Druckversion
Mittwoch, 14.10.2026, 08:20 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/bverfg-2bvl217-besoldung-richter-beamte-baden-wuerttemberg-teilweise-verfassungswidrig
Fenster schließen
Artikel drucken
32371

BVerfG zu Richter und Beamten in Baden-Württemberg: Ein­gangs­be­sol­dung ist ver­fas­sungs­widrig

28.11.2018

Geldscheine auf einer Waage

© Astrid Gast - stock.adobe.com

Um den Haushalt zu konsolidieren sollten neue Richter und Beamte in Baden-Württemberg eine geringere Besoldung bekommen als ihre beschäftigten Kollegen. Dies sei nicht nur wegen des Gleichheitssatzes verfassungswidrig, so das BVerfG.

Anzeige

Die vorübergehende Absenkung der Besoldung von bestimmten Beamten und Richtern in Baden-Württemberg ist verfassungswidrig. Beamte seien nicht stärker als andere dazu verpflichtet, zur Konsolidierung öffentlicher Haushalte beizutragen, entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss (Beschl. v. 16.10.2018, Az. 2 BvL 2/17).

Das Land hatte Ende 2012 als Beitrag zur Konsolidierung des Haushalts beschlossen, unter anderem bei Richtern der Besoldungsgruppe R1 Grundgehalt und Amtszulagen drei Jahre lang um acht Prozent zu reduzieren, nachdem bereits zuvor eine Absenkung um vier Prozent vorgesehen war. Dagegen hatte ein betroffener Staatsanwalt vor dem Verwaltungsgericht (VG) Karlsruhe geklagt. Die Richter setzten das Verfahren aus und legten dem BVerfG die Frage vor, ob die Regelung mit Artikel 33 Absatz 5 des Grundgesetzes (GG) zum Recht des öffentlichen Dienstes vereinbar ist.

Das verneinte der Zweite Senat des BVerfG und erklärte § 23 Abs. 1 des Landesbesoldungsgesetzes Baden-Württemberg (LBesGWB) für nichtig. Aus dem Alimentationsprinzip ergebe sich die Besoldungshöhe nach innerdienstlichen und unmittelbar amtsbezogenen Kriterien, welche durch die Regelung missachtet würden, so die Karlsruher Richter. Genauso wie das Gebot der Besoldungsgleichheit aus Art. 33 Abs. 5 und Art. 3 Abs. 1 GG verletzt werde, weil die Absenkung nur einen Teil der Beamten und Richter treffe. Die Norm gelte nämlich nur für neu in den Dienst kommende Beamte und Richter, weswegen es bei gleicher Ämterbewertung zu einer unterschiedlichen Besoldung komme.

Beamten dürften nicht stärker als andere verpflichtet werden

Die Beeinträchtigung könnten weder mit einer Haushaltskonsolidierung, noch mit einer zu geringen Berufserfahrung, noch mit sozialen Gesichtspunkten gerechtfertigt werden, entschied das BVerfG. Die amtsangemessene Alimentierung könne aus rein finanziellen Gründen nur eingeschränkt werden, wenn diese Maßnahme Teil eines schlüssigen und umfassenden Konzepts der Haushaltskonsolidierung sei. Hierfür fehle allerdings sowohl ein klar beziffertes Sparziel als auch verbindliche weitere Sparmaßnahmen, so die Karlsruher Richter. Insbesondere müsste das Sparvolumen gleichheitsgerecht erwirtschaftet werden. Beamte seien nicht stärker als andere dazu verpflichtet, zur Konsolidierung öffentlicher Haushalte beizutragen.

Die ungleiche Belastung innerhalb der Beamten- und Richterschaft hat die Landesregierung versucht mit der geringeren Berufserfahrung und sozialen Gesichtspunkten zu begründen. Überzeugen konnte sie das BVerfG damit allerdings nicht, zumal der Landesgesetzgeber die Berufserfahrung bei der Besoldung nach Erfahrungsstufen bereits berücksichtigt hat. "Nicht nachvollziehbar" bezeichnete der Zweite Senat auch, warum gerade Besoldungsempfänger im mittleren Dienst betroffen und Bezieher höherer Bezüge ausgenommen sein sollten.

mgö/LTO-Redaktion

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

BVerfG zu Richter und Beamten in Baden-Württemberg: . In: Legal Tribune Online, 28.11.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/32371 (abgerufen am: 14.10.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Staatsrecht und Staatsorganisationsrecht
    • Verwaltungsrecht
    • Beamtenrecht
    • Beamte
    • Beamtenbesoldung
    • Richter
  • Gerichte
    • Bundesverfassungsgericht (BVerfG)
Der Thüringer Verfassungsgerichtshof, aufgenommen am 14.06.2017 in Weimar (Thüringen). 12.10.2026
Richter

AfD fehlt aktuell ein Kandidat:

Ver­fas­sungs­richter-Wahl in Thüringen stockt

An Thüringens Verfassungsgerichtshof müssen drei Posten nachbesetzt werden. Eine Paketlösung zwischen AfD, CDU und SPD gerät aber ins Wanken. Denn derzeit fehlt der AfD ein Kandidat.

Artikel lesen
Kommentar von Dr. Markus Sehl zum IStGH ohne deutschen Richter 08.10.2026
IStGH

Internationaler Strafgerichtshof:

Wenn es hart auf hart kommt, sind die Deut­schen nicht dabei

Deutschland beschwört den Internationalen Strafgerichtshof als zivilisatorische Errungenschaft. Ausgerechnet bei dessen wohl größter Bewährungsprobe fehlt ein deutscher Richter – auch weil die Bundesregierung ihre Chance verstreichen ließ.

Artikel lesen
Christina Block steht im Gerichtssaal. Im Hintergrund sind die Richter:innen zu sehen 07.10.2026
Christina Block

Block-Prozess Tag 81:

Ein Tag, den es nicht gebraucht hätte

Nach über 80 Verhandlungstagen hätte man sich den 81. wohl sparen können: Kaum eine halbe Stunde geht er, Beweisprogramm gibt es keins. Für Unruhe sorgen Entwicklungen bei den IT-Asservaten – und die Verhaftung von Ex-BND-Chef Hanning.

Artikel lesen
Polizeibeamter in dunkelblauer Uniform mit der Aufschrift "POLIZEI" auf dem Rücken, von hinten fotografiert. 28.09.2026
Polizei

OVG NRW zur gesundheitlichen Eignung:

Wegen Harn­steins platzt der Traum vom Poli­zei­beruf nicht

Ein Polizeibewerber hatte einen Harnstein und wurde deshalb aus dem Bewerbungsverfahren geworfen. Grund: Er könne die medizinisch empfohlene Vorsorge im Polizeialltag nicht immer einhalten. Das war aber nicht rechtens, so das OVG.

Artikel lesen
Gertrude Lübbe-Wolff in der roten Robe der Bundesverfassungsrichter:innen 26.09.2026
BVerfG

Ex-Verfassungsrichterin Lübbe-Wolff:

"Das Gericht ist kreativ, aber nicht akti­vis­tisch"

Warum schwindet das Vertrauen in Deutschlands beliebtestes Gericht? Im Interview plädiert Gertrude Lübbe-Wolff auch für AfD-nominierte Richter, erklärt, warum das BVerfG nicht aktivistisch und eine Richterwahl per Ausschreibung eine gute Idee ist.

Artikel lesen
Verfassungsrichter Prof. Dr. Martin Eifert, LL.M macht ein Selfie mit Schülerinnen 26.09.2026
BVerfG

Bundesverfassungsrichter besuchen Schulen:

"Kann ich ein Selfie?"

Das Bundesverfassungsgericht wollte seinen 75. Geburtstag nicht nur mit einem Festakt feiern, sondern auch an Schulen in allen 16 Bundesländern über Demokratie diskutieren. Kann das funktionieren?

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Bundesamt für Justiz
Voll­ju­ris­tin­nen bzw. Voll­ju­ris­ten (m/w/d)

Bundesamt für Justiz, Bonn

Logo von McDermott Will & Schulte
Tran­sac­ti­on La­wy­er (m/w/d) mit Be­ruf­s­er­fah­rung im Be­reich...

McDermott Will & Schulte, Düs­sel­dorf

Logo von RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) als An­ge­s­tell­te oder in frei­er Mit­ar­beit

RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Logo von Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen
Ju­ris­ti­sche Re­fe­ren­tin | Ju­ris­ti­scher Re­fe­rent (m/w/d)

Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen, Düs­sel­dorf

Logo von DGUV - Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
Re­fe­rent/Re­fe­ren­tin (m/w/d) im Re­fe­rat Heil­be­hand­lung und Teil­ha­be

DGUV - Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Ber­lin

Logo von IHK zu Schwerin
Fach­be­ra­tung Ver­mitt­lungs­we­sen (m/w/d)

IHK zu Schwerin, Schwe­rin

Logo von Landkreis Emsland
Kreis­rä­tin / Kreis­rat (m/w/d)

Landkreis Emsland, Mep­pen

Logo von Wolters Kluwer
Me­dia Sa­les Ma­na­ger (m/w/d) für Le­gal Tri­bu­ne On­li­ne - re­mo­te

Wolters Kluwer, Hürth und 6 wei­te­re

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Deutsches Anwaltsinstitut e.V.
Umwelt‑ und Planungsrecht: Aktuelle Rechtsprechung und Gesetzgebung

23.10.2026

Logo von Deutsches Anwaltsinstitut e.V.
Verwaltungsprozessrecht: Fehler des Verwaltungsverfahrens und deren Folgen

30.10.2026

Logo von Deutsches Anwaltsinstitut e.V.
BauGB-Novelle 2026: "Game changer" oder bloße Randkorrekturen?

13.11.2026

§ 15 FAO - Aktuelle Rechtsprechung der Hamburgischen Verwaltungsgerichte zum Baurecht

25.11.2026, Hamburg

Logo von FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG
Praktikantenprogramm FPS in Practice - Frühjahr 2027, Frankfurt

18.02.2027, Frankfurt am Main

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH