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Bundestag berät über Frauenquote: Juristinnenbund fordert mehr Rechte

30.01.2015

Diesen Freitag behandelt der Bundestag zum ersten Mal den Gesetzentwurf zur Frauenquote. Der Deutschen Juristinnenbund begrüßt den Entwurf als einen wichtigen Schritt zur Gleichstellung der Frauen, fordert allerdings eine Quote von mindestens 40 Prozent. Die EU erwägt bereits ähnliche Ziele.

Derzeit sind lediglich zwölf Prozent der Führungspositionen in Deutschland mit Frauen besetzt, bei einer Zuwachsrate von unter einem Prozent in den letzten Jahren. Im Entwurf eines Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst ist eine feste Quote von mindestens 30 Prozent Frauen für die Aufsichtsräte der größten deutschen Unternehmen vorgesehen. Am Freitag wird der Entwurf erstmals im Bundestag behandelt.

Der Deutschen Juristinnenbund e.V. (djb) begrüßt den Entwurf als einen wichtigen ersten Schritt zur Verwirklichung der im Grundgesetz und auf europäischer Ebene garantierten Gleichstellung der Frauen, fordert allerdings eine weiter gehende Quote von mindestens 40 Prozent.

Die Pläne der EU gehen in eine ähnliche Richtung. Der derzeit verhandelte Entwurf der EU-Richtlinie zur "Gewährleistung einer ausgewogeneren Vertretung von Frauen und Männern unter den Mitgliedern der Unternehmensleitung börsennotierter Gesellschaften und über damit zusammenhängende Maßnahmen" sieht ebenfalls eine Zielquote von 40 Prozent vor.

Art. 4b) der geplanten Richtlinie erlaubt jedoch über die kürzlich eingefügte "Flexibilitätsklausel" den Mitgliedstaaten, diese Quote unter bestimmten Bedingungen auszusetzen: Auch Deutschland könnte sich im Falle einer nationalen Gesetzgebung auf den Artikel berufen, die verbindliche Quote von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten wäre dann ebenfalls ausreichend.

"Mit den Aufsichtsrätinnen allein ist es aber nicht getan. Die Unternehmen müssen die Frauen von der Einstellung an über alle Karrierestufen ebenso in den Blick nehmen wie sie die männliche Karriere begleiten", fordert Ramona Pisal, die Präsidentin des djb. Die gewünschte Zielquote von 40 Prozent solle nach Ansicht des djt zudem nicht nur für Aufsichtsräte, sondern auch für Vorstände und alle anderen Führungspositionen gelten.

Im Rahmen der von der EU-Kommission geförderten Aktion "European Women Shareholders Demand Gender Equality" ("EWSDGE"), die das deutsche Projekt des djb "Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung" fortsetzt, werden Juristinnen und andere Fachfrauen in elf EU-Mitgliedstaaten mehr als 100 Hauptversammlungen großer börsennotierter Aktiengesellschaften besuchen. Mit der Hauptversammlung der Siemens AG in München, die sich den kritischen Fragen der Frauen stellte, ging das Projekt letzten Dienstag an den Start. Die Antworten der Aufsichtsräte und Vorstände im Rahmen der deutschen Aktion sind bereits ausgewertet und in vier Studien veröffentlicht worden.

avp/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Bundestag berät über Frauenquote: Juristinnenbund fordert mehr Rechte . In: Legal Tribune Online, 30.01.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14497/ (abgerufen am: 27.06.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 30.01.2015 18:25, Leo S.

    Aus einem Bericht der FAZ:

    Zumindest in der Soziologie müssen Frauen schon heute wesentlich WENIGER als Männer leisten, um eine Professur zu bekommen:

    "12 von 94 Frauen bekommen ihre Professur in den Gender Studies, bei den Männern sind es nur 2 von 202.

    Nach der neuen Studie sind die Aussichten von Frauen auf eine Professur aber auch außerhalb der Gender Studies noch um 36 Prozent größer. ..."

    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/wie-man-zu-einer-soziologie-professur-kommt-13391969.html

    Damit wurde ein Phänomen untersucht, das auch in anderen Fachrichtungen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik immer mehr um sich zu greifen scheint: Um Frauenanteile zu erhöhen, werden die Anforderungen (für Frauen) inoffiziell oder sogar ganz offen ( z. B. mit dem Professorinnenprogramm) immer weiter reduziert.

    Frau zu sein ersetzt mehr und mehr Fachkenntnisse, Berufserfahrung, die Qualifikation.

    Eine mehr als bedenkliche Entwicklung!

    Wir brauchen in Deutschland, in Europa Fachkräfte, die wissen, was sie tun und wissen, was sie tun können. Was wir nicht brauchen, sind quotierte Pseudofachkräfte, die einfach nur Frau sind.

    Das reicht weder für die Informationstechnologie noch für die Politik.

    Und auch nicht für die Jurisprudenz.

    Qualifizierte Frauen brauchen keine Quoten. Unqualifizierte, die nur mittels Quoten in Ämter gehievt werden können, schaden wesentlich mehr als sie nutzen.

    Schauen wir den Tatsachen ins Auge: Wir leben in einer Marktwirtschaft.

    Die Vorstellung, dass eine geheime, finstere Männerweltregierung beschlossen hätte, Frauen aus dem Berufsleben herauszuhalten, ist eine Verschwörungstheorie von Leuten, die intellektuell nur begrenzt leistungsfähig sind.

    In der Marktwirtschaft zählt der erzielte Gewinn.

    Vor der Einstellung der, der aufgrund von Qualifikation und Engagement des / der Bewerbers /in zu erwarten ist, nach der Einstellung der, der tatsächlich erbracht wird.

  • 30.01.2015 21:37, Leo S.

    Übrigens, dabei :

    "...auf europäischer Ebene garantierten Gleichstellung der Frauen..."

    fehlt etwas.

    Es geht eigentlich um Gleichberechtigung, die wir ja haben, also um RECHTLICHE Gleichstellung.

    Es kann nicht um generelle Gleichstellung gehen, die dürfte eindeutig gegen das Grundgesetz verstoßen.

    Gleichberechtigung bedeutet z.B.: Frauen und Männer können Informatik studieren und an den selben Prüfungen mit den selben Bewertungsmaßstäben teilnehmen.

    (Generelle) Gleichstellung würde z.B. bedeuten: Frauen und Männer müssen die selben Noten bekommen, auch wenn die Prüfungsergebnisse unterschiedlich sind.

    • 02.02.2015 19:54, k.p.a.

      Sie haben völlig Recht, aber eine Sache nicht bedacht:
      Jede Frau wird, wenn sie eine Familie möchte, ihre Karriere für einige Zeit unterbrechen müssen und im Anschluss nicht mehr im gleichen Maß flexibel sein. (Die unstreitigen Ausnahmen durch Eltern oder Schwiegereltern oder "Hausmänner" einmal außen vor gelassen)
      Solange hochqualifizierte Frauen sich zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen, wird zwangsläufig eine dieser Optionen auf der Strecke bleiben - das ist die Benachteiligung und Diskriminierung gegenuber Männern, die diese Entscheidung traditionell nicht treffen müssen.

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