von Noerr
(Se­nior) As­so­cia­te Dis­pu­te Re­so­lu­ti­on – IP (w/m/d)

Noerr

Logo von Görg
Rechts­an­walt im Be­reich Ar­beits­recht (m/w/d)

Görg, Mün­chen

Logo von Hengeler Mueller
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) im Be­reich Mer­gers & Ac­qui­si­ti­ons/Pri­va­te...

Hengeler Mueller, Frank­furt am Main

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Umwandlung eines Einzelunternehmens in eine GmbH

21.04.2026

Logo von Wolters Kluwer
16. Legal Tech NRW Meetup

20.04.2026, Hürth

Fit fürs Notariat – Modul 1 (fünftägig, 20.04.–24.04.2026)

20.04.2026

Arbeitsrecht in der Insolvenz aus Arbeitnehmersicht (5 Stunden)

20.04.2026

Effektive Vergütungsvereinbarungen im familienrechtlichen Mandat 2026

20.04.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH