Hensels Ehefrau im Block-Prozess: "Hier lügt jemand"

20.11.2025

Christina Block soll den Auftrag erteilt haben, zwei ihrer Kinder aus der Obhut des Ex-Manns zu entführen. Dessen neue Ehefrau wendet sich als Zeugin direkt an die Angeklagte – und spricht am 23. Verhandlungstag von "Todesangst" der Tochter.

Mutter und Stiefmutter in einem Gerichtssaal: Die Sitzplätze der Angeklagten Christina Block und der neuen Ehefrau ihres Ex-Mannes im Saal sind fast nebeneinander. "Hier lügt jemand", sagt die Dänin Astrid Have als Zeugin über den seit Juli laufenden Prozess um die Entführung zweier Block-Kinder aus Dänemark. Die Tochter wünsche sich, die Mutter solle "endlich mal die Wahrheit sagen", sagt die 39-Jährige und wendet sich direkt an Block: "Denn das würde deinen Kindern helfen, Christina."

Have, die fließend Deutsch spricht, berichtet über die Folgen der Entführung für die Familie. "Wir als Familie waren schockiert über die Erlebnisse", sagt Have, die sich nach eigenen Angaben als Hausfrau um die fünf Kinder der Patchwork-Familie in Dänemark kümmert. Weil ihr Ehemann Stephan Hensel bei dem Überfall verletzt wurde, ist der 51-Jährige auch Nebenkläger in dem Mammut-Prozess mit sieben Angeklagten. 

Block und Hensel, deren Ehe 2018 geschieden wurde, haben vier gemeinsame Kinder. Block und ihr Ex-Mann führen seit Jahren einen erbitterten Sorgerechtsstreit um die zwei jüngsten davon.

Block bestreitet, Auftrag zur Entführung gegeben zu haben

Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette "Block House", Eugen Block, ist angeklagt, den Auftrag zur Entführung des damals zehn Jahre alten Jungen und der 13-jährigen Tochter in der Silvesternacht 2023/24 erteilt zu haben. Die 52-Jährige bestreitet das.

Die Kinder waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einer israelischen Sicherheitsfirma ihrem Vater gewaltsam entzogen und nach Deutschland gebracht worden. Laut Christina Block handelte das Unternehmen auf eigene Faust. Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling (66) ist wegen Beihilfe angeklagt. Der frühere Sportmoderator bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben.

"Das kann kein Psychologe mehr reparieren"

Die beiden Kinder seien sehr verändert gewesen, sagt Have, die seit 2020 mit Hensel verheiratet ist. Die Erlebnisse belasten die Kinder ihrer Aussage zufolge bis heute. "Das geht nie weg. Das kann auch kein Psychologe mehr reparieren."

Das Mädchen habe ihr erzählt, sie habe während der Entführung nach Deutschland "Todesangst" gehabt. Die Kinder verbrachten drei Tage bei ihrer Mutter in Hamburg, dann sollten sie gemäß einer neuen Gerichtsentscheidung wieder nach Dänemark.

Im Sommer 2021 hatte der Vater die Kinder nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch zurück nach Deutschland gebracht – seither leben sie bei ihm und seiner zweiten Ehefrau. Wegen der Zurückhaltung der Kinder hat die Staatsanwaltschaft 2023 Anklage gegen das Paar erhoben. Hensel wird Kindesentziehung, Have Beihilfe vorgeworfen. "Eine endgültige Entscheidung über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens ist bislang noch nicht ergangen", lautet die Auskunft der Staatsanwaltschaft.

"Sie sind uns in die Arme gesprungen"

Have äußert sich nur zu der Zeit nach der Rückkehr der Kinder und zu dem, was sie erzählten. Das Mädchen habe von Schmerzen berichtet, sagt die Stiefmutter. Den Geschwistern sei Klebeband über den Mund und um den Kopf gewickelt worden. Im Auto hätten die Entführer immer wieder ihren Kopf nach unten gedrückt. Die 13-Jährige habe davon Schmerzen im Nacken bekommen. Im Wald an der Grenze habe ihr ein Mann eine Kette vom Hals gerissen und weggeworfen.

Der Zehnjährige trug einen Alarmknopf der dänischen Polizei. Die Aufnahmen dieses Geräts hatte das Gericht am vergangenen Verhandlungstag vorgespielt. Die Aufnahmen – unterdrückte Schreien, Wimmern und Keuchen sowie Männerstimmen – hatten große Betroffenheit im Gerichtssaal ausgelöst.

Auch das Entfernen des Klebebands aus den Haaren habe wehgetan. Beim Wiedersehen auf einer Hamburger Polizeiwache habe die 13-Jährige noch Reste des Tapes an der Hand gehabt. "Sie sind uns in die Arme gesprungen", erinnert sich Have an das erste Treffen nach der Entführung. "Das war sehr emotional."

Nach der Rückkehr nach Dänemark hätten die Geschwister und auch die übrigen drei Kinder im Haushalt große Angst gehabt. Wochenlang seien sie nicht aus dem Haus gegangen. Wenn sie die Einkäufe gemacht habe, seien Nervosität und Angstzustände bei den Kindern besonders groß gewesen, sagt die Zeugin. Der Vater habe nicht am Fenster sitzen dürfen, weil die Kinder Angst gehabt hätten, er werde erschossen.

Mehrfach sei die Familie umgezogen, erst ab Ende April 2024 seien die Kinder dann wieder zur Schule gegangen. Der Zehnjährige und seine Schwester hätten neue Namen angenommen, die sie vor der Einschulung geübt hätten. Zum Glück hätten sie neue Freunde gefunden. Bis heute gingen sie aber nicht gern aus dem Haus, seien ängstlich, wenn ihnen dunkel gekleidete Männer entgegenkämen, und hätten Albträume.

Die 13-Jährige habe versucht, sich während der Entführung alle Details einzuprägen, sagt Have. Anhand ihrer Erinnerungen habe die Familie den Bauernhof, zu dem die Entführer die Kinder am 1. Januar 2024 gebracht hatten, in Süddeutschland lokalisieren können. Von dort hatte Christina Block sie nach eigenen Angaben abgeholt. Einer der Entführer hatte sie am 2. Januar in die Nähe von Hamburg gefahren.

Block-Prozess bis 10. Dezember unterbrochen

Wegen der Vernehmung eines wichtigen Zeugen durch die Staatsanwaltschaft außerhalb des Prozesses beantragte die Verteidigung die Aussetzung des Verfahrens. Die Anwälte müssten Gelegenheit bekommen, die viertägige Vernehmung des Chefs einer israelischen Sicherheitsfirma gründlich auszuwerten, sagt Blocks Verteidiger Ingo Bott zum Auftakt des 23. Verhandlungstags. Auch eine Unterbrechung für vier oder drei Wochen komme in Betracht. 

Die Vorsitzende Richterin verkündet zum Abschluss des Prozesstages die Unterbrechung bis zum 10. Dezember.

Tag 1 – Prozessauftakt: Hat sie die Entführung ihrer Kinder in Auftrag gegeben? In Hamburg hat der Prozess gegen Steak-House-Erbin Christina und weitere Angeklagte begonnen. Die Verteidigung macht der Staatsanwaltschaft viele Vorwürfe.

Tag 2 - Strafprozess gegen Christina Block vorerst unterbrochen: Eigentlich war eine Einlassung der Block-House-Erbin angekündigt, doch der Prozess gegen Christina Block wurde unterbrochen. Grund ist ein Streit um die Nebenklage ihrer 14-jährigen Tochter. Die Verhandlung wird am 25. Juli fortgesetzt.

Tag 3 - "Du hast mich fertig gemacht": "Ich habe die Entführung meiner Kinder weder beauftragt noch gewollt": Über mehrere Stunden ließ sich Christina Block vor der Strafkammer des LG Hamburg ausführlich im Entführungsprozess gegen sie ein und schilderte ihre Sicht der Dinge.

Tag 4 - "Sie haben meiner Tochter einen Alarmknopf um den Hals gehängt": Im "Block-Prozess" schildert Christina Block ihre verzweifelten Pläne, ihre Kinder zurückzuholen – von Bootsfahrten bis Maskenbildner. Im Fokus: Freundin "Olga", 120.000 Euro Bargeld und der Vorwurf eines Alarmknopfs um den Hals der Tochter.

Tag 5 - "Ich habe die schlechteste Position, meine Kinder jemals wiederzusehen": Routine im Saal, aber offene Fragen im Verfahren: Christina Block antwortet ausweichend, schildert Erinnerungslücken und wirft ihrem Ex-Mann Manipulation vor. Die Rolle der Cyberfirma bleibt ungeklärt. 

Tag 6 - "Ich werde von nun an insgesamt schweigen": Am sechsten Verhandlungstag im Kindesentführungsprozess verweigerte Christina Block alle Antworten auf Fragen der Nebenklage. Prozessuale Fragen, Framing- und Manipulationsanschuldigungen dominierten im aufgeladenen Gerichtssaal. 

Tag 7 - "Bestrafen Sie mich": Der Mitangeklagte und in Untersuchungshaft befindliche Tal S. gibt an, die Block-Kinder nur gerettet haben zu wollen. Er übernahm für die Entführung volle Verantwortung und appellierte an den Vater, "Frieden zu stiften".

Tag 8 - "Sie wirkte wie im Traum": Der Angeklagte Tal S. schildert am achten Verhandlungstag, wie er den Kindern Klebeband über Mund und Hände legte – bei dem Mädchen "härter", als es nicht kooperierte. Später gerieten Blocks Verteidiger und die Vorsitzende noch aneinander.

Tag 9 - "Hätte niemals gedacht, als rechtstreuer Bürger jemals vor Gericht zu stehen": Im Block-Prozess bestreiten ihr Lebenspartner Gerhard Delling, Cousine Uta B. und Sicherheitsunternehmer P. jede Beteiligung an der Entführung der Block-Kinder. Vater Hensel spricht derweil von Gewalt und "Todesangst" in der Silvesternacht.

Tag 10 - "Zum Glück hatte ich meine Hände schützend vor dem Gesicht": Blocks Ex-Ehemann beschreibt im Hamburger Entführungsprozess Schläge, Tritte und die Schreie der gemeinsamen Kinder in der Silvesternacht. Zudem wirft er Christina Block häusliche Gewalt vor, dem die Hauptangeklagte widersprach.

Tag 11 - "Unsere Verteidigerpflicht ist, das Wort zu erheben, wenn es notwendig ist": Im Prozess gegen Christina Block entbrennt eine hitzige Auseinandersetzung um Verteidigerrechte. Nebenkläger Hensel berichtet über die psychische Belastung der Kinder mit Aussagen, die stellenweise für Irritationen im Saal sorgten.

Tag 12 - "Wir haben Kinder, die funktionieren": Am zwölften Verhandlungstag ging die Befragung Stephan Hensels weiter. Er musste sich Vorhalte machen lassen, die ins Persönlichste gingen. Eine Verteidigerin lockte den Nebenkläger mit ihren Fragen sichtbar aus der Reserve.

Tag 13 - "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie etwas Böses wollten": Am dreizehnten Verhandlungstag des Block-Prozesses sorgt die Befragung von Nebenkläger Stephan Hensel erneut für Streit im Saal: An die Presse geleakte Akten, § 55 StPO, und ein ungewöhnlich emotionales Statement eines israelischen Mitangeklagten.

Tag 14 - "Alles, was aus Deutschland kam, wurde verteufelt": Am vierzehnten Verhandlungstag im Block-Prozess dominiert die juristische Kontroverse zum Umgang mit Handydaten. Block präsentiert sich kämpferisch, attackiert Hensel und bittet eindringlich, ihre Tochter nicht öffentlich aussagen zu lassen.

Tag 15 - Augenzeugen schildern Entführung der Kinder: Am 15. Verhandlungstag berichten Augenzeugen von der Entführung in der Silvesternacht 2023/24, während ein emotionaler Brief der Großeltern und Erklärungen zu psychischer Belastung der Kinder sowie Blocks Einlassungen für Spannung sorgen.

Tag 16 - "In so einer rekordverdächtigen Zeit bin ich noch nie aufgeflogen": Ein Sicherheitsberater berichtet über die Observation der Block-Kinder in Dänemark, sein Auffliegen vor Ort, einen riskanten Plan und ein heikles Mittagessen mit Anwälten: Einblicke in den 16. Verhandlungstag des Block-Prozesses.

Tag 17 - "Das ist alles nicht meine Kanne Bier": In welchem Verhältnis standen deutsche und israelische Sicherheitsfirmen? Aufschluss darüber sollte die Befragung des nächsten Zeugen im Block-Prozess geben. Außerdem gab es erneut Streit darum, ob Datenträger ausgewertet werden durften.

Tag 18 - "Die ganze Sache ist nicht mein cup of tea": Wie ist der Kontakt zur Firma zustandegekommen, die die Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach Deutschland geholt haben soll? Am Mittwoch sagte ein geheimnisvoller Zeuge aus, der "in höchsten Sicherheitskreisen" verkehrt.

Tag 19 - "Eine nicht mehr hinnehmbare Verletzung der Unschuldsvermutung": Während der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes seine Aussage verweigert, flammt der Streit über die ausgelesenen Handydaten von Christina Block wieder auf: Mehrere Verteidiger stellen Befangenheitsanträge am 19. Prozesstag.

Tag 20 - "Wer hat mit der israelischen Sicherheitsfirma gesprochen?": 20. Tag im Block-Prozess: Gericht und Staatsanwaltschaft würgen eine Erklärung Christina Blocks ab. Außerdem berichten Zeugen von ungewöhnlichen Hotelübernachtungen im Elysee-Hotel. Wer hatte Kontakt zur israelischen Sicherheitsfirma?

Tag 21 - Warum die Vorsitzende der Steakhouse-Erbin mit Haftbefehl drohte: Im Block-Prozess dreht sich an Tag 21 alles um die mysteriöse israelische Sicherheitsfirma, massive Zweifel an IT-Warnungen und eine scharfe Ansage der Vorsitzenden: Christina Block geht in Haft, wenn sie weiter Kontakt zu Zeugen hat.

Tag 22 - Audioaufnahmen aus der Silvesternacht 2023/24 erschüttern den Saal: Im Mittelpunkt von Tag 22 stand die Inaugenscheinnahme mehrerer Audioaufzeichnungen nach § 86 StPO. Die Dateien dokumentieren in Tonaufnahmen dramatische Minuten einer Entführung.

dpa/jb/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Hensels Ehefrau im Block-Prozess: . In: Legal Tribune Online, 20.11.2025 , https://www.lto.de/persistent/a_id/58672 (abgerufen am: 15.01.2026 )

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