Druckversion
Samstag, 11.07.2026, 12:31 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/bsg-B-1kr15-17r-krankenkasse-leistung-uebernahme-fingierte-genehmigung-bauch-gewebe-straffung
Fenster schließen
Artikel drucken
25421

BSG zur fingierten Genehmigung nach gerissener Frist: Kasse muss Kosten für Bauch­straf­fung über­nehmen

07.11.2017

Kostenübernahme durch die Krankenkasse (Symbol)

© Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Nach ihrer massiven Gewichtsabnahme wollten zwei Frauen eine Gewebestraffung am Bauch vornehmen lassen. Die Krankenkasse lehnte eine Kostenübernahme ab - allerdings zu spät. Nun muss sie zahlen, so das BSG.

Anzeige

Lehnt eine Krankenkasse einen Leistungsantrag nicht innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist ab, so muss sie für die Behandlung sorgen, ohne dass der Versicherte in Vorleistung gehen muss. Das gilt auch dann, wenn sie den Antrag später noch ablehnt, entschied am Dienstag das Bundessozialgericht (BSG) (Urt. v. 07.11.2017, Az. B 1 KR 15/17 R; B 1 KR 24/17 R).

Die beiden klagenden Frauen teilten im vorliegenden Fall neben derselben Krankenkasse auch das gleiche Leiden: Mit einer massiven Gewichtsabnahme hatte naturgemäß das Gewebe im Bauchraum nicht mithalten können, weshalb sie sich einer Abdominalplastik (Straffung der Bauchhaut) unterziehen wollten.

Ihre Leistungsanträge an die Krankenversicherung blieben allerdings zunächst unbeantwortet. Nach § 13 Abs. 3a Fünftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) muss die Kasse grundsätzlich möglichst zügig, spätestens aber drei Wochen nach Eingang des Antrags entscheiden. Anderenfalls muss sie dies den Versicherten wenigstens mitteilen. Doch die Kasse blieb stumm.

BSG: Gesetzgeber wollte (mittellose) Patienten schützen

Im Weiteren sieht die Norm vor, dass mit Verstreichen der Frist eine Genehmigung der Krankenkasse zu fingieren ist, mit der Folge, dass der Antragsteller Anspruch auf Kostenübernahme hat, wenn er sich die Leistung selbst beschafft. Um dies zu erreichen, zogen die beiden Frauen vor Gericht.

Dort nahm die Kasse in beiden Fällen jeweils vorsorglich eine etwaige fingierte Genehmigung zurück. Während die Instanzgerichte noch unterschiedlich urteilten - insbesondere das Landessozialgericht (LSG) NRW ging in seiner ablehnenden Entscheidung ausdrücklich auf Distanz zur bisherigen BSG-Rechtsprechung -, entschied das BSG nun aber zugunsten beider Frauen.

Die Rücknahme der Genehmigung vor Gericht sei rechtswidrig und daher nicht zu berücksichtigen, da es im Falle der fingierten Genehmigung nicht darauf ankomme, ob der Anspruch materiell-rechtlich bestehe, sondern lediglich darauf, ob die Voraussetzungen der fingierten Genehmigung vorlägen. Der Gesetzgeber habe mit der Regelung die Rechte der Patienten gezielt verbessern wollen, argumentierten die Kasseler Richter. Er schütze damit bewusst das Interesse aller Berechtigten an zeitgerechten Entscheidungen der Krankenkassen.

Eine der beiden Frauen war zudem mittellos, sodass sich der 1. Senat dazu veranlasst sah, auch klarzustellen, dass die Norm keinen Anspruch auf bloße nachträgliche Kostenübernahme gewähre, sondern einen Naturalleistungsanspruch auf Versorgung mit der entsprechenden Behandlung. Mittellose Versicherte hätten mit der Regelung in § 13 SGB V nicht gegenüber den Versicherten benachteiligt werden sollen, die sich gleich nach der Genehmigung die Leistung selbst beschaffen könnten, so das BSG. Anderenfalls würde ihnen wieder genommen, was er mit einer rechtmäßig fingierten Genehmigung gewährt worden sei.

mam/LTO-Redaktion

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

BSG zur fingierten Genehmigung nach gerissener Frist: . In: Legal Tribune Online, 07.11.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/25421 (abgerufen am: 11.07.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Sozialrecht
    • Gesundheit
    • Krankenkassen
    • Krankenversicherung
    • Sozialstaat
  • Gerichte
    • Bundessozialgericht (BSG)
Plenarsaal des Bundesrats 10.07.2026
Reform

Reformpakete der Bundesregierung:

Bun­desrat winkt Hei­zungs­ge­setz und Gesund­heits-Spar­paket durch

In der letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte der Bundesrat viele Themen zu besprechen. Der Fokus lag auf dem kontrovers diskutierten Gesundheits-Sparpaket und dem neuen Heizungsgesetz. Beide winkte der Bundesrat nun durch.

Artikel lesen
Leeres Plenum und Parlament des Deutschen Bundestag im Reichstagsgebäude mit Bundesadler in Berlin 09.07.2026
BVerfG

BVerfG zu Gesetzgebungsstopp vor der Sommerpause:

Diesmal darf der Bun­destag Tempo machen

2023 stoppte Karlsruhe das Heizungsgesetz kurz vor der Sommerpause. Nun sollte das BVerfG wieder laufende Gesetzgebungsverfahren bremsen. Diesmal ließ es den Bundestag weitermachen.

Artikel lesen
Teilnehmer einer Kundgebung des Aktionsbündnisses Psychotherapie demonstrieren am Gesundheitsministerium mit einem Plakat "4,5 Prozent Kürzung 100 Prozent falsch kalkuliert". 09.07.2026
Honorare

LSG Berlin-Brandenburg zu Psychotherapeutenhonoraren:

Erstmal nicht weniger Geld für Psy­cho­the­ra­peuten

Psychotherapeuten sollten ab April weniger Geld für Therapiestunden bekommen. Das LSG Berlin-Brandenburg hat die Kürzung jetzt erstmal gestoppt – auch wegen einer Vergleichsrechnung, die so nicht aufgeht.

Artikel lesen
Janosch Dahmen, Gesundheitspolitiker für die Grünen 08.07.2026
Krankenkassen

Bundesverfassungsgericht soll entscheiden:

Grüne wollen Gesund­heits-Spar­paket stoppen lassen

Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen kündigt an, noch am Mittwoch das Bundesverfassungsgericht anzurufen. Seine Fraktion kritisiert, es gebe zu wenig Beratungszeit vor der Verabschiedung des Gesundheits-Sparpakets im Bundestag.

Artikel lesen
Eine ehemalige "Landesirrenanstalt" in Mecklenburg-Vorpommern 14.06.2026
Medizin

Todesfall vorm Bundesgerichtshof:

Die Psy­ch­ia­trie in der Nach­kriegs­zeit

Ein BGH-Urteil vom 14. Juni 1951 gibt einen kleinen Einblick in die Psychiatrie der Nachkriegszeit: unsägliche Zustände, die vielen Menschen ihr Leben kosteten. Immerhin sorgte öffentlicher Druck dafür, dass es irgendwann besser wurde.

Artikel lesen
Ein Assistenzhund mit Führhilfe 29.05.2026
Tiere

LSG zur Eingliederungshilfe:

Sachsen-Anhalt muss Aus­bil­dung zum PTBS-Assis­tenz­hund bezahlen

Ein Assistenzhund soll einer Studentin mit PTBS helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen. Das LSG Sachsen-Anhalt verpflichtete das Bundesland nun dazu, die Spezialausbildung des Tieres vorläufig mit mehr als 4.000 Euro zu finanzieren.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Se­nior Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (w/m/d) Cor­po­ra­te/M&A im En­er­gy &...

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Ber­lin

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (w/m/d) In­ter­na­tio­nal Ar­bi­t­ra­ti­on

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Ham­burg und 4 wei­te­re

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (w/m/d) Real Es­ta­te

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Mün­chen

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (w/m/d) Real Es­ta­te

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Ham­burg

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
For­eign As­so­cia­te (Rus­si­an-law qua­li­fied) (f/m/d) In­tel­lec­tual...

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Düs­sel­dorf

Logo von Flick Gocke Schaumburg
Rechts­an­walt (m/w/d) Ar­beits­recht

Flick Gocke Schaumburg, Bonn und 2 wei­te­re

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Re­fe­ren­da­rin/Re­fe­ren­dar (w/m/d)

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Ham­burg und 4 wei­te­re

Logo von Hogan Lovells Cadwalader International LLP
Rechts­an­wäl­tin/Rechts­an­walt (w/m/d) En­er­gy & In­fra­struc­tu­re

Hogan Lovells Cadwalader International LLP, Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Strategische Vorgehensweise vor, während und nach der Betriebsprüfung (3,5 Std. FAO)

13.07.2026

EU AI Act Compliance im Griff – Schritt für Schritt zur Umsetzung

14.07.2026

Green Claims: Umweltaussagen rechtssicher gestalten

14.07.2026

Logo von Deloitte Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Wirksame Sparmaßnahmen in der Krise – arbeitsrechtliche Handlungsoptionen für Unternehmen

15.07.2026

Logo von RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH & Co. KG
Mitarbeiter-Webinar Einführung in die Bearbeitung der Insolvenztabelle [GOI]

14.07.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH