AG Frankfurt zu verpasstem Flug nach Zugverspätung: Drei Stunden Zeit­puffer für die Deut­sche Bahn

24.05.2018

Auch erhebliche Zugverspätungen von über eineinhalb Stunden müssen bei der Reiseplanung einkalkuliert werden, so das AG Frankfurt. Ein Touristenpaar aus Würzburg verpasste seinen Flug und bleibt nun auf den Kosten sitzen.

Dass die Bahn nicht immer pünktlich kommt, können viele Reisende und Pendler aus leidvoller Erfahrung bestätigen. Nun hat das Amtsgericht (AG) Frankfurt a. M. klar gestellt, dass sogar mit erheblichen Verspätungen stets zu rechnen sei. So muss ein Touristenpaar aus Würzburg trotz einer Zugverspätung von 103 Minuten bei der Anreise die Kosten für einen verpassten Flug selbst tragen.

Die beiden hatten für ihre Reise nach Thailand über ihren Reiseveranstalter u. a. ein sogenanntes "Rail&Fly"-Ticket der Deutschen Bahn für den Transfer zum Flughafen gebucht. Weil der ICE aus Würzburg jedoch erst sehr spät in Bonn ankam, erreichten sie den dortigen Flughafen nicht mehr rechtzeitig und verpassten den Check-in für ihren Flug um fünf Minuten. Nun wollten sie vom Veranstalter die Mehrkosten für die Buchung eines Ersatzfluges sowie einen Hotelaufenthalt ersetzt haben.

Die Kläger seien aber schlicht zu spät losgefahren, urteilte das AG Frankfurt in seiner am Donnerstag veröffentlichten Entscheidung. Die beiden Reisenden hätten für die im Flugpreis enthaltene Bahnfahrt eine Verbindung wählen müssen, die mindestens drei Stunden vor Abflug den Flughafen fahrplanmäßig erreiche.

Darauf habe der Veranstalter auch hingewiesen, stellte das Gericht fest. Das Paar hatte hingegen nur einen Puffer von rund zweieinhalb Stunden eingebaut. Aus diesem Grund liege ein Mitverschulden vor, das eine Ersatzpflicht des Reiseveranstalters ausschließe, befand das AG. Die Kosten für Ersatztickets und eine Hotelübernachtung müssen die beiden Würzburger nun selbst tragen.

Grundsätzlich könne der Veranstalter auch für das mit der Reise verkaufte Rail&Fly-Ticket haftbar gemacht werden, führte der Richter* aus. Im Einzelfall hätten aber die Kläger mögliche Verspätungen im Bahnverkehr einkalkulieren müssen.

dpa/mam/LTO-Redaktion

*Korrektur am Tag der Veröffentlichung, 15:41 Uhr: In einer früheren Version war von mehreren Richtern die Rede, tatsächlich handelt es sich aber am AG naturgemäß nur um einen Richter.

Zitiervorschlag

AG Frankfurt zu verpasstem Flug nach Zugverspätung: Drei Stunden Zeitpuffer für die Deutsche Bahn . In: Legal Tribune Online, 24.05.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28783/ (abgerufen am: 24.06.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 24.05.2018 14:24, Sünde8

    "Das Paar hatte hingegen nur einen Puffer von rund zweieinhalb Stunden eingebaut." und "Zugverspätung von 103 Minuten" passen nicht zusammen. Entweder Fehler im Artikel oder sonstiger Denkfehler?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 24.05.2018 14:39, wimiffo

      2,5 Stunden vor dem Abflug = 150 Minuten vor dem Abflug. Den Check-in kann man dann auch bei 103 Minuten Verspätung um 5 Minuten verpassen. Check-in != Abflug

  • 24.05.2018 14:35, OMT

    Beim AG besteht der Spruchkörper aus einem Richter.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 24.05.2018 15:19, Konnor

    Das geht schon auf: Sie hätten 150 Minuten vor Abflug ankommen müssen. Es gab eine Verspätung von 103 Minuten, also waren es nur noch 47 Minuten bis zum Abflug und da wird gewöhnlich das Gepäck bereits abgefertigt/verladen. Normalerweise wird verlangt eine Stunde vor Abflug im Flughafen zu sein.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 24.05.2018 15:54, N1

    Welch irreführende Überschrift- es sind nicht drei Stunden Puffer nötig, in der Zeit ist die übliche Zeit am Flughafen schon enthalten...

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 26.05.2018 00:14, Flo

      Stimmt. Ich würde sogar noch weitergehen und sagen, die Überschrift ist schlicht falsch.

Neuer Kommentar
TopJOBS
Rechts­an­wäl­te (m/w/x) für den Be­reich Re­struk­tu­rie­rung / (Di­stres­sed) M&A / In­sol­venz­recht

Dentons, Ber­lin und 1 wei­te­re

be­ruf­s­er­fah­re­nen Rechts­an­walt (m/w) für den Be­reich Com­mer­cial Con­tracts (Schwer­punkt: Au­to­mo­ti­ve)

Bird & Bird LLP, Frank­furt/M.

Rechts­an­walt (m/w/d) als Know­led­ge Ma­na­ger für un­se­ren Ge­schäfts­be­reich Re­struk­tu­rie­rung und In­sol­venz

CMS Hasche Sigle, Frank­furt/M. und 1 wei­te­re

Rechts­an­walt (w/m) - IP|Mar­ken­recht

Harmsen Utescher Rechtsanwalts– und Patentanwaltspartnerschaft mbB, Ham­burg

Rechts­an­wäl­tin­nen und Rechts­an­wäl­te Un­ter­neh­mens­nach­fol­ge

Hennerkes, Kirchdörfer & Lorz, Stutt­gart

RECHTS­AN­WÄL­TE (M/W/D) für den Be­reich Öf­f­ent­li­ches Wirt­schafts­recht

Clifford Chance, Düs­sel­dorf

Voll­ju­rist/Syn­di­kus (m/w) für Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung

Versicherungskammer Bayern, Mün­chen

Rechts­an­walt (Se­nior As­so­cia­te) (m/w) für den Be­reich Cor­po­ra­te

Norton Rose Fulbright LLP, Ham­burg

As­so­cia­tes im Be­reich Cor­po­ra­te/M&A, Ca­pi­tal Mar­kets

Squire Patton Boggs, Ber­lin

Neueste Stellenangebote
Da­ten­schutz­be­auf­trag­ter (m/w)
Sach­be­ar­bei­ter (m/w) für Per­so­nen­scha­den Heil­we­sen, Kran­ken­haus und Ärz­te
Ma­na­ger Zoll und Au­ßen­wirt­schafts­recht (m/w)
Re­fe­rent (m/w) Steu­ern
Syn­di­kus (m/w) In­lands­ge­schäft
Vice Pre­si­dent Po­li­cies & Pro­ce­du­res (m/f)
Be­tei­li­gungs­ma­na­ger (m/w)