Druckversion
Donnerstag, 22.01.2026, 22:15 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/berlin-handy-ueberwachung-funkzellenabfrage-ermittlungen-stpo-informationssystem
Fenster schließen
Artikel drucken
32059

Auskunft über Funkzellenabfrage: Berlin infor­miert Bürger bei Handy-Über­wa­chung

13.11.2018

Handy-Funkmast

© Bernd Libbach - stock.adobe.com

Für viele ist es der Inbegriff des Überwachungsstaates: die Handyspionage. Rot-Grün in Berlin will nun den Bürgern mitteilen, wessen Handydaten im Rahmen einer Funkzellenabfrage von den Sicherheitsbehörden erhoben wurden.

Anzeige

In Berlin sollen Bürger künftig besser informiert werden, wenn ihre Handydaten in Ermittlungsverfahren zufällig erfasst wurden. Bundesweit gebe es ein solches Transparenzsystem nicht, sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Dienstag bei der Vorstellung. Berlin sage als erstes Bundesland zu, dass diejenigen, die wollen, informiert würden. "Wir betreten da bürgerrechtliches Neuland", so der Grünen-Politiker. 2017 wurden in Berlin demnach mehr als 59 Millionen Datensätze erhoben, davon 15,2 Millionen Telefonate.

Bürger können sich ab sofort anonym in dem neuen sogenannten Transparenz-System über fts.berlin.de mit ihrer Handynummer anmelden. Sie erhalten dann künftig per SMS nach Abschluss eines Ermittlungsverfahrens Bescheid, wenn die eigene Mobilfunknummer in einer Abfrage erfasst wurde. Danach sollen die Daten gelöscht werden. SPD und Grüne in Berlin hatten sich seit Jahren an der Funkzellenabfrage abgearbeitet, der Datenschutzbeauftragte der Hauptstadt kam 2012 zudem zu dem Schluss, dass die Maßnahme deutlich zu oft eingesetzt werde.

Bei der Funkzellenabfrage fordern Ermittler von den Telekommunikationsanbietern alle Handydaten an, die zu einem bestimmten Zeitraum im Bereich einer bestimmten Funkzelle registriert wurden, um Straftäter zu identifizieren. Das System ist bislang umstritten, weil dabei auch Mobiltelefone Unbeteiligter ohne deren Wissen erfasst werden.

Behrendt betonte, bei Demonstrationen gebe es keine Abfrage von Handydaten. "Wir sind ja hier nicht in Sachsen." Gerechnet wird mit einer fünfstelligen Zahl von Anmeldungen. Im Probebetrieb hätten sich
800 Tester angemeldet, hieß es. 

Entwickler: "Wir wollen die Menschen nicht beunruhigen"

Berliner Strafverfolger haben im Vorjahr 474 sogenannte Funkzellen abgefragt. Die Abfrage wurde laut Justiz in 426 Ermittlungsverfahren angewandt. Die Methode kam bei Ermittlungen zu Mord, Totschlag, Raubtaten oder schwerem Diebstahl zum Einsatz.

Die Funkzellenabfrage ist in § 100g* der Strafprozessordnung (StPO) geregelt. Sie muss demnach von der Staatsanwaltschaft beantragt und von einem Richter genehmigt werden. Laut Justiz gibt es in Berlin einige Tausend Funkzellen, die für die Staatsanwaltschaft in Frage kommen.

Laut Richter Ulf Buermeyer, der das System maßgeblich entwickelt hat, ist mit Benachrichtigungen frühestens Mitte nächsten Jahres zu rechnen. Bislang sei nicht vorgesehen, dass über die konkreten Ermittlungen informiert wird, es solle nur ein Aktenzeichen angegeben werden. "Wir wollen die Menschen nicht beunruhigen" - etwa, wenn ihre Handydaten in Mordermittlungen erfasst wurden. Der Bürger soll aber erfahren, wann und wo sein Gerät erfasst wurde.

Die oppositionelle Berliner FDP-Fraktion monierte, statt aufwendiger technischer Verfahren müsste die menschliche Seite der Ermittlungen gestärkt werden. Es würden mehr Polizisten gebraucht, die Verdächtige observieren, statt die Bewegungsdaten Millionen Unverdächtiger systematisch zu erfassen, so FPD-Politiker Marcel Luthe.

dpa/mam/LTO-Redaktion

*Korrektur: Früher war hier irrtümlich die Rede von § 109g StPO.

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Auskunft über Funkzellenabfrage: . In: Legal Tribune Online, 13.11.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/32059 (abgerufen am: 23.01.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Datenschutz
    • Datenschutz
    • Ermittlungsverfahren
    • Mobilfunk
    • Polizei
    • Überwachung
Foto eines Eingangsschilds mit der Aufschrift "Bundesamt für Verfassungsschutz" 22.01.2026
Asyl

VG Köln sieht keine Ermächtigungsgrundlage:

Ver­fas­sungs­schutz durfte Asyl­be­werber nicht befragen

Die Datenerhebung des Bundesamts für Verfassungsschutz bei einem Asylbewerber auf Malta war unzulässig. Es gab laut VG keine gesetzliche Grundlage dafür – der Mann wurde in seinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt.

Artikel lesen
Drei Soldaten der Bundesweh eskortieren den Beschuldigten, der Handschellen trägt 16.01.2026
Ukraine-Krieg

Mutmaßlicher Drahtzieher bleibt in U-Haft:

BGH äußert sich detail­liert zu Nord-Stream-Anschlag - und sch­reibt ihn Ukraine zu

Mit einer Leitsatzentscheidung äußert sich der BGH erstmals ausführlich zum Angriff auf die Pipelines. Der 3. Strafsenat geht davon aus, dass die Explosionen von der Ukraine veranlasst wurden. Auch im Krieg mit Russland bleibe der Anschlag strafbar.

Artikel lesen
Foto einer Gruppe von Demonstranten, die ein dunkles Banner halten, auf dem steht: "Wir sind alle linksunten". Davor steht ein Polizeibeamter mit dem Rücken zur Kamera. 15.01.2026
Ermittlungsverfahren

LG Karlsruhe linksradikaler Online-Plattform:

Durch­su­chungen bei mut­maß­li­chen "links­unten.indy­media"-Bet­rei­bern rechts­widrig

Knapp 200 Speichermedien sichergestellt, doch dabei keine Erkenntnisse gewonnen: Zum Jahreswechsel entschied das LG Karlsruhe, dass die Durchsuchungen bei fünf mutmaßlichen Betreibern der linksradikalen Plattform rechtswidrig waren.

Artikel lesen
Foto des Klägers, Lars Ritter, im Verhandlungssaal am Verwaltungsgericht Berlin 14.01.2026
Polizei

Polizei scheitert mit Rechtsmittel am OVG Berlin-Brandenburg:

Sch­merz­griff gegen Kli­maak­ti­visten bleibt rechts­widrig

Ein Klimaaktivist leistet keinen Widerstand, dennoch setzt die Berliner Polizei Schmerzgriffe ein. Das VG Berlin erklärte das Vorgehen für rechtswidrig. Mit ihrem Rechtsmittel gegen die Entscheidung scheitert die Polizei nun auch vor dem OVG.

Artikel lesen
Der angeklagte Polizist sitzt neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank 06.01.2026
Polizei

AG Mannheim zur Beweismanipulation:

Poli­zist frei­ge­spro­chen, der Beschul­digtem Gras unter­ge­schoben hat

Ein Beamter war mit dem Ergebnis einer Polizeikontrolle nicht zufrieden und schob einem Beschuldigten Gras unter. Dass das keine Verfolgung Unschuldiger durch Amtsträger war, hat das AG Mannheim in einem interessanten Urteil entschieden.

Artikel lesen
Bettina Limperg, Präsidentin des Bundesgerichtshofs, spricht im Badischen Staatstheater beim Festakt im Rahmen der Feierlichkeiten "75 Jahre Bundesgerichtshof und Bundesanwaltschaft". 01.01.2026
Gerichte

Sollte man kennen:

Neun wich­tige BGH-Ent­schei­dungen aus 2025

Vom "Hausdrama-Fall" über Beschaffenheitsvereinbarungen beim Gebrauchtwagenkauf bis zur erzwungenen Smartphone-Entsperrung: Der BGH hat auch 2025 wichtige Entscheidungen gefällt, von denen man gehört haben sollte.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von GvW Graf von Westphalen
Re­fe­ren­da­riat - IT- und Da­ten­schutz­recht

GvW Graf von Westphalen , Frank­furt am Main

Logo von RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH
Rechts­an­wäl­te (m/w/d) als An­ge­s­tell­te oder in frei­er Mit­ar­beit

RechtDialog Rechtsanwaltsgesellschaft mbH , 100% Re­mo­te

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Re­fe­ren­dar (w/m/d) IT- & Da­ten­schutz­recht

Osborne Clarke GmbH & Co. KG , Mün­chen

Logo von Ernst & Young Law
Rechts­an­walt IT Recht / Di­gi­tal Law / Da­ten­schutz - EY Law (w/m/d)

Ernst & Young Law , Düs­sel­dorf und 3 wei­te­re

Logo von CMS Deutschland
Rechts­an­wäl­­te (m/w/d) für den Be­reich IT- und Da­ten­recht

CMS Deutschland , Ham­burg

Logo von GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V.
Rechts­re­fe­ren­dar (m/w/d) Wahl­sta­ti­on Rechts­ab­tei­lung

GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. , Ber­lin

Logo von Osborne Clarke GmbH & Co. KG
Wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter (w/m/d) IT- & Da­ten­schutz­recht

Osborne Clarke GmbH & Co. KG , Mün­chen

Logo von Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg
Voll­ju­rist:in­nen (m/w/d) - Trainee­pro­gramm für an­ge­hen­de...

Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg , Ham­burg

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von Hagen Law School in der iuria GmbH
Fortbildung Handels- und Gesellschaftsrecht im Selbststudium/ online

23.01.2026

Logo von Deutscher Anwaltverein
7. Deutscher Arbeitsrechtstag

28.01.2026, Berlin

EU AI Act Compliance im Griff – Schritt für Schritt zur Umsetzung

23.01.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: M&A

26.01.2026

Logo von GvW Graf von Westphalen
Rechtsprechungs­report: Kapitalanlage­haftung

27.01.2026

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH