Druckversion
Donnerstag, 21.05.2026, 04:34 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/bgh-5StR26922-cannabis-cbd-bunte-bluete-freispruch-aufgehoben-legalisierung-berlin-btmg-handel
Fenster schließen
Artikel drucken
50773

BGH hebt Freisprüche auf: Ist der CBD-Handel der "Bunte Blüte" UG strafbar?

16.01.2023

Verkauf von CBD-Produkten in einem Späti.

Die CBD-Produkte wurden online und - wie hier - neben Lollys und Gummibärchen im Spätkauf vertrieben. Foto: Solarisys - stock.adobe.com

Der BGH hat die Freisprüche für fünf Beteiligte des CBD-Handels "Bunte Blüte" aus Berlin aufgehoben. Grund dafür ist nicht etwa die geplante Legalisierung, sondern eine fehlerhafte Beweiswürdigung des LG Berlin.

Anzeige

Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) hat die Freisprüche für fünf Beteiligte eines Cannabidiol (CBD)-Handels aus Berlin wegen fehlerhafter Beweiswürdigung aufgehoben (Urt. v. 16.01.2023, Az. 5 StR 269/22). Das Landgericht (LG) Berlin muss nun erneut entscheiden, ob sich die Teilhaber, Geschäftsführer und Mitarbeiter des Hanf-Start-Ups wegen Drogenhandels schuldig gemacht haben. Im vergangenen Jahr waren die Männer freigesprochen worden, dieses Urteil hob der BGH am Montag auf.

Dem Fall liegt die Einfuhr von jeweils mehreren Kilogramm Cannabisblüten aus der Schweiz und Luxemburg zu Grunde. Die Produkte hatten einen sehr geringen Gehalt des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC) und einen hohen Gehalt von CBD. Vertrieben wurden sie online und in Spätverkaufsstellen. CBD wirkt anders als THC nicht berauschend. Eine Lieferung beschlagnahmte schließlich der Berliner Zoll.

CBD-Produkte fallen unter das BtMG

Das LG hatte die CBD-Produkte zwar als Betäubungsmittel eingestuft, konnte aber keine Belege finden, dass die Angeklagten sie vorsätzlich zu Rauschzwecken verkauft hatten (Urt. v. 30.03.2022, Az. 534 KLs 16/20). Sie hätten auch nicht erkannt, dass sie zur Berauschung missbraucht werden konnten.

Der Spielraum für einen Handel mit Cannabisprodukten ist eng. Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) stuft Cannabis grundsätzlich als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel ein. Ausnahmsweise verkauft werden dürfen Produkte mit einem THC-Gehalt von höchstens 0,2 Prozent. Dabei muss jedoch ein Missbrauch zu Rauschzwecken ausgeschlossen sein. Dass die Bundesregierung eine Cannabis-Legalisierung anstrebt, spielt für das Verfahren keine Rolle.

Beweiswürdigung fehlerhaft

Der BGH stufte das Urteil des LG Berlin aus dem Jahr 2022 als lückenhaft ein und hob das Urteil auf, weil die Beweiswürdigung des LG rechtsfehlerhaft gewesen sei. Die Strafkammer habe sich nicht hinreichend mit den Aussagen der Angeklagten auseinandergesetzt.

Die Strafkammer habe sich schon nicht ausreichend mit der Glaubhaftigkeit der Einlassungen der Angeklagten beschäftigt, sondern sie lediglich wörtlich wiedergegeben und ohne nähere Prüfung ihrer Entscheidung zugrunde gelegt. Zudem fehlten Angaben, welche persönlichen Vorerfahrungen die Männer womöglich mit Rauschmitteln hatten. Eine andere Strafkammer des LG Berlin muss nun erneut prüfen, ob den Männern ein Vorsatz oder eine Fahrlässigkeit nachzuweisen ist.

Bereits im Oktober 2022 hatte der BGH über die Strafbarkeit des Handels mit CBD-Blüten entschieden und die Revisionen zweier Händler verworfen. Schon mit diesem Urteil bestätigte der BGH die Einordnung von CBD-Blüten als Betäubungsmittel im Sinne der Anlage I zum BtMG. Die Debatte um die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken hält weiter an. Bevor es voran geht, möchte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach allerdings erstmal das Ergebnis eines Gutachtens abwarten, um so die EU-Kommission von dem Legalisierungsvorhaben zu überzeugen.

ku/LTO-Redaktion

Mit Material der dpa

Anzeige
  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

BGH hebt Freisprüche auf: . In: Legal Tribune Online, 16.01.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/50773 (abgerufen am: 21.05.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Strafrecht
    • BGH
    • Cannabis-Legalisierung
    • Drogen
    • Online-Handel
  • Gerichte
    • Bundesgerichtshof (BGH)
Anästhesisten in einem OP-Saal (Symbolbild) 20.05.2026
BGH

BGH bestätigt Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge:

Fal­sche Anäst­he­sistin wollte nicht töten

Eine Frau war keine Ärztin und arbeitete dennoch als Anästhesistin – trotzdem hatte sie laut LG keinen Tötungsvorsatz, als ein Patient an den Folgen ihrer Narkose verstarb. Der BGH erkennt diesbezüglich keine Rechtsfehler.

Artikel lesen
Anwälte 19.05.2026
Anwaltsberuf

BGH sah auffälliges Verhalten:

Anwältin mit Asperger muss sich medi­zi­nisch begu­t­achten lassen

Eine Anwältin prozessierte gegen den Mandantenwillen weiter. Wegen dieser und anderer auffälliger Verhaltensweisen sieht der BGH gesundheitliche Eignungszweifel, die eine verpflichtende medizinische Untersuchung erlauben.

Artikel lesen
Verschiedene Werbeprospekte für Discounter im Einzelhandel liegend 15.05.2026
Verbraucherschutz

OLG Köln zu Rabattwerbung von Penny:

Rabatt auf UVP ist keine Prei­s­er­mä­ß­i­gung

Penny siegt in zweiter Instanz gegen den Verbraucherschutz wegen Rabattbezügen auf UVP. Das OLG Köln bemängelt aber fehlende Orientierungshilfen des BGH und hofft in der Revision auf Klarheit.

Artikel lesen
K.O.Tropfen heimlich ins Glas geträufelt 13.05.2026
Straftaten

Kabinett beschließt Strafverschärfung:

Ver­ab­rei­chen von K.O.-Tropfen wird härter bestraft

Wer K.O.-Tropfen zur Begehung einer Vergewaltigung oder eines Raubes einsetzt, muss künftig mit mindestens fünf Jahren Haft rechnen. Das sieht ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vor, der am Mittwoch im Kabinett beschlossen wurde.

Artikel lesen
Das Bild zeigt eine Benutzeroberfläche eines KI-Chatbots, der zur Haftungsfrage bei Falschaussagen beitragen könnte. 12.05.2026
KI

OLG lässt BGH-Revision zu:

Wer haftet für Fal­sch­aus­sagen des KI-Chat­bots?

Ein KI-Chatbot vergab großzügig nicht existierende Facharztbezeichnungen. Das OLG Hamm rechnet die Aussagen den verantwortlichen Ärzten zu – die Revision zum Bundesgerichtshof ist zugelassen.

Artikel lesen
§ 477 BGB (aF) 07.05.2026
BGH

BGH zur Beweislastumkehr nach § 477 BGB:

"Könnte auch etwas anderes gewesen sein" reicht nicht

Zeigt sich beim Verbrauchsgüterkauf ein Mangel, darf die Beweislastumkehr des § 477 BGB nicht ausgeschlossen werden, weil theoretisch auch andere, nicht dem Verkäufer zurechenbare Gründe denkbar wären. Das hat der BGH entschieden.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • Easy Apply: Die einfache und schnelle Bewerbung zu Deinem neuen Job.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Thomson Reuters
Se­nior Spe­cia­list Le­gal Edi­tor, Cor­po­ra­te Law and Practi­ce

Thomson Reuters, Ber­lin und 1 wei­te­re

Logo von Hogan Lovells International LLP
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ten­de (w/m/d) Ban­king & Fi­nan­ce

Hogan Lovells International LLP, Frank­furt am Main

Logo von Görg
Re­fe­ren­da­re und Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (m/w/d) für ver­schie­de­ne...

Görg, Frank­furt am Main

Logo von Görg
Re­fe­ren­da­re und Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter (m/w/d) für ver­schie­de­ne...

Görg, Mün­chen

Logo von Taylor Wessing
As­so­cia­te Ar­beits­recht (w/m/d)

Taylor Wessing, Mün­chen

Logo von White & Case
Rechts­an­wäl­tin / Rechts­an­walt (m/w/d) - Pri­va­te Equi­ty

White & Case, Frank­furt am Main

Logo von White & Case
Rechts­an­wäl­tin / Rechts­an­walt (m/w/d) - Re­struk­tu­rie­rung & In­sol­venz

White & Case, Dort­mund

Logo von orka Partnerschaft mbB
Re­fe­ren­da­re (m/w/d/*) im Be­reich En­er­gie­recht am Stand­ort Ber­lin

orka Partnerschaft mbB, Ber­lin

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Legal English - Der Seetransport

04.06.2026, Hamburg, Berlin, München, Düsseldorf, Freiburg im Breisgau

Logo von Kölner Anwaltverein e. V.
17. Kölner Anwaltstag 2026

21.05.2026, Köln

Online-Seminar! § 15 FAO - Cybercrime in der strafrechtlichen Praxis

21.05.2026

Vertragsmanagement als Werttreiber: Den Datenschatz heben und ROI >2 nachhaltig ermöglichen

21.05.2026

Gescheiterte Gesellschaftsbeteiligungen

21.05.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH