Insolvenzverfahren in London: Boris Becker ist kein afri­ka­ni­scher Dip­lomat

03.12.2018

Ein Gericht in London hat das Insolvenzverfahren von Boris Becker auf unbestimmte Zeit verlängert. Die Behauptung, dass er als Diplomat der Zentralafrikanischen Republik Immunität genieße, zog der Ex-Tennisstar bei einer Anhörung zurück.

Das Insolvenzverfahren von Boris Becker wurde nach einer Anhörung am Montag in London auf unbestimmte Zeit verlängert. Das berichtet die britische Nachrichtenagentur PA. Danach behauptet der ehemalige Tennisstar nun nicht mehr, diplomatische Immunität zu genießen. Becker selbst war nicht vor Gericht erschienen.

Eigentlich hätte das Insolvenzjahr von Boris Becker bereits im Juni zu Ende sein sollen. Doch das Verfahren zog sich hin. Die Insolvenzverwalter waren unzufrieden, dass Becker einen Teil seiner Trophäen aus seiner schillernden Tenniskarriere angeblich nicht aushändigte. Becker dagegen fühlte sich gedemütigt. Dutzende Erinnerungsstücke sollten bei einer Online-Versteigerung zum Kauf angeboten wurden, neben Tennistrophäen, Uhren und einem Bambi auch Socken des ehemaligen Weltranglistenersten - und das ausgerechnet zum Start in Wimbledon, mit Becker als Kommentator im BBC-Fernsehen. In letzter Minute konnte er die Versteigerung auf Eis legen lassen.

Der wohl überraschendste Zug war aber die Ankündigung, er sei als Diplomat nicht mehr zu belangen. Als Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten der Zentralafrikanischen Republik genieße er Immunität gegen die "Farce", die über ihn gebracht worden sei, meinte Becker und fügte hinzu: "Ich werde diejenigen, die diesen Prozess erzwungen haben, verfolgen und öffentlich zur Rechenschaft ziehen."

Durch Diplomatenstatus Immunität erlangen?

Nur wenige Tage später gab er in einem Interview Einblick in seine Verhältnisse und stellte sich als Opfer eines Kredithais dar. Er habe die Summe längst hinterlegt, die er einer englischen Privatbank rechtmäßig schulde. Die Bank aber fordere mehr als das Doppelte, weil sie 25 Prozent Zinsen draufgeschlagen habe - das sei aber "weder rechtskräftig noch rechtswirksam".

"Es ist richtig, dass mein Diplomatenstatus einige Privilegien beinhaltet, zum Beispiel Immunität in besonderen Fällen", so Becker damals noch. Er fühle sich "sehr geehrt für diese verantwortungsvolle Aufgabe". Mit seiner schwierigen Situation habe die neue Aufgabe aber "natürlich nichts" zu tun.

Zu Beckers Unglück wollten Regierungsmitglieder in der Zentralafrikanischen Republik aber nichts von seinem Diplomatenstatus wissen. Zwar sprang ihm der Botschafter der Landes in Brüssel bei, doch der Außenminister Charles Armel Doubane widersprach. Beckers Diplomatenpass sei eine Fälschung, betonte gar Doubanes Stabschef Chérubin Moroubama. Ein Gerichtssprecher in London und Beckers Anwälte in Deutschland waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

dpa/mgö/LTO-Redaktion

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Insolvenzverfahren in London: Boris Becker ist kein afrikanischer Diplomat . In: Legal Tribune Online, 03.12.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/32501/ (abgerufen am: 16.12.2018 )

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