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BKA stellt Lagebilder vor: Orga­ni­sierte Kri­mi­na­lität bleibt auf hohem Niveau

24.10.2025

Hendrik Streeck (l-r), Drogenbeauftragter der Bundesregierung, Alexander Dobrindt (CSU), Bundesinnenminister, und Holger Münch, BKA-Präsident, stellen auf einer Pressekonferenz im Bundeskriminalamt (BKA) die Bundeslagebilder Rauschgift und Organisierte Kr

Hendrik Streeck, Alexander Dobrindt Holger Münch stellen in Wiesbaden die Bundeslagebilder Rauschgift und Organisierte Kriminalität 2024 vor. Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert

Millionengewinne, Drogenschmuggel, Geldwäsche – das BKA hat zwei Lagebilder mit aktuellen Zahlen vorgestellt. Besorgniserregend seien junge Rauschgift-Konsumenten und wie sich die organisierte Kriminalität zur Dienstleistung entwickelt.

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Die Organisierte Kriminalität (OK) in Deutschland bleibt laut Bundeskriminalamt (BKA) auf hohem Niveau. 2024 wurden 647 Ermittlungsverfahren eingeleitet – fünf mehr als im Vorjahr und damit der zweithöchste Wert der letzten zehn Jahre. Besonders im Bereich synthetischer Drogen stellten die Behörden deutlich größere Mengen sicher. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch warnten bei der Vorstellung der Bundeslagebilder Rauschgift und Organisierte Kriminalität 2024 vor besorgniserregenden Entwicklungen und zunehmender Professionalisierung krimineller Netzwerke.

Laut Dobrindt, sei das Drogengeschäft das gefährlichste Feld der OK. Die Zahlen bei Kokain und synthetischen Drogen würden drastisch ansteigen. Kriminelle würden mit dem Rauschgifthandel erhebliche Gewinne erzielen, die es ihnen ermöglichen, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen zu beeinflussen.

Trotz der Gesetzesänderung und der daraus folgende teilweise Entkriminalisierung von Cannabis machen Cannabisdelikte mit 96.320 Fällen weiterhin den größten Anteil an allen Rauschgiftdelikten aus. Laut Alexander Poitz, dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, gebe es für Polizisten zwar eine Entlastung bei Kleinstmengen. Doch der illegale Anbau von Cannabis in Deutschland und der große Umfang von eingeschmuggelter Ware, blieben ein Problem. Es gebe Sicherstellungsmengen im Tonnen- und Gewinne im Millionenbereich. "Der Schwarzmarkt boomt", betonte der Kriminalbeamte, "Cannabis bleibt das Rauschgift Nummer eins in Deutschland."

Laut Bericht hat Kokain den zweitgrößten Anteil an allen Rauschgiftdelikten in Deutschland. 2024 registrierte das BKA 30.996 Kokain-Delikte (+4,5 %) und eine Sicherstellungsmenge von 24 Tonnen.

Konsumierende werden jünger und experimentierfreudiger

Der Markt für synthetische Drogen wächst. Im vergangenen Jahr wurden laut dem Bericht 37 Produktionsstätten, darunter elf Großlabore, gesichert. Auch die Anzahl an Todesfällen nach dem Konsum synthetischer Opioide sei deutlich gestiegen. Besorgniserregend sei vor allem, dass Konsumierende jünger und experimentierfreudiger würden. Der 14-prozentige Anstieg der Drogentoten unter 30 Jahren sei ein deutliches Warnsignal.

Rauschgiftschmuggler agieren nach den Darstellungen im Bericht dynamischer und ändern ihre Logistikwege. Dabei werden laut Poitz etwa Mitarbeiter von Häfen bestochen oder – teils ebenso ihre Familien – mit Gewalt bedroht. Es komme auch zu Körperverletzungen. 

Zugleich verlagere sich der Drogenhandel immer stärker ins Internet – mit schwer kontrollierbaren, hochdynamischen Strukturen. "Wir reden hier nicht über Waffengleichheit. Wir rennen bei diesem Marathon hinterher", so Poitz. Die Polizei müsse im Kampf gegen OK personell, technisch und rechtlich auf Augenhöhe gebracht werden.

Mehr kriminelle Diensteanbieter

Das BKA berichtet außerdem, dass sich die OK zunehmend zu einem professionell strukturierten Dienstleistungssektor entwickelt. Unter dem Begriff "Crime as a Service" (CaaS) würden kriminelle Akteure spezialisierte Dienstleistungen anbieten, die anderen Gruppierungen den Zugang zu komplexen illegalen Aktivitäten erleichtern. Besonders im Bereich der Geldwäsche zeige sich diese Professionalisierung deutlich. Zunehmend viele Anbieter schleusten gegen Entgelt Erträge aus kriminellen Geschäften in den legalen Wirtschaftskreislauf ein.

Laut dem OK-Lagebild hat sich zudem die insgesamt "gewaschene" Gesamtgeldsumme innerhalb eines Jahres stark erhöht: von 166 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 230,5 Millionen Euro im Jahr 2024. Ein wesentlicher Treiber dieses Anstiegs sei die verstärkte Nutzung sogenannter Kryptomixer. Diese Dienste verschleiern Transaktionen in Kryptowährungen, indem sie digitale Vermögenswerte verschiedener Nutzer miteinander vermischen und so die Rückverfolgung erschweren.

Kinder und Jugendliche für Gewalt rekrutiert

Parallel dazu ginge von organisierten Gruppierungen weiterhin ein hohes Bedrohungspotenzial aus. Neben finanziellen Straftaten nähme insbesondere die Gewaltbereitschaft zu – auch im öffentlichen Raum. Unter dem Phänomen Violence-as-a-Service (VaaS) würden kriminelle Netzwerke zunehmend Kinder und Jugendliche über Online-Plattformen oder Messenger-Dienste rekrutieren, um Drohungen, Angriffe oder gar Tötungen im Auftrag auszuführen.

Zur effektiven Bekämpfung der OK setzt Deutschland auf einen ganzheitlichen Ansatz. Auf nationaler Ebene bildet das seit 2023 bestehende Gemeinsame Plattform der OK-Bekämpfung (GPOK), dass den bundesweiten Informationsaustausch zwischen den OK-Dienststellen von Bund und Ländern, ermöglicht, einen zentralen Bestandteil. Das im BKA eingerichtete Kompetenzzentrum für digitale Finanzermittlungen soll den Austausch zwischen nationalen und internationalen Strafverfolgungsbehörden sowie Stakeholdern aus betroffenen Sektoren und Unternehmen der Privatwirtschaft ermöglichen.

pz/dpa/LTO-Redaktion

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BKA stellt Lagebilder vor: . In: Legal Tribune Online, 24.10.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58462 (abgerufen am: 09.12.2025 )

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