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Geschlechterwechsel beim BGH: Richter ist jetzt Rich­terin

25.06.2014

RiBGH Prof. Dr. Jürgen Schmidt-Räntsch heißt nun Johanna. Die Juristin, die im Juli 2002 zum Richter am BGH ernannt wurde, hat sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Für das Gericht selbst ist das keine große Sache.

"Das wird behandelt wie eine Namensänderung bei der Eheschließung. Das ist ein rein formaler Akt", äußerte die Sprecherin am Bundesgerichtshof (BGH) Dietlind Weinland gegenüber der Bild. Auf Nachfrage von LTO bestätigte sie, dass es nun eine Richterin mehr bei dem Karlsruher Gericht gibt. Schmidt-Räntsch wolle sich jedoch vorerst nicht zu dem Thema äußern, da der Wechsel der geschlechtlichen Identität noch zu frisch sei. Interviews zu dem Thema werde sie wohl erst dann geben, wenn sie auf "einige Jahre" in ihrer neuen Rolle zurückblicken könne.

Eine Pressemitteilung anlässlich der Ernennung von Schmidt-Räntsch zum Richter am BGH aus dem Jahr 2002 sprach davon, dass er verheiratet sei und ein Kind habe. Schmidt-Räntsch gehört dem V. Zivilsenat an und beschäftigt sich dort hauptsächlich mit dem Grundstücks-, Nachbar- und Wohnungseigentumsrecht. Daneben hat sie einen Lehrauftrag an der Humboldt-Universität in Berlin und ist Herausgeberin eines Kommentars zum Deutschen Richtergesetz. 

mbr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Geschlechterwechsel beim BGH: Richter ist jetzt Richterin . In: Legal Tribune Online, 25.06.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/12340/ (abgerufen am: 06.12.2019 )

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Kommentare
  • 26.06.2014 11:38, Torsten Gallus

    Interessant wäre, ob und wie eine weitere Anrede in Form von "Herr Dr. Schmidt-Räntsch" bereits § 185 Stgb (ff.) erfüllen würde.

    • 26.06.2014 17:30, Dagmar Harmsen

      Dem schließe ich mich an!
      Bereits der Respekt vor einem Menschen und seiner Sozialisation (Grundgesetz) sollte uns im Vorfeld einer juristischen Vornamens- und Geschlechtsänderung dazu veranlassen, die Anrede entsprechend anzupassen!

  • 27.06.2014 08:58, EHD

    Offensichtlich hat sich Herr Dr. Schmidt-Räntsch für die sog. "große Lösung" nach § 8 TSG entschieden und ist mithin nicht nur sein Vorname geändert worden, sondern ist er damit auch von der Rechtskraft der stattgebenden Entscheidung an als dem weiblichen Geschlecht zugehörig anzusehen. Wenn jemand sie in Kenntnis dieses Umstandes gleichwohl weiterhin als Herr anredet, könnte hierin grundsätzlich die Kundgabe einer Missachtung liegen, wenngleich ich es eher als straflose Taktlosigkeit erachten würde. Man sollte die Gesellschaft nicht überfordern und nicht alles in den Bereich der Strafbarkeit ziehen.

  • 26.02.2017 23:27, Fritz

    "(E)ine deutliche Annäherung an das Erscheinungsbild des anderen Geschlechts" aendert nichts am eigenen.