Die österreichische Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den Ex-Starinvestor Benko. Er soll bei der Signa-Insolvenz Vermögenswerte im Wert von 660.000 Euro beiseitegeschafft haben. Bei einer Verurteilung droht eine lange Haftstrafe.
Seit Januar sitzt René Benko, Gründer der Immobilien- und Handelsgruppe Signa, wegen Verdunklungs- und Tatbegehungsgefahr in Untersuchungshaft. Der ehemalige Immobilien-Milliardär soll bei seiner Insolvenz als Einzelunternehmer Vermögenswerte zuungunsten der Gläubiger beiseitegeschafft haben. Nun hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien beim Landesgericht Innsbruck Anklage gegen ihn erhoben. Der Vorwurf: "betrügerische Krida", ein Straftatbestand des österreichischen Strafrechts, der dem deutschen Straftatbestand der Schuldnerbegünstigung (§ 283d Strafgesetzbuch (StGB)) ähnelt.
Konkret wirft die WKStA Benko vor, dass er "unter dem Eindruck zunehmender Zahlungsschwierigkeiten und einer absehbaren Konkurseröffnung" Angehörigen noch 300.000 Euro geschenkt habe. Insgesamt belaufe sich der in diesem Verfahren festgestellte Schaden auf 660.000 Euro. Der Strafrahmen des österreichischen Pendants zu § 283d StGB beträgt ein bis zehn Jahre Freiheitsstrafe.
Gesamtschaden in Höhe von 300 Millionen Euro
Doch nicht nur in Österreich laufen eine Reihe von Ermittlungen gegen Benko, sondern auch in Deutschland und Italien. Seine Anwälte hatten die Vorwürfe stets bestritten. Die Anklage der WKStA sei Teil des Verfahrenskomplexes rund um die gescheiterte Signa-Gruppe. Dort werde gegen rund ein Dutzend Beschuldigte und gegen zwei Verbände ermittelt. Der bisher ermittelte Gesamtschaden belaufe sich auf 300 Millionen Euro, so die WKStA.
Die Behörde verdächtigt den 48-Jährigen außerdem der Untreue, des Betruges sowie des Bankrotts. Er soll laut den Ermittlern Investoren betrogen und Vermögenswerte vor Behörden, Gläubigern und Insolvenzverwaltern verborgen haben.
Benko hatte in der Niedrigzins-Phase ein verschachteltes Firmennetzwerk aufgebaut. So investierte er etwa in die Galeria-Warenhausgruppe, das Luxuskaufhaus KaDeWe und das Hamburger Elbtower-Projekt. Doch steigende Zinsen, explodierende Energiepreise und Baukosten, sowie konzerninterne Probleme brachten sein Immobilienimperium zu Fall.
Erst im Juni 2025 wurde das Inventar der "Villa Ansaldi" am Gardasee, die einst von René Benko für Feiern und Geschäftstreffen genutzt wurde, zwangsversteigert.
dpa/ail/LTO-Redaktion
Signa-Insolvenz: . In: Legal Tribune Online, 15.07.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/57675 (abgerufen am: 17.12.2025 )
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