Im aufsehenerregenden Block-Entführungskomplex gibt es mal wieder etwas Neues: Die Wohn- und Geschäftsräume eines ehemaligen BND-Präsidenten wurden durchsucht, er soll in eine schon 2022 geplante Entführung verwickelt sein.
Im Entführungskomplex um zwei Kinder der Steakhouse-Erbin Christina Block gibt es eine weitere Wendung: Wie die Generalstaatsanwaltschaft (GenStA) Hamburg mitteilte, wird unter anderem gegen den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ermittelt.
Hanning führt gemeinsam mit einem pensionierten Beamten des Hamburger Landeskriminalamtes (LKA) das Sicherheitsunternehmen "System 360". Es sollen mehrere Verstrickungen mit dem Entführungskomplex bestehen. Konkret seien deshalb am Dienstag acht Wohn- und Geschäftsadressen der Beschuldigten sowie fünf Objekte von Nichtverdächtigen durchsucht worden, teilte die GenStA mit.
Es geht unter anderem um den Verdacht der gemeinschaftlichen, schweren Entziehung Minderjähriger (bzw. der Verabredung hierzu) sowie der Anstiftung zum Besitz kinderpornografischer Schriften.
Geplante Entführung der Kinder im Jahr 2022 vereitelt
Christina Block soll Hanning und seinem Geschäftspartner bereits im Jahr 2022 mehr als 100.000 Euro dafür gezahlt haben, dass sie Blocks Kinder von deren Aufenthaltsort bei Blocks Ex-Ehemann in Dänemark nach Hamburg verbringen. "Die dafür womöglich notwendige Gewaltanwendung sollen die Betroffenen vorab gebilligt haben", so die GenStA hierzu. Die Tat wurde damals jedoch vereitelt, weil der Kindesvater verdächtige Personen an seinem Wohnhaus bemerkt und die dänische Polizei informiert hatte.
Auch gegen Christina Block und weitere Personen – nicht aber gegen Hanning und seinen Geschäftspartner – war wegen der Vorwürfe aus dem Jahr 2022 in Dänemark ermittelt worden. Das entsprechende Verfahren war jedoch eingestellt worden. Deshalb trat insoweit ein Strafklageverbrauch ein, sodass aus Sicht der Hamburger Ermittler ein Verfolgungshindernis gemäß Art. 50 Charta der Grundrechte der Europäischen Union (GRCh) i.V.m. Art. 54 Schengener Durchführungsübereinkommen (SDÜ) bestand. Gegen die Verfahrenseinstellung in Hamburg läuft noch ein Beschwerdeverfahren.
Diskreditierung des Vaters durch Kinderpornografie geplant?
Außerdem sollen Hanning und sein Geschäftspartner gemeinsam mit Block geplant haben, "den Kindesvater und dessen familienrechtlichen Beistand durch wahrheitswidrige Vorwürfe aus dem Bereich der Pädophilie zu diskreditieren." Hierzu soll nach Erkenntnissen der GenStA eine Festplatte mit weit über 500 kinderpornografischen Bild- und Videodateien auf dessen Wohngelände platziert worden sein. Ein israelisches Sicherheitsunternehmen habe diese Festplatte beschafft.
Die Ermittlungen gegen Block wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung und der Anstiftung zum Besitz kinderpornografischer Schriften sind noch nicht abgeschlossen, heißt es von der GenStA Hamburg.
Strafverfahren gegen Block, Delling und weitere Personen läuft
Das israelische Sicherheitsunternehmen steht wiederum im Verdacht, die Kinder in der Silvesternacht 2023/2024 aus Dänemark entführt zu haben. Wegen dieser Vorwürfe findet derzeit das Strafverfahren vor dem Landgericht Hamburg statt. Neben Christina Block und ihrem Lebensgefährten Gerhard Delling sind hierbei noch vier weitere Personen angeklagt, zu denen die nun Beschuldigten nicht gehören. Grundlegende Informationen zu diesem Verfahren lesen Sie hier, ausführliche Berichte zu den ereignisreichen bisher zehn Verhandlungstagen hier.
Ob und inwieweit auch Hanning und sein Geschäftspartner an der Aktion in der Silvesternacht beteiligt waren, sei noch "Gegenstand der laufenden Ermittlungen", teilt die GenStA abschließend mit.
jb/LTO-Redaktion
Durchsuchungen bei Sicherheitsunternehmen: . In: Legal Tribune Online, 16.09.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58156 (abgerufen am: 09.02.2026 )
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