Migrationsbilanz 2025: Deut­lich weniger Asy­l­an­träge, mehr Abschie­bungen

05.01.2026

2025 stellten deutlich weniger Menschen in Deutschland einen Asylantrag – minus 51 Prozent gegenüber 2024. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abschiebungen um rund 20 Prozent.

Nach Deutschland kommen deutlich weniger Asylbewerber. Die Zahl der Erstanträge sank laut Bundesinnenministerium im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um 51 Prozent, im Vergleich zu 2023 um 66 Prozent. Gleichzeitig wurden zehntausende Menschen – rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr – abgeschoben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) machte vor allem die Migrationswende der Bundesregierung für die sinkenden Zahlen verantwortlich. Auch aus der Europäischen Union (EU) insgesamt wurden so viele Menschen wie noch nie abgeschoben, so die EU-Kommission. 

In Deutschland stellten 113.236 Menschen im Jahr 2025 erstmals einen Asylantrag, das ist etwas weniger als die Hälfte der Anträge im Vorjahr (229.751). 2023 hatten noch 329.120 Menschen erstmals Asyl beantragt. Im Rekordjahr 2016 waren es laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 722.370 Anträge. Damals hatten viele vor allem aus dem Bürgerkriegsland Syrien geflüchtete Menschen erst mit Verspätung einen Antrag stellen können – das Bundesamt war durch den großen Zuzug 2015 überlastet gewesen. Damals lag die Schutzquote bei über 60 Prozent.

In den Folgejahren sank die Zahl der Erstanträge auf Asyl auf 102.581 im Jahr 2020, um dann zunächst wieder anzusteigen. 

Warum die Asylzahlen sinken

Ein Grund für den Rückgang der Zahlen sind die Grenzkontrollen. Sie wurden ab Oktober 2023 von der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) schrittweise eingeführt und von ihrem Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) intensiviert. Nach dem Ende der Ära des Diktators Baschar al-Assad kamen zudem weniger Syrerinnen und Syrer nach Deutschland. Auch Italiens restriktiverer Migrationspolitik werden Effekte zugeschrieben. Das gilt in umgekehrter Weise auch für Spanien, wo irreguläre Migrantinnen und Migranten mit Jobaussichten auf einen Aufenthaltstitel hoffen dürfen.

Das Innenministerium führt den Rückgang auf die "Migrationswende" der Bundesregierung zurück: Sie zeige Wirkung. Dobrindt sagte: "Das klare Signal aus Deutschland heraus, dass sich die Migrationspolitik in Europa geändert hat, ist in der Welt angekommen." Genannt werden unter anderem auch die Aussetzung des Familiennachzugs und das Ende der "Turboeinbürgerung".

Erste Abschiebungen im neuen Jahr

Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag zudem Abschiebungen nach Afghanistan und Syrien angekündigt – beginnend mit Straftätern und Gefährdern. 2025 wurden einer Sprecherin zufolge insgesamt 83 Straftäter nach Afghanistan zurückgebracht. Auch im Jahr 2026 gab es bereits die ersten Abschiebungen. Die Sprecherin bestätigte einen Bericht der Bild über die Rückführung eines in Bayern wegen schwerer Körperverletzung und Drogendelikten mehrfach verurteilten Mannes. Dabei wurde laut Bild ein neu etablierter Mechanismus der Einzelabschiebung angewendet – laut der Sprecherin nun zum dritten Mal. Wie sie weiter mitteilte, wurde am Freitag zudem ein weiterer afghanischer Straftäter per Linienflug nach Afghanistan gebracht. 

Die frühere Regierung von SPD, FDP und Grünen hatte Afghanistan-Abschiebungen wegen der Machtübernahme der Taliban ausgesetzt, unter Dobrindt wurden sie wieder aufgenommen. Trotz Kritik aus Deutschland hatte sich das Innenministerium laut einem Sprecher mit "Vertretern der afghanischen De-facto-Regierung" verständigt. Dobrindt hatte gesagt, die Gesellschaft habe ein Interesse daran, dass Straftäter das Land verlassen.

Insgesamt wurden aus Deutschland vergangenes Jahr – noch ohne Dezemberzahlen – 21.311 Personen abgeschoben. "Wir gehen für das Jahr 2025 von einer Steigerung von Abschiebungen gegenüber dem Vorjahr von 20 Prozent aus", sagte eine Ministeriumssprecherin. 

Auch EU-weit gab es im Jahr 2025 deutlich mehr Abschiebungen. EU-Innenkommissar Magnus Brunner sagte der Welt am Sonntag, die Abschiebungsrate in den ersten drei Quartalen des Jahres sei von 19 Prozent im Jahr 2023 auf 27 Prozent gestiegen. "Damit werden wir im Jahr 2025 voraussichtlich die höchste Abschiebungsrate seit 2019 erreichen." Dennoch sei dies seiner Ansicht nach noch nicht genug. Nötig seien konsequente Abschiebungen, eine rasche Abweisung von Personen mit geringer Aussicht auf Asyl sowie Zusammenarbeit mit Drittstaaten, damit Menschen nicht fliehen.

Weitere Verschärfung des Kurses?

Kurz vor Weihnachten war auch erstmals seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 ein Mann nach Syrien abgeschoben worden, ebenfalls ein verurteilter Straftäter. 

Zuletzt hatte die CSU-Landesgruppe mit einem Forderungskatalog für Widerspruch gesorgt, der vor ihrer Winterklausur bekanntgeworden war. Nach diesem Beschlussantrag sollen die meisten Syrerinnen und Syrer zurück in ihre Heimat. Gefordert wird eine Abschiebeoffensive und ein Abschiebeterminal am Flughafen München. 

Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, hatte in der Süddeutschen Zeitung eingewandt, er verstehe nicht, "warum man zwei Monate vor extrem wichtigen Landtagswahlen das Nummer-1-Thema der AfD wieder groß macht (...)". Dabei habe Dobrindt ja geliefert. Gewählt wird 2026 in Baden-Württemberg (8. März), Rheinland-Pfalz (22. März), Sachsen-Anhalt (6. September), Berlin und Mecklenburg-Vorpommern (beide am 20. September). In den ostdeutschen Flächenländern ist die AfD in Umfragen stärkste Kraft.

Insgesamt halten sich in Deutschland laut Ministerium 940.401 Personen mit syrischer und 448.744 mit afghanischer Staatsangehörigkeit auf – jeweils mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus. Mehrere Branchen in Deutschland – etwa die Ärzteschaft – hatten gewarnt, ohne Arbeitskräfte auch aus Syrien entstünden deutliche Lücken. 

dpa/xp/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Migrationsbilanz 2025: . In: Legal Tribune Online, 05.01.2026 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58978 (abgerufen am: 18.02.2026 )

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