Druckversion
Samstag, 13.12.2025, 22:49 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/demonstration-jumiko-berlin-reform-jurastudium-bundesverband-fachschaften-buendnis-ausbildung0
Fenster schließen
Artikel drucken
51817

"Es reicht! Die juristische Ausbildung muss fairer werden.": Ange­hende Juristen demon­s­trieren bei Jus­tiz­mi­nis­ter­treffen

19.05.2023

Palais Kulturbrauerei Berlin

Im Palais der Berliner Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg findet die diesjährige Frühjahrskonferenz der Justizminister:innen statt. Foto: picture alliance / POP-EYE | POP-EYE/Christian Behring

Anlässlich der 94. Justizministerkonferenz ab Donnerstag in Berlin haben Studierendenverbände zu Protesten aufgerufen. Sie wehren sich gegen stetige Veränderungen zu Lasten der Prüflinge und fordern endlich eine Reform des Jurastudiums.

Anzeige

Zweimal im Jahr finden sich die Justizminister:innen der Länder zusammen und beraten über justiz- und rechtspolitische Vorhaben. Damit setzen sie maßgebliche Impulse und nehmen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Justizpolitik. Ein dringendes Bedürfnis versuchen die Interessenverbände der Jurastudierenden schon länger an die Verantwortlichen heranzutragen: Die juristische Ausbildung sei reformbedürftig. Zu lange habe sich nichts getan, die psychische Belastung werde nur noch mehr und Besserung sei nicht in Sicht. 

Anlässlich der anstehenden Frühjahrs-Justizministerkonferenz (Jumiko) ab Donnerstag in Berlin, ruft der Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V. und des Bündnisses zur Reform der Juristischen Ausbildung e.V. nun zu einer Demonstration auf. "Es reicht!", meinen sie. "So kann es mit der juristischen Ausbildung nicht weitergehen!" 

"Eine Verschlechterung der Ausbildung nach der anderen"

Die Vereine erheben nicht nur den Vorwurf, dass die geforderte Reform der juristischen Ausbildung nicht auf den Weg gebracht werde. Stattdessen würden die Bedingungen für die Studierenden und Referendar:innen sogar noch weiter verschlechtert werden. Aktuell "überbieten sich die Landesprüfungsämter (…) mit Vorstößen, die die Ausbildungs- und Prüfungsbedingungen (…) verschlechtern", so die Vorsitzenden der Vereine. 

Hintergrund dieser Aussagen sind die jüngsten Entscheidungen der Landesjustizprüfungsämter in Bezug auf den Ablauf des juristischen Staatsexamens. So wurde unter anderem die Streichung der Ruhetage während der schriftlichen Examensklausuren angekündigt, gefolgt von einem Markierungsverbot der Gesetzesmaterialien bis hin zu der Streichung der Universitätsstädte als Prüfungsorte. 

Während die Prüfungsämter in den meisten Fällen ihre Entscheidungen mit vermeintlicher Chancengleichheit und der Angleichung der Prüfungsbedingungen begründen, bedauern die betroffenen Studierenden und Referendar:innen diese Veränderungen. Immer wieder würden so Entscheidungen zulasten der Prüflinge getroffen. Und das, obwohl der Schrei nach einer Reform schon seit geraumer Zeit lauter werde.

Das Signal der Demo: "Wir lassen uns das nicht mehr gefallen!"

Um dieser Entwicklung ein Ende zu setzen, möchten sich die Interessensverbände am Vormittag des 25. Mai in Berlin versammeln. Im Stadtteil Prenzlauer Berg, im Palais der Kulturbrauerei, treffen sich dann die 16 Landesjustizminister:innen erstmals unter Vorsitz der neuen Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg. "Wir brauchen endlich ein Forum, in dem wir die juristische Ausbildung der Zukunft miteinander verhandeln können. Die juristische Ausbildung muss fairer werden und darf Studierende und Referendar:innen nicht mehr krank machen.", so Sophie Dahmen und Til Bußmann-Welsch, die Vorsitzenden des Bündnis zur Reform der Juristischen Ausbildung e.V. und selbst Referendar:innen in Berlin und Brandenburg.

Die Justizminister:innen werden aufgefordert, regelmäßig das Gespräch mit den Prüflingen zu suchen und deren Belange endlich ernst zu nehmen. Ziel sei ein Forum, in dem die juristische Ausbildung der Zukunft miteinander verhandelt werden könne. Gefordert werde daher eine Akademie Loccum 2.0.

Wird es nach 55 Jahren mal wieder Zeit für eine Reform?

Die Evangelische Akademie Loccum hatte im Jahr 1968 – vor 55 Jahren – den Anstoß für die einstufige juristische Ausbildung gegeben. Abgesehen von dieser Reform, die wieder zurückgenommen wurde, ist die juristische Ausbildung im Wesentlichen seit über 150 Jahren unverändert geblieben. Eine Grundlage für zeitgemäße Veränderungen sei nun mit der iur.reform-Studie geschaffen worden. Deren Ergebnisse werden am Dienstag veröffentlicht. 

"Wir werden mit der Demo das klare Signal senden: Wir lassen uns das nicht mehr gefallen! Wir schließen uns zusammen, wir organisieren uns und wir treten laut und sichtbar für eine gute juristische Ausbildung ein – für uns, aber auch für einen Rechtsstaat, der künftig noch funktioniert! Und damit für alle!", bestätigt auch Jonathan Franz, Jurastudent in Berlin und Vorsitzender des Bundesverbands rechtswissenschaftlicher Fachschaften e. V.

Es bleibt daher abzuwarten, ob die Justizminister:innen den Rufen nächste Woche Gehör schenken und den Punkt "Juristenausbildung" auf der Tagesordnung priorisieren. Auf der letzten Jumiko im Herbst 2023 behandelten die Anwesenden etwaige strukturelle Änderungen des Jurastudiums jedenfalls nur sehr zögerlich. 

Informationen für Teilnehmer:innen der Demonstration gibt es hier. 

lmb/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

"Es reicht! Die juristische Ausbildung muss fairer werden.": . In: Legal Tribune Online, 19.05.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/51817 (abgerufen am: 13.12.2025 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Jurastudium
    • Justiz
    • Referendariat
    • Staatsexamen
KI-Bild Kind im Gerichtssaal 13.12.2025
Kinder

Interview zu kindgerechter Justiz:

"Für Kinder nehmen Ver­fahren oft kein Ende"

Kinder kommen in unterschiedlichen Lebenslagen mit der Justiz in Berührung. Das Deutsche Kinderhilfswerk will ihre Rechte stärker berücksichtigt sehen. Videovernehmungen sollten Standard werden, schlägt Viktoria Rappold vor. 

Artikel lesen
Anne Grewlich 12.12.2025
Most Wanted

13-Prozent-Edition:

LTO Most Wanted mit Anne Grew­lich

Jura verbindet Präzision mit Wirkung, sagt Anne Grewlich. Sie erklärt, woran es dem deutschen Sachenrecht fehlt und verrät die größte Hürde auf ihrem Weg zur Partnerin.

Artikel lesen
Jura-Hörsaal 09.12.2025
Richter

"Pakt für den Rechtsstaat":

Woher 2.000 Prä­d­i­kats­ju­risten für neue Rich­t­er­s­tellen nehmen?

Bund und Länder wollen neue 2.000 Stellen für Richter und Staatsanwälte schaffen – genug Prädikatsjuristen wird sie dafür jedenfalls nicht finden, das zeige eine Datenauswertung, meint Quint Aly. Droht ein Qualitätsverlust in der Justiz?

Artikel lesen
Das Bild zeigt eine beeindruckende historische Gebäudeansicht, ideal für das Studium fremder Rechtssysteme im Ausland. 08.12.2025
Auslandsaufenthalte

Zum Schwerpunktstudium ins Ausland:

In fremde Rechts­sys­teme ein­tau­chen

Das Jurastudium ist nicht gerade für seine internationale Ausrichtung bekannt. An manchen Universitäten können Studierende aber zum Beispiel den Schwerpunkt im Ausland absolvieren. So kann man seinen Horizont erweitern und netzwerken.

Artikel lesen
Die Justizministerin geht entschlossen, während Sachsen gegen Extremisten-Tourismus vorgeht und gegen Gerichtsurteile klagt. 05.12.2025
Extremismus

Justizministerin will gegen Linie des Landesverfassungerichts klagen:

Sachsen wehrt sich gegen Jura-Ext­re­misten-Tou­rismus

Sachsen will extremistische Bewerber von der juristischen Ausbildung abhalten. Dazu greift das Land die Rechtsprechung des eigenen Verfassungsgerichtes an – und setzt auf das Bundesverfassungsgericht.

Artikel lesen
Politiker diskutieren intensiv über den gescheiterten "Pakt für den Rechtsstaat" und die neuen Justizstellen. 03.12.2025
Justiz

Bund und Länder uneins über neue Justiz-Stellen:

Eini­gung über 450-Mil­lionen-"Pakt für den Rechts­staat" geplatzt

Eigentlich sollte auf der Ministerpräsidentenkonferenz der "Pakt für den Rechtsstaat" besiegelt werden. Doch Bund und Länder sind sich plötzlich über Details des 450-Millionen-Euro-Deals für Personal und Digitalisierung in der Justiz uneinig.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

NEU! Mit LTO Easy Apply so einfach und schnell bewerben wie nie zuvor

Zu den Top Jobs
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Airbus Bank
Ae­ro­s­pace Fi­nan­ce Tran­sac­ti­on La­wy­er (m/w/d)

Airbus Bank , Mün­chen

Logo von CMS Deutschland
Rechts­an­wäl­­te (m/w/d) für den Be­reich Ar­beits­recht

CMS Deutschland , Frank­furt am Main

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Rechts­an­walt (w/m/d) En­er­gy M&A / Fi­nan­ce

Osborne Clarke GmbH & Co. KG , Mün­chen

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Rechts­an­walt (w/m/d) En­er­gy M&A / Fi­nan­ce

Osborne Clarke GmbH & Co. KG , Ber­lin

Logo von Oppenhoff
As­so­cia­te (m/w/d) Li­ti­ga­ti­on

Oppenhoff , Köln

Logo von Technische Universität Nürnberg
Voll­ju­rist IP / Geis­ti­ges Ei­gen­tum (m/w/d)

Technische Universität Nürnberg , Nürn­berg

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Rechts­an­walt (w/m/d) En­er­gy M&A / Fi­nan­ce

Osborne Clarke GmbH & Co. KG , Ham­burg

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter / Re­fe­ren­dar (w/m/d) Di­gi­ta­li­sie­rung, Bank-...

Osborne Clarke GmbH & Co. KG , Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Digitale Kamingespräche: Aus der Höhenluft der Ivy League zurück nach Good Old Europe?

17.12.2025

Aktuelles Arbeitsrecht und Betriebsverfassungsrecht

16.12.2025

Risikoorientierte Bilanzanalyse für Juristen (5 Zeitstunden)

16.12.2025

Miet- und Bauprozessrecht III – Besondere Verfahrensarten und elektronischer Rechtsverkehr

16.12.2025

Strafbarkeits- und Haftungsrisiken von Organen jur. Personen & faktischer Geschäftsführer

16.12.2025

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH