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Streit um Chagos-Archipel vor dem IGH: Weiße Strände neben grauen Kriegs­schiffen

04.09.2018

Das U-Boot-Tenderschiff USS Emory S. Land an einer der Basen im Chagos-Archipel 2010

© gemeinfrei; via Wikimedia Commons, User: Shannon Burn // US Navy, Bildquelle, Zuschnitt und Skalierung durch LTO

Der Archipel mitten im Ozean ist klein, aber militärisch wichtig: Großbritannien und Mauritius werden sich deshalb nicht einig, wem die Insel denn nun gehört. Jetzt soll der internationale Gerichtshof in Den Haag entscheiden.

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Mit einem heftigen Streit zwischen Großbritannien und Mauritius hat vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag der Prozess um die Hoheit über den militärisch wichtigen Chagos-Archipel im Indischen Ozean begonnen. Der frühere mauritische Regierungschef Anerood Jugnauth beschuldigte als Rechtsvertreter der Regierung von Mauritius das Vereinigte Königreich der "Nötigung". Nur unter "immensem Druck" habe Mauritius 1965 zugestimmt, die Souveränität über den Chagos-Archipel an Großbritannien abzugeben.

Jugnauth, der drei Mal als Premierminister seines Landes diente und sich als "letzter Überlebender" der Unabhängigkeitsverhandlungen von 1965 vorstellte, führte weiter aus: "Wir hatten keine Wahl." Man habe der Abtrennung nur zugestimmt, weil der damalige britische Premierminister Harold Wilson gedroht habe, es werde sonst keine Unabhängigkeit geben. Dies seien "Umstände, die an Nötigung grenzten."

Der britische Anwalt Sir Robert Buckland wies Jugnauths Äußerungen zurück. "Der Vorwurf der Nötigung ist völlig unbegründet", sagte er. Tatsächlich sei die Abtretung des Chagos-Archipels 1965 auch im Interesse von Mauritius gewesen. Die 1.250 Kilometer entfernte Inselgruppe mit weniger als 2.000 Bewohnern sei niemals integraler Bestandteil von Mauritius gewesen, sondern lediglich von dort "der Einfachheit halber" verwaltet worden. London habe auch zunächst der Unabhängigkeit zugestimmt, bevor das Parlament in Port Louis (Mauritius) der Chagos-Abtretung zugestimmt habe.

Nach der Übertragung der Souveränität an London wurden die rund 1.500 Bewohner gewaltsam vertrieben. Für diese "schändliche" Vertreibung entschuldigte sich Buckland. Auf Diego Garcia, der Hauptinsel des umstrittenen Archipels, befindet sich seit Anfang der 1970er-Jahre der gleichnamige US-Stützpunkt. Er ist in der Vergangenheit von großer strategischer Bedeutung für US-Kriegseinsätze unter anderem im Nahen Osten, in Afghanistan und im Irak gewesen.

London überließ Diego Garcia für zunächst 40 Jahre an die USA. 2016 wurde der Vertrag bis 2036 verlängert. Großbritannien verpflichtete sich, die 56 Quadratkilometer große Inselgruppe Mauritius zu überlassen, sobald es diese nicht mehr für seine Sicherheit benötigen sollte. Jugnauth ist der Stützpunkt indes gar nicht so wichtig. Es gehe nicht um den US-Stützpunkt, sondern um die mögliche Rückkehr der Bewohner. Mauritius sei deshalb bereit, "in Übereinstimmung mit internationalem Recht" auch weiterhin einen US-Stützpunkt auf Diego Garcia zu erlauben.

dpa/tik/LTO-Redaktion

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Streit um Chagos-Archipel vor dem IGH: . In: Legal Tribune Online, 04.09.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/30731 (abgerufen am: 08.10.2026 )

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