Berliner Jugendgerichte: Neu­köllner Modell redu­ziert Ver­fah­rens­dauer und Akten­berge

24.06.2011

Kriminelle Jugendliche werden in Berlin jetzt schneller bestraft. Dauerte ein solches Verfahren vor zwei Jahren noch mehr als 16 Wochen, seien es derzeit etwa 10 bis 11, teilte Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) am Freitag mit. Die Aktenberge der Jugendrichter seien deutlich kleiner geworden. 2006 hatte jeder von ihnen demnach im Schnitt 209 Verfahren im Jahr auf dem Tisch. Aktuell seien es weniger als 100.

Das Neuköllner Modell - von der Jugendrichterin Kirsten Heisig und ihren Kollegen entwickelt - habe zu schnelleren Prozessen beigetragen, betonte von der Aue. Heisig hatte sich vor einem Jahr das Leben genommen. Die prominente Juristin war am Amtsgericht Tiergarten für junge Täter aus dem sozialen Brennpunkt Neukölln zuständig.

Kern des Neuköllner Modells ist, kleinere Delikte von Jugendlichen schnell und konsequent zu ahnden, um so erzieherisch einzuwirken. Voraussetzung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht und Jugendhilfe mit festen Ansprechpartnern und telefonischer Information.

Die Zahl der Verfahren nach dem Neuköllner Modell werde sich in absehbarer Zeit erhöhen, sagte von der Aue. Erst im Juni des Vorjahres war das Projekt auf ganz Berlin ausgeweitet worden. Derzeit gebe es monatlich zwischen 20 und 30 beschleunigte Verfahren nach dem Neuköllner Modell. Sie können zu Arrest, regelmäßigem Schulbesuch oder gemeinnütziger Arbeit verurteilt werden.

LTO-Redaktion/cd

 

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Berliner Jugendgerichte: Neuköllner Modell reduziert Verfahrensdauer und Aktenberge . In: Legal Tribune Online, 24.06.2011 , https://www.lto.de/persistent/a_id/3585/ (abgerufen am: 19.10.2021 )

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